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Remote Patient Monitoring

Mit Knopf im Ohr in die Home-Quarantäne

24. April 2020, 08:13 Uhr   |  Engelbert Hopf

Mit Knopf im Ohr in die Home-Quarantäne
© Cosinuss

Da der Großteil der cosinuss°-Mitarbeiter derzeit im Homeoffice ist, wurden die Büroräume in München zum Teil in Produktionsplätze umgewandelt, an denen die Endmontage der Wearables erfolgt.

Telemedizinische Lösungen zur Patientenüberwachung könnten sich im Zuge der Corona-Pandemie als wichtiges Mittel zum Krisenmanagement erweisen. Das Münchner Unternehmen cosinuss° hat eine entsprechende Lösung entwickelt. Aktuell laufen damit zwei große Patientenstudien.

Kreuzer_Johannes
© Cosinuss

Johannes Kreuzer, cosinuss°: »Aktuell laufen Studien zur Überwachung von Corona-Patienten im Klinikum rechts der Isar in München mit 1500 Teilnehmern und dem Klinikum in Innsbruck mit 1200 Teilnehmern. Sind die Ergebnisse überzeugend, werden wir unsere Produktion Ende 2020 noch einmal deutlich steigern.«

Manchmal beschleunigen unvorhergesehene Ereignisse den Einsatz von neuen Geräten oder Ideen auf sehr dynamische Weise. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Münchner Technologieunternehmen cosinuss°. Mit seinen Wearables für die In-Ohr-Diagnostik war das Unternehmen bislang vor allem im Sportbereich präsent. Mit „One“, dem smarten Knopf im Ohr des Trägers, war es bislang schon möglich, Körpertemperatur, Herzschlag und die Atemfrequenz des jeweiligen Trägers lückenlos zu dokumentieren.

Ziel von Dr. Johannes Kreuzer, dem CEO und Gründer des Startups (2011), war jedoch schon seit Beginn der Einsatz im medizinischen Bereich, vor allem zum Zwecke des Patienten-Monitorings. Seit diesem Jahr nun ist das Unternehmen endlich als Hersteller medizinischer Geräte nach EN ISO 13485 zertifiziert. Auf der diesjährigen Medica in Düsseldorf wollte Dr. Kreuzer dann auch mit dem Produkt „C-med“ das erste Wearable seines Unternehmens mit Medizin-Zertifizierung vorstellen und auf den Markt bringen.

Durch die Corona-Pandemie sind die Zeitpläne nun etwas durcheinander gekommen, und die 20 Mitarbeiter des Unternehmens sind in den Improvisations-Modus übergegangen. »Seit Ende Januar, Anfang Februar haben wir unsere Produktionszahlen verzehnfacht«, berichtet Dr. Kreuzer. »Statt einigen hundert Geräten im Monat sind wir inzwischen bei einem Volumen von 1000 Wearables pro Woche angekommen.« Auch wenn es vielleicht irritierend wirken mag, aber die Corona-Krise könnte den endgültigen Marktdurchbruch für das Münchner Unternehmen bedeuten.

Cosinuss
© Cosinuss

Durch die In-Ohr-Messung der Vitaldaten kann dieses Wearable fortwährend die Körpertemperatur, den Herzschlag, die Sauerstoffsättigung des Blutes und die Atemfrequenz überwachen.

Dass sie den enormen Ramp-up der letzten Wochen überstanden haben, verdanken sie der Flexiblität ihres spanischen Fertigungsdienstleisters in Huesca bei Saragossa, wie Dr. Kreuzer betont. »Ich habe das Gefühl, je kleiner die Unternehmen sind, umso schneller passen sie sich an. So werden jetzt etwa statt 1000 Gehäusen im Monate 1000 pro Woche gefertigt.« Kritisch wird es immer dann, wenn man entweder um 5000 LEDs kämpfen oder sich dafür einsetzen muss, dass Deutschlands größter Batterieproduzent die entsprechenden wiederaufladbaren Batterien für die inzwischen systemrelevant gewordenen Wearables herstellen kann.
Aktuell beliefert das Münchner Unternehmen die Initiatoren zweier großer Studien zum Coronavirus mit seiner In-Ohr-Diagnostik. So führt die TU München in Gestalt des Klinikums rechts der Isar aktuell eine Studie mit 1500 Corona-Patienten durch. Das Klinikum in Innsbruck führt ebenfalls eine Studie mit 1200 Corona-Patienten durch. Daneben laufen derzeit noch ähnliche Projekte in der Schweiz und in Dänemark sowie im Großraum Hamburg.

Das Besondere an der cosinuss°-Lösung liegt darin, dass sie aktuell zum Preis von rund 350 Euro ein komplettes Patienten-Monitoring ermöglicht. Herzstück der smarten Wearables von cosinuss° sind optische Sensoren zur Fotoplethysmografie, die aus einer LED sowie einer Fotodiode bestehen. Dazu kommt noch ein Infrarot- oder Kontakttemperatursensor und ein 3D-Beschleunigungsaufnehmer. Zusammen mit ergänzenden Komponenten und dem Akku ist die Elektronik in einem 45 mm × 38 mm × 18 mm großen, hörgeräteähnlichen Gehäuse untergebracht. Das Gewicht des Sensors beträgt 6,5 Gramm. Im Dauerbetrieb reicht die Batteriekapazität für 12 Stunden. Wird im Intervalbetrieb gearbeitet, ist die Nutzungsdauer deutlich länger. Geschützt wird die IP des Unternehmens durch über 20 Patente.

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1. Mit Knopf im Ohr in die Home-Quarantäne
2. Rolle der Fernüberwachung von Patienten

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