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Bosch-KI-Zukunftskompass

Was denkt Deutschland über künstliche Intelligenz?

11. November 2020, 09:30 Uhr   |  Stefanie Eckardt

Was denkt Deutschland über künstliche Intelligenz?
© S.Eckardt | Elektronik automotive

Dr. Michael Bolle, Bosch-Geschäftsführer sowie Chief Digital Officer und Chief Technology Officer, stellte in einer virtuellen Pressekonferenz die Ergebnisse des »Bosch KI-Zukunftskompass« vor.

Wie steht die deutsche Bevölkerung zum Thema künstliche Intelligenz? Diese und weitere Fragen beantwortet der »KI-Zukunftskompass« von Bosch, für den der Zulieferer rund 1.000 Deutsche ab 18 Jahren repräsentativ nach ihrer Haltung zur künstlichen Intelligenz befragt hatte.

Mit 60 Prozent der Befragten wünscht sich eine klare Mehrheit der Deutschen  einen vermehrten Einsatz industrieller künstlicher Intelligenz (KI), wie etwa bei der Herstellung von Fahrzeugen. Mehr als zwei Drittel der Deutschen befürworten zudem KI-basierte Lösungen bei der Diagnose von Maschinenfehlern sowie in High-Tech-Bereichen wie der Raumfahrt. Die Daten finden sich im »Bosch KI-Zukunftskompass«.

In anderen Einsatzbereichen, etwa in der Krankenpflege oder bei der Anlageberatung, sind die Zustimmungsraten für den KI-Einsatz mit 40 Prozent beziehungsweise 31 Prozent deutlich geringer. Auch bei juristischen Entscheidungen oder der Vorauswahl von Kandidaten für eine offene Stelle vertrauen die Deutschen einem Menschen deutlich mehr als einer Maschine. Über alle Bereiche hinweg bewerten 53 Prozent der Deutschen den Einsatz von jedoch KI positiv, während 36 Prozent eher negativ eingestellt sind. »KI-Anwendungen werden sich nur dann durchsetzen, wenn Nutzer ihnen vertrauen«, bringt es Michael Bolle, Bosch-Geschäftsführer sowie Chief Digital Officer und Chief Technology Officer auf den Punkt. Deshalb brauche man klare, moralisch begründete Leitlinien nicht nur in Deutschland, sondern auf europäischer Ebene. Bosch habe sich mit einem KI-Kodex schon Anfang des Jahres einen klaren ethischen Rahmen gesteckt, so Bolle und betont: »Wir haben uns klar verpflichtet, dass KI dem Menschen dienen soll und nicht umgekehrt. Der Mensch muss immer die Kontrolle über die KI behalten

Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer fordern, dass künstliche Intelligenz nur dem Allgemeinwohl dienen darf. Ebenfalls rund zwei Drittel wünschen sich, dass auf internationaler Ebene über die rechtlichen und ethischen Maßstäbe beim Einsatz von KI entschieden wird (38 Prozent global und 27 Prozent europäisch), lediglich 35 Prozent setzen auf eine nationale Strategie. Und 85 Prozent der Befragten fordern, dass der Mensch die letzte Instanz beim Einsatz von künstlicher Intelligenz sein müsse. Unabhängig von der grundsätzlichen Einstellung gegenüber KI sind sich die Befragten über die Chancen und Risiken weitgehend einig. Vorteile sehen die Befragten in der Effizienz, dem Fortschritt und bessere (Arbeits-) Ergebnisse, aber KI stehen auch viele skeptisch gegenüber, wenn es um Themen wie Überwachung, Gefühllosigkeit, fehlender Datenschutz oder Arbeitsplatzverlust geht. »Das heißt, dass wir noch mehr über künstliche Intelligenz sprechen müssen«, schlussfolgert Michael Bolle. »Die Anwender müssen nachvollziehen können, auf welchen Grundlagen die KI eine bestimmte Entscheidung trifft.« Das sei ein Diskurs, der auf gesellschaftlicher, und nicht allein auf wirtschaftlicher Ebene zu führen sei.

»KI gehört in der Schule auf den Lehrplan«

Der Bosch KI-Zukunftskompass zeigt: Je ausgeprägter die Kenntnisse im Bereich künstliche Intelligenz sind, desto höher ihre Akzeptanz in der Bevölkerung. So bewerten 81 Prozent aller Befragten, die sich selbst als technologieaffin einschätzen und nach eigenem Dafürhalten über fundiertes Wissen in dem Bereich verfügen, künstliche Intelligenz als grundsätzlich positiv. In der Gruppe derjenigen, die sich selbst als wenig techniknah und eher uninformiert einschätzen, liegt die Zustimmung bei lediglich 27 Prozent. »Chancen und Risiken jeder KI müssen offen und faktenbasiert diskutiert werden«, so Bolle. Für einen konstruktiven und vorurteilsfreien Austausch sei dabei eine verbesserte Vermittlung der Funktionsweise von künstlicher Intelligenz notwendig. «KI muss auf den Lehrplan der Schulen«, unterstreicht Bolle, »zumindest als freiwilliges Zusatzangebot.«

Auch Bosch handelt: Das Unternehmen macht innerhalb der kommenden zwei Jahre 20.000 Mitarbeiter fit in KI. Der Automobilzulieferer plant zudem, dass ab 2025 alle Bosch-Produkte über KI verfügen, damit entwickelt oder hergestellt werden sollen.

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