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Interview mit dem neuen onsemi-CEO

»Auf die Wertigkeit der Produkte kommt es an«

Hassane El-Khoury
Hassane El-Khoury, onsemi: »onsemi hat auch Lieferprobleme. Aber wir konnten dennoch Rekordumsätze in Automotive und Industrie erreichen, und zwar nur, weil wir unsere eigenen Kapazitäten, die wir für andere Märkte genutzt haben, in diese beiden Marktsegmente verschoben haben. Das hat aber natürlich seine Grenzen, das heißt, auch wir können erst wieder dann mehr liefern, wenn unsere neuen Kapazitäten verfügbar sind.«
© onsemi

Seit Dezember 2020 ist Hassane El-Khoury der neue President und CEO von onsemi. Jetzt hat er die neue Strategie für onsemi vorgestellt. Im Gespräch mit Markt&Technik erklärt er, was er sich davon verspricht und wie sie umgesetzt werden soll.

Die Ziele sind gesetzt: onsemi will doppelt so stark wie der Halbleitermarkt wachsen, die Margen sollen erhöht werden und zukünftig will sich das Unternehmen vorwiegend auf Automotive und Industrie fokussieren, und zwar mit zwei Produktbereichen: Intelligent Sensing und Intelligent Power. Bereiche, die das Führungsteam als Non-Core-Business identifiziert hat, sollen verlassen werden. Derzeit entfallen 25 Prozent des Umsatzes von onsemi auf das Non-Core-Business, innerhalb der nächsten Jahre fallen also 10 bis 15 Prozent des Umsatzes weg.

Markt&Technik: Sie haben erklärt, dass die Margen nach oben gehen sollen, gleichzeitig nimmt der Automotive-Markt eine wichtigere Rolle für onsemi ein. Passt das zusammen?

Hassane El-Khoury: Das ist ein Missverständnis, dem viele unterliegen: Automotive wird mit geringen Margen gleichgesetzt, das ist aber nicht der Fall. Ich bin meine gesamte Karriere im Automotive-Segment aktiv gewesen und ich kann nur sagen: Die Automotive-Industrie bezahlt für wertige Produkte. Das heißt, dass wir uns auf wertige Produkte konzentrieren müssen. Wenn wir das machen, stimmen auch die Margen.

Rund 50 Prozent der Produkte, die wir heute Non-Core-Produkte nennen, zeichnen sich durch geringe Margen aus. Wenn wir uns auf Intelligent Power oder Intelligent Sensing konzentrieren, dann können wir wertige Produkte liefern. Und dann geht es nicht mehr um den Preis; wenn wir 10 Cent mehr für unser Produkt erhalten und der Kunde dadurch aber 5 Dollar auf Systemebene einspart, dann ist das für beide Seiten eine Win-to-Win-Situation.

Bei SiC mag das mittlerweile einfach sein, die Wertigkeit zu erklären, aber wie sieht es im Sensing-Bereich aus?

Ich würde sogar sagen, dass es in diesem Bereich sogar einfacher ist. Ein Beispiel: Wenn Sie mit Ihrem Auto fahren und aus einem Tunnel herauskommen und die Sonne Sie blendet, dann setzen Sie entweder die Sonnenbrille auf oder machen die Sonnenklappe runter. Wenn das Auto autonom fährt, muss die Kamera in der Lage sein, sowohl im hellsten Licht als auch bei größter Dunkelheit zu „sehen“. Dafür ist ein hoher dynamischer Bereich notwendig. Liefert onsemi Sensoren, die diese Anforderung erfüllen, dann reicht eine Kamera und es müssen nicht zwei Kameras, eine für Nacht und eine für den Tag, eingebaut werden.

Meiner Meinung nach gibt es für Sensoren so viele Use Cases im Fahrzeug, die alles andere als einfach sind. Wenn wir Produkte anbieten, die die Anforderungen dieser Use Cases erfüllen, dann handelt es sich um sehr wertige Produkte. Denn wenn wir die Sensing-Probleme nicht lösen, kann die Idee des autonomen Fahrens nicht umgesetzt werden.

Onsemi konzentriert sich darauf, echte Use Cases zu lösen. Andere Halbleiterunternehmen sprechen über die nächsten Prozesstechnologien oder Gehäusetechnik; darum geht es aber nicht, sondern es geht darum, für die Probleme, die man lösen will, die effizientesten Technologien zu entwickeln. Lidar ist ebenfalls eine sehr wertige Technik, weil Kameras bei dichtem Nebel einfach nicht funktionieren.

