Auf Software setzen Vorteile von Open Source für ADAS und autonomes Fahren

Maßnahme zu hohen Entwicklungskosten im autonomen Fahren mit Plattform autonomy und Open-Source-Entwicklungsumgebung e²Studio.
Maßnahme zu hohen Entwicklungskosten im autonomen Fahren mit Plattform autonomy und Open-Source-Entwicklungsumgebung e²Studio.

Die Komplexität der Fahrzeugentwicklung auf dem Weg zum autonomen Fahren steigt stetig. Das wiederum führt zu hohen Entwicklungskosten. Um diese Problematik zu lösen, bietet Renesas mit der Plattform autonomy ein Ökosystem an. Neuer Bestandteil: die Open-Source-Entwicklungsumgebung e² studio.

Es gibt Bedarf für eine Palette von Soft- und Hardware-Komponenten, aus denen die Akteure der Automobilbranche vorgefertigte Lösungen für AD- oder ADAS-Funktionen (Advanced Driver Assistance Systems) auswählen. Oder sie erwerben auf Wunsch spezielle Basiselemente und können die Aufgabe selbst durchführen. Einige Funktionen sind so stark spezialisiert, dass dafür ein kompetenter Partner für Beratung und Unterstützung in der Entwicklung notwendig wird. Renesas hat daher seine Plattform »autonomy« für moderne Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren auf den Markt gebracht. Diese umfasst eine Auswahl spezialisierter Automotive-Komponenten, ein Ökosystem aus mehr als 200 Partnern sowie eine engagierte Open-Source-Entwickler-Community. Ziel: die Markteinführungszeit in der Automobilentwicklung zu verringern und den Akteuren gleichzeitig die Möglichkeit bieten, moderne Technologie in ihre Fahrzeuge zu integrieren, sodass sich diese vom restlichen Angebot auf dem hart umkämpften Markt abheben. Als Teil dieser Initiative hat Renesas mit der Einführung von e² studio, einer integrierten Entwicklungsumgebung (Integrated Development Environment, IDE) auf der Basis von Eclipse, sein Plattformkonzept nochmals verfeinert. Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner prognostizieren, dass ab 2020 eine Reihe automatisierter Fahrzeuge auf den Markt kommen und sich autonomes Fahren bis 2025 auf breiter Basis durchsetzen wird. Für die Fahrzeugentwicklung heißt das schon morgen. Automobilhersteller und Zulieferer befinden sich in einem Wettlauf, ihre Innovationen als erstes auf den Markt zu bringen. Daher ist die Nachfrage nach intelligenter Elektronik, welche die erforderliche Rechenleistung im Fahrzeug integriert, groß. Zugleich müssen diese Lösungen aber auch Entwicklungszyklen und -Kosten verringern. Strategien zur Erfüllung aller dieser Kriterien zu entwickeln, zählt aus diesem Grund heute zu den größten Herausforderungen, vor denen die Automobilindustrie steht.

Mit der Entwicklung intelligenter Funktionen und fahrzeuginterner Dienste sind für Automobilhersteller und Zulieferer enorme Kosten, ein hoher Zeitaufwand und erhebliche Know-how-Anforderungen verbunden. Das folgt aus der hohen Komplexität des autonomen Fahrens im Vergleich zu den heute bekannten ADAS-Funk¬tionen wie automatische Abstandsregelung oder automatischer Bremsassistent. Diese beiden Anwendungen stehen – entsprechend der Definition J3016 der SAE International – auf der ersten von fünf Automatisierungsstufen (Bild 1). Damit verbunden ist die Herausforderung, dass Hersteller nicht notwendigerweise Komponenten mit dem gleichen Funktionsumfang benötigen. Produktdifferenzierung ist entscheidend für die Neukundengewinnung sowie erhöhtes Wachstum in einem Markt, der eine hohe Markenloyalität aufweist.

Renesas autonomy: ein Überblick

Die beste Antwort auf diese Herausforderungen ist für alle Beteiligten der Zugang zu einer Gruppe von Konsortien, Partnerschaften und der Open-Source-Community, die alle gemeinsam an der Weiterentwicklung der Technologie arbeiten. Dieses Vorgehen senkt die Eintrittskosten in den Markt und macht die Technik wesentlich zugänglicher für alle Beteiligten – Automobilhersteller, Zulieferer, Technologieanbieter und sonstige Partnerunternehmen. Alle Mitglieder können der Community beitreten und ein breites Angebot an Spezialwissen als Ergänzung ihres eigenen Know-hows nutzen, um die Entwicklungen schneller voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund hat Renesas die autonomy-Plattform konzipiert. Dabei handelt es sich um ein Ökosystem aus Elektronikkomponenten, Technologien, Lösungen, Partnerunternehmen und kollaborativen Communities zur Weiterentwicklung von ADAS und autonomen Fahren.

Eckpfeiler der Plattform (Bild 2) ist die Renesas R-Car-SoC-Familie für Automotive-Anwendungen. Das R-Car-Konsortium umfasst in der Zwischenzeit mehr als 200 Partner weltweit, die die Bausteine in der Entwicklung ihrer eigenen Produkte nutzen – in der Regel spezialisierte Anwendungen in einer Reihe unterschiedlicher Automotive-Bereiche.

Die Renesas-autonomy-Entwicklergemeinschaft bietet heute allen Beteiligten in der Automobilindustrie eine Reihe von Software-Blöcken und andere Bausteine, die jeder für seine Entwicklungen benötigt. Das umfasst hochmoderne Vision-Lösungen, die den komplexen Anforderungen des assistierten und automatisierten Fahrens gewachsen sind – und die als Basis für umfangreichere Anwendungen zum Einsatz kommen. Diese Bausteine eignen sich bestens für Unternehmen, die ihre eigenen Software-gestützten Lösungen entwickeln.

Neues Tool: Renesas e² studio IDE

Renesas hat seine Plattform vor kurzem um e² studio, eine neue Open-Source-Entwicklungsumgebung erweitert. Mit dieser IDE können Anwender durch die Nutzung moderner Dienste neue Funktionen und Features entwickeln und debuggen.

Das Werkzeug beruht auf der beliebten Eclipse Open-Source-IDE und bietet allen seinen Anwendern einen umfassenden Wissenspool sowie weitreichendes technologisches Know-how. Renesas ist seit 2011 ein Mitglied der Eclipse-Entwicklergemeinschaft und hat davor eine eigene, proprietäre IDE entwickelt und bereitgestellt. Die Finanzierung der Entwicklung proprietärer Entwicklungswerkzeuge machte für den japanischen Hersteller kaum Sinn, weil parallel dazu bereits gleiche oder ähnliche Technologien allgemein verfügbar waren. Renesas profitiert als Mitglied der Eclipse-Community von diesem Engagement, weshalb der Hersteller beim Einstieg in das Projekt e² studio die Zusammenarbeit weiter ausgebaut hat.