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Interview zur Zukunft der LCD-Technik

Kommt 2022 die Wachablöse?

01. Juli 2020, 12:00 Uhr   |  Markus Haller

Kommt 2022 die Wachablöse?
© Golubovy | Shutterstock.com

Die LCD-Technik ist der Fels in der Brandung von immer kürzeren Innovationszyklen - der zuletzt aber einige Risse bekam.

Anwenderbranchen wechseln von LCD auf OLED, Samsung und LG verkleinern ihre LCD-Produktion und Traditionshersteller Mitsubishi wird sie ab Sommer 2022 ganz einstellen. Kommt die große Wachablöse? Nein, sagt DFF-Vorsitzender Karlheinz Blankenbach im Interview und bewertet die Entwicklungen.

Mit Apple hat der letzte große Smartphone-Hersteller schon vor zwei Jahren im High End-Bereich auf OLED-Displays umgestellt. Erste Automobilhersteller integrieren OLEDs ins Fahrzeug und der traditionelle TFT-LCD-Hersteller Mitsubishi wird 2022 seine Produktion einstellen. Davon sind auch einige Distributoren in Europa betroffen.

Prof. Dr. Blankenbach, der Marktanalyst Bob Raikes hat den Begriff des LCD-Monsters geprägt – ein Kraken, der an so gut wie jeder Anwendung einen Tentakel hat und darum eigentlich nicht zu verdrängen ist. Sitzt das LCD-Monster noch so fest im Sattel?

Der Begriff »LCD-Monster« hat im ursprünglichen Sinne noch weitgehend seine Gültigkeit. Einschränkungen ergeben sich bei neuen Anwendungen wie hoch flexiblen sowie transparenten Displays und VR-Displays. Leicht gekrümmte LCDs lassen sich durchaus fertigen und ebenso transparente LCDs mit ca. 15 % Transmission. Das ist aber für viele Anwendungen nicht ausreichend und bleibt hinter dem zurück, was man heute mit OLEDs erreichen kann. Bei VR-Brillen werden sehr hohe Bildwiederholfrequenzen angestrebt. Wir sprechen hier von Werten über 240 Hz. Das führt bei den vergleichsweise geringen Schaltzeiten von LCDs bei schnellen Bewegungen des Kopfes zu verschwommenen Bildern.

Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach leitet das Display-Labor an der Hochschule Pforzheim und ist Vorsitzender des Deutschen Flachdisplay Forums.
© Hochschule Pforzheim

»Ich denke, LCDs werden mittelfristig und vielleicht sogar langfristig die industriellen Displays der Wahl sein.« Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach leitet das Display-Labor an der Hochschule Pforzheim und ist Vorsitzender des Deutschen Flachdisplay Forums.

Die Diskussion um eine LCD-Nachfolgetechnik ist nicht neu und im CE-Bereich wurde teils schon auf OLED umgestellt. Mit Mitsubishi hat nun ein Traditionshersteller von Industriedisplays angekündigt, seine gesamte LCD-Produktion einzustellen. Wie ist der Schritt zu bewerten?

Sicherlich nicht als die beginnende Abkehr von der LCD-Technik für industrielle Anwendungen. Den Schritt von Mitsubishi muss man vor der allgemeinen Branchenentwicklung bewerten und die geht in die Gegenrichtung. In den letzten Jahren wurden die Produktionskapazitäten für LCDs massiv ausgebaut und alle etablierten Hersteller haben sozusagen ihr Herz für professionelle Displays entdeckt. Hier ist die Marge typischerweise höher als bei CE-Displays.

Diese beiden Trends erhöhen den Druck auf kleinere Hersteller bzw. solche, die mit vergleichsweise kleinen Substratgrößen produzieren – hier können Innovationen nur bedingt durch Skaleneffekte finanzieren werden. Im Rückzug von Mitsubishi sehen nun die Mitbewerber ihre Chance. Es wird beispielsweise eine Cross-Referenzliste mit vergleichbaren Kyocera-Produkten erstellt. So bedauerlich der Rückzug von Mitsubishi im Einzelfall ist, in Summe findet branchenübergreifend einen Konzentrationsprozess bei allen reifen Technologien statt.

Wo Sie Kyocera Display ins Spiel bringen – schon vor mehr als zwei Jahren sagte mir Manfred Sauer, dass sich die japanischen Hersteller die Butter vom Brot haben nehmen lassen. Warum hat man den technischen Vorsprung vor zum Beispiel Südkorea verspielt?

Technologisch ist Japan in vielen Bereichen der Display-Technologien nach wie vor Spitze. Als Beispiel sei hier IGZO als TFT-Technik genannt. Es war Sharp, das es Anfang der 2010er Jahre geschafft hat, sie in die Massenproduktion zu überführen. Auch JDI besticht immer wieder durch technische Innovationen wie PixelEyes. Ferner wird JOLED eventuell noch in diesem Jahr mit der Massenproduktion von gedruckten OLEDs starten. Meiner Meinung nach konnten die japanischen Displayfirmen nicht die notwendigen Investitionen tätigen. Da waren die beiden koreanischen Elektronikriesen einfach finanzstärker.

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1. Kommt 2022 die Wachablöse?
2. Reifegrad der möglichen LCD-Nachfolgetechniken und das Problem kleiner Stückzahlen

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