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DLR-Projekt

Roboterfahrzeuge sollen World Food Programme unterstützen

21. Oktober 2020, 11:58 Uhr   |  Irina Hübner

Roboterfahrzeuge sollen World Food Programme unterstützen
© DLR

Viele natürliche und menschengemachte Risiken machen Hilfstransporte für menschliche Fahrer riskant.

Wie lassen sich mit Hilfe ferngesteuerter Lastwagen Hilfsgüter sicher transportieren? Das untersucht ein neues Kooperationsprojekt, an dem das DLR beteiligt ist. Robotergesteuerte Fahrzeuge sollen Strecken befahren, die für menschliche Fahrer große Risiken bergen.

Beispielsweise in den unwegsamen und von Überschwemmungen betroffenen Gegenden des Südsudans, ist es für Menschen höchst riskant, Hilfsgüter an ihren Bestimmungsort zu bringen. Auch Landminen, improvisierte Sprengkörper, Epidemien und diverse Katastrophen-Szenarios, bei denen keine ausreichende Infrastruktur mehr vorhanden sind, stellen für Fahrer von Hilfskonvois erhebliche Herausforderungen dar.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), das in diesem Jahr den Friedensnobelpreis für seine Arbeit erhalten hat, sieht sich verpflichtet, sichere Transportmöglichkeiten zu schaffen, um solche Orte mit Hilfslieferungen zu erreichen und damit auch den Wirkungsbereich des WFP auszuweiten. Die Einbindung ferngesteuerter Lastwagen in Zusammenarbeit mit dem DLR sieht das WFP als vielversprechenden Ansatz, um dieses Ziel zu erreichen.

In einige schwer zugängliche Gebiete werden Hilfsgüter bislang per Flugzeug geliefert. Dieses Vorgehen ist kostenintensiv und hat beispielsweise durch den Spritverbrauch massive ökologische Auswirkungen auf die Regionen. Diese Flugzeuge möchte das WFP durch lokale, alternative Lieferketten ersetzen. Hier setzt das Kooperationsprojekt mit dem DLR an, erklärt Armin Wedler, DLR-Projektleiter für das neue Kooperationsprojekt AHEAD: »Als Beispielprojekt nehmen wir die regionalen Überschwemmungen im Südsudan, wo große Gebiete von herkömmlichen Lieferketten abgeschnitten sind. Es ist gelungen, die Kosten für die Notlieferung durch den Einsatz von Booten und Lkw zu senken. Die Strecke führt jedoch durch teilweise überflutete Bereiche, die die Fahrzeugführer großen Risiken aussetzen. Unsere Projektskizze beschreibt ein Konzept für robotergesteuerte, ferngesteuerte Fahrzeuge in dieser sehr unwegsamen Umgebung des Südsudan, mit dem die Lieferung der letzten, gefährlichsten Strecke per Telepräsenz von einem sicheren Ort aus, zum Beispiel von Tiar aus, durchgeführt werden kann.«

Zum Einsatz kommen SHERP-Fahrzeuge, die das WFP bereits erfolgreich im Einsatz hat. Die Offroader bewegen sich in jedem Gelände, selbst in Wasser oder Sümpfen, und können Kletterhindernisse bis zu einem Meter zu überwinden. Sie werden mit mehreren Sensoren zur Echtzeitüberwachung ihrer Umgebung ausgestattet und für die Steuerung aus der Ferne automatisiert. Sollten die Fahrzeuge die Funkverbindung zur Steuerung verlieren, müssen sie jederzeit Sicherheits- und Notfallstopps einlegen können. Dazu erfassen sie ihre Umgebung mit Wahrnehmungssensoren, Tiefenkameras und Lidar-Systemen.

»Die Fernbedienung von mobilen Robotern, wie beispielsweise Rover auf Planetenoberflächen, aber auch Lastwagen in unzugänglichen Umgebungen auf der Erde, sind eng verwandte Aufgaben, da beide Umgebungen gefährlich, schwer zu navigieren und sehr anspruchsvoll sind. Die Verwendung und den Betrieb ferngesteuerter Roboter halten wir für sinnvoll, weil dadurch Menschen nicht in Gefahr kommen und weil sie kostengünstiger als Lieferungen per Luftfracht sind«, erklärt Armin Wedler.

Am Projekt AHEAD (Autonomous Humanitarian Emergency Aid Services) sind Wissenschaftler des Instituts für Robotik und Mechatronik am DLR sowie ein Konsortium aus anderen DLR-Instituten und Technologiepartnern beteiligt.

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