Schlüsseltechnologie Photonik

»Die deutsche Photonik braucht mehr politischen Rückenwind!«

23. Januar 2023, 17:30 Uhr | Von Wenko Süptitz, Fachverbandsleiter Photonik im Industrieverband Spectaris
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Wenko Süptitz, Spectaris: »Auch in Deutschland kämpft die Photonik um bessere Anerkennung als erfolgreiche Schlüsseltechnologie mit weiterem großem Innovationspotenzial.«
© Spectaris

Analysten erwarten für das Jahr 2023 erneut ein signifikantes Wachstum der Photonik-Branche. Doch die Politik scheint die hohe Bedeutung dieser Zukunftstechnologien noch nicht recht erkannt zu haben, wie Wenko Süptitz in seinem Rück- und Ausblick erklärt.

Von Wenko Süptitz, Fachverbandsleiter Photonik im Industrieverband Spectaris

"Die Photonik-Industrie hat sich im Jahr 2022 eindrucksvoll aus der Coronakrise zurückgemeldet. Am Jahresanfang zeigte das neue Weltraumteleskop James Webb mit einer Vielfalt photonischer Technologien – von ausfaltbaren Spiegeln bis zu höchstauflösenden Infrarot-Spektrometern – zuvor nicht für möglich gehaltene Einblicke in unser Universum. Aus Deutschland mit dabei: das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena. Am Jahresende machte ein gänzlich anderes Forschungsprojekt Schlagzeilen: 192 leistungsstarke Neodym-Laser erzeugten an der amerikanischen National Ignition Facility NIF eine kontrollierte Kernfusion, die erstmalig mehr Energie freisetzte, als zum Aufheizen des Fusionsbrennstoffes notwendig war. Damit ist die Menschheit der Vision von einer sauberen Kernenergie wieder ein Stück näher gerückt.

In der Zwischenzeit gab es die Physik-Nobelpreise für die Quantenforscher Alain Aspect, John F. Clauser and Anton Zeilinger »for experiments with entangled photons, establishing the violation of Bell inequalities and pioneering quantum information science«. Photonik wieder einmal im Mittelpunkt.

Weiteres Wachstum erwartet

Die internationale Erfolgsspur der Photonik reißt also nicht ab. Auch in Deutschland als eine der führenden Photonik-Nationen weltweit sind die wirtschaftlichen Kennzahlen trotz eines schwierigen globalen Umfeldes weiter sehr positiv. Die rund 176.000 Beschäftigten der deutschen Photonik-Branche erwirtschafteten im Jahr 2021 47 Milliarden Euro Umsatz. In der ersten Jahreshälfte 2022 lag der Umsatz um acht Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch auf Jahressicht zeichnet sich ein Zuwachs im oberen einstelligen Bereich ab.

Eine Herausforderung für die deutsche Photonik bleibt es, die Erfolgsbilanz seiner äußerst erfolgreichen Schlüsselbranche auch bei den zukünftigen wirtschaftlichen Zielsetzungen in der Bundes- und Europapolitik adäquat zu verankern. So kann die Photonik zur Erreichung der Ziele des europäischen Chip-Gesetzes maßgeblich beitragen. Unter anderem steht die Entwicklung der innovativen photonischen integrierten Schaltkreise, sogenannte PICs, an der Schwelle zur Volumenproduktion. Es bedurfte aber erst intervenierender Expertenstimmen, um bei der Europäischen Kommission die Herstellung von PICs in die Definition von Halbleiterproduktionsanlagen zu inkludieren.

»Die Photonik kämpft um Anerkennung«

Auch in Deutschland kämpft die Photonik um bessere Anerkennung als erfolgreiche Schlüsseltechnologie mit weiterem großen Innovationspotenzial. In der Terminologie des Bundesforschungsministeriums wird die Photonik aktuell unter dem Begriff Quantensysteme versteckt, was dann oft fälschlicherweise zu einer Gleichsetzung mit den Quantentechnologien führt. Die sich aber viel weiter erstreckenden Anwendungen der Photonik hat die Verbändeallianz Photonics Germany in einem aktuellen Positionspapier für die Bundespolitik herausgearbeitet – verbunden mit der Forderung, durch kraftvolle Fördermaßnahmen auch künftig die Spitzenposition der deutschen Photonik im diesem global sehr wettbewerbsintensiven Hochtechnologiefeld zu sichern. Neben Förderung von Spitzenforschung geht es dabei vor allem auch um Signale der Politik an Berufsanfänger, dass Deutschland und Photonik dauerhaft zusammengehören. Nur dann werden sich hierzulande auch zukünftig eine ausreichende Anzahl an Nachwuchstalenten für eine Karriere in dieser spannenden und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Disziplin entscheiden.

Ungeachtet des noch fehlenden Rückenwindes durch die Bundespolitik erwarten die Branchenanalysten auch für das Jahr 2023 ein weiteres signifikantes Wachstum der Photonik-Branche, wenn auch etwas langsamer als im abgelaufenen Jahr 2022."

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