Aber gerade Lidar tut sich schwer, sich am Markt durchzusetzen, Tesla beispielsweise ist der Überzeugung, dass Lidar nicht notwendig ist. Warum glauben Sie, dass sich Lidar durchsetzen wird?

Weil die Technik bereits da ist. Lidar wird nicht der einzige Sensor im Fahrzeug, der alle anderen ersetzen wird. Unternehmen, die nur Lidar machen, behaupten manchmal, dass Lidar alles übernehmen wird. Das gilt aber auch für Kamerahersteller oder Radaranbieter.

Wir bieten Lidar und Bildsensoren, und damit kann der Kunde wählen. Es gibt auch Kunden, die nutzen beides, weil weder mit Kameras noch mit Lidar 100 Prozent der Use Cases abgedeckt werden kann. Und noch einmal zurück zur Wertigkeit: Unser Lidar ist so groß wie ein Penny und deckt bis zu 300 m ab. Damit ist zum Beispiel Long-Range-Radar überflüssig. Wir starten nicht mit der Technologie, sondern bei den Use Cases und schauen dann, welche Technologie dafür am besten geeignet ist. Der Use Case ist das, was den Fahrer und damit den OEM und den Tier-One interessiert; für sie ist es vollkommen uninteressant, welche Technologie dahintersteckt.

onsemi will zwei seiner Fabs verkaufen – und das zu einem Zeitpunkt, in dem jeder Halbleiterhersteller Lieferprobleme aufgrund zu geringer Kapazitäten hat.

Grundsätzlich: Ich entwickele keine Strategie, die nur zu einem Zeitpunkt günstig ist, das bringt nichts. Wir verfolgen eine Strategie, die in guten wie in schlechten Zeiten funktioniert. Und vor diesem Hintergrund wird die Effizienz in der Fertigung zu einem Schlüsselelement. Außerdem: Wir verkaufen zwei Fabs, aber in Zukunft wird sich unsere verfügbare Kapazität trotzdem um den Faktor 1,3 erhöhen. Das heißt, dass ich in den nächsten fünf Jahre mehr produzieren kann als heute, weil wir dann in East-Fishkill in einer 300-mm-Fab produzieren.

Wie viel Prozent lässt onsemi von Foundries fertigen?

Rund 30 Prozent.

Selbst heute schon?

Ja, es gibt Bildsensoren, die brauchen fortschrittliche Prozesstechnologien. Wir sind kein Fertigungsunternehmen, also investieren wir auch nicht in diese Bereiche. Das ist einer der großen Unterschiede zwischen heute und vor einem Jahr. Damals waren wir ein Fertigungsunternehmen, wir haben alle Möglichkeiten wahrgenommen, gute wie schlechte, nur um die Fabs zu füllen. Und das wirkt sich auf die Margen aus. Heute sind wir ein „Value House“, und dabei ist es vollkommen egal, wo die Produkte gefertigt werden. Bei manchen ist es sinnvoll, sie inhouse zu fertigen, und bei manchen nicht. Und dann mach ich das auch. Ich muss das Rad nicht neu erfinden; wenn ein Unternehmen die Technologie hat, dann nutz ich sie.

Onsemi hat drei Produktgruppen: PSG (Power Solutions Group) and ISG (Intelligent Sensing Group) sollen hohe Wachstumsraten erreichen, aber was steckt hinter ASG (Advanced Solutions Group)?

Wenn ich außerhalb der Firma von onsemi rede, dann spreche ich von Intelligent Power und Intelligent Sensing. Aus ASG kommt aber viel Intelligenz für diese Gruppen; hier kommen viele Analog- und Mixed-Signal-Komponenten her, auf denen schlussendlich die Entwicklung der intelligenten Power-Lösungen basieren. Wenn ich von Intelligent Sensing für Automotive spreche und ASIL-D, dann ist das Know-how aus ASG wichtig, um das hohe Safety Level zu erreichen. Das heißt, wir sind gemäß den Kompetenzen organisiert.

Bei PSG geht es um Power, bei ISG um Image Sensing und bei ASG um die Analog/Mixed-Signal-Kernkompetenzen, mit denen die beiden anderen Gruppen bedient werden. ASG entwickelt also die Funktionsbausteine auf der Power-Seite für beide Bereiche.

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