ECR 2026 | Fujifilm

Ein Haus voll KI und MRT ganz ohne Helium

17. März 2026, 16:04 Uhr | Ute Häußler
Fujifilm hat sich buchstäblich aus dem Austria Center Vienna herauskatapultiert: Das »House of Fujifilm« stand als eigenständiges Gebäude außerhalb des Kongresszentrums – bewacht von riesigen asiatischen Statuen.
© Componeers

Ein eigenes Gebäude statt Messestand, Nachhaltigkeit als Designprinzip: Fujifilm denkt am ECR 2026 Kongress neu. Ob heliumfreies MRT, KI-Ultraschall mit Modalitätenfusion oder Synapse in der AWS-Cloud – KI soll Grenzen verschieben, nicht Features zählen.

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Fujifilm hat sich buchstäblich aus dem Austria Center Vienna herauskatapultiert: Das »House of Fujifilm«, powered by AWS, stand als eigenständiges Gebäude außerhalb des Kongresszentrums – der Eingang bewacht von einer riesigen asiatischen Statue und einer Architektur, die an einen japanischen Tempel angelehnt war. 

Drinnen war es gesteckt voll. Besucher beugten sich über MRT- und Ultraschallgeräte, probierten an Dummys automatische Positionierungseinstellungen aus, erkundeten KI-Funktionen per Hands-on – während die Kaffe- und Snackstation eine Atmosphäre schuf, die zu echten Fachgesprächen einlud. Das Format war bewusst gewählt: Fujifilm hat für Wien explizit mit der »rein produktbasierten Präsentation« gebrochen – Inspiration und Lernen statt Produktkatalog. 

KI als Bildgebungsarchitektur im Ultraschall

Im Ultraschall ist die neue Arietta DeepInsight x-Familie das Herzstück – und Deep Learning hier kein Marketingzusatz, sondern strukturelles Bauprinzip: Ortsauflösung und Kontrastdarstellung werden gleichzeitig verbessert, eFocusing Plus sorgt für automatische Fokussierung über den gesamten Bildbereich, ohne manuelle Nachregulierung. Die Funktion iRecognize erkennt automatisch den untersuchten Körperbereich und wählt Körper- und Sondenmarkierung selbstständig aus – ein kleiner, aber im Alltag konsequent entlastender Schritt. Klinisch besonders relevant sind zwei weitere Features: Detective Flow Imaging (DFI) visualisiert Blutfluss mit hoher Mikrogefäß-Sensitivität; der neue Steatosis Backscatter Index (SBSI) ermöglicht nicht-invasive Lebersteatose-Messung direkt im Ultraschall – kein MRT, keine Biopsie nötig.

Ergänzt wird das Portfolio durch die langjährig bewährte Real-Time Virtual Sonography (RVS): Sie fusioniert Ultraschallbilder in Echtzeit mit Daten aus CT oder MRT – der Arzt sieht beide Modalitäten simultan, Läsion für Läsion, direkt im Ultraschall-Workflow. Biopsieplanung, Therapieführung, Lokalisation unklarer Befunde – ohne Modalitätenwechsel. Damit bedient Fujifilm dieselbe klinische These wie Healthineers bei der MR-Intervention: Radiologie als Therapieort, nicht nur zur Diagnose.

Heliumfrei, aber nicht kompromisslos

Das zweite große Produkt in Wien ist das Echelon ZeroHelium-MRT – als erstes 1,5-Tesla-Supraleitungssystem seiner Klasse vollständig ohne flüssiges Helium, ausgezeichnet mit dem Good Design Award. Statt der konventionellen rund 2.000 Liter flüssigem Helium kühlt ein Kupferkühlmechanismus den Magneten auf –269 °C – wartungsärmer, ressourcenschonender und auch ortsflexibler. Auch hier ist KI nicht aufgesetzt, sondern strukturell eingebaut: Deep Learning verkürzt Scanzeiten, reduziert Artefakte und rekonstruiert hochauflösende Bilder aus verdünnten Rohdaten – sie kompensiert physikalische Kompromisse, die das heliumfreie Design mit sich bringt, und macht sie klinisch unsichtbar. Ein ECO Mode Plus optimiert zusätzlich den Energieverbrauch im laufenden Betrieb.

Was Fujifilm in Wien auszeichnet, ist die Verbindung von KI und Nachhaltigkeit als kohärentes Designprinzip: nicht KI um der KI willen, sondern KI als Mittel, physikalische und ressourcentechnische Beschränkungen zu überwinden – und dabei die klinische Qualität nicht zu opfern. Die AWS-Partnerschaft, die den gesamten ECR-Auftritt rahmt, geht dabei tiefer als bloßes Messebranding: Fujifilms Synapse-Plattform – PACS, VNA, Pathologie – läuft bei Kunden in Großbritannien und den USA bereits vollständig auf AWS-Infrastruktur. Die Geräte-KI selbst bleibt on-device; es ist die Informatiksebene, die in die Cloud wandert.

Für Kliniken ohne eigene IT-Kapazitäten ist das ein attraktives Versprechen – es schafft aber auch eine Abhängigkeit, die langfristig regulatorische Fragen aufwerfen wird: Wer kontrolliert die Algorithmen und die Bilddaten, wenn sie in der Cloud eines amerikanischen Hyperscalers liegen? Für ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit als Designprinzip kommuniziert, ist das eine Spannung, die der ECR 2026 offen lässt.

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