Exklusive Branchenumfrage Wie die Corona-Krise die Medizintechnik herausfordert

Beatmungsgerät: In Geräten, die nahe am Patienten stehen, sorgen konvektionsgekühlte Netzteile für flüsterleisen Betrieb.

In der Corona-Krise ist der Bedarf an medizintechnischen Produkten schlagartig explodiert. Innerhalb von Wochen werden nun Jahresbedarfe gefertigt. Über ein Dutzend Firmen berichten in dieser Umfrage der Markt&Technik, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen.

„Beatmungsgeräte bestimmen derzeit nicht nur die Schlagzeilen“, so Dr. Christian Klimmer, Geschäftsführer der GS Elektromedizinische Geräte, „bei diesen Geräten besteht im Zusammenhang mit Corona medizinisch derzeit auch der größte Bedarf“. Die damit verbundenen Zusatzanfragen stellen nicht nur sein Unternehmen derzeit vor große Herausforderungen, „da die Kunden am liebsten schon am kommenden Tag beliefert werden möchten. Der Druck im Markt und bei unseren Kunden ist derzeit unglaublich hoch“.

Dabei sind es nicht nur die klassischen Kunden der Medizintechnik, die nun bei den Komponenten- und Subsystemherstellern auf Belieferung drängen, „sondern auch viele Kunden, die normalerweise nichts oder nur sehr wenig mit Medizin zu tun haben“, berichtet Karsten Bier, CEO von Recom, „diese Firmen nutzen nun frei gewordene Kapazitäten, um medizinisches Equipment zu fertigen“. Bei Recom kommen die Anfragen derzeit vor allem aus den Bereichen Patientenüberwachung, Bildgebende Verfahren und der Kardiologie.

Es geht aber nicht nur um Beatmungsgeräte und weiteres Zubehör für die Sauerstofftherapie, wie Ralf Isermeyer, Geschäftsführer der VRI BatterieTechnik betont, „es geht vor allem auch um vor- und nachgelagerte Produkte für die Patientenversorgung in der Medizintechnik“. Natürlich könnte man darauf reagieren, indem man etwa im Fall von VRI die Produktionskapazitäten in Ellwangen erheblich ausweitet, „aktuell fehlt uns dazu aber das Personal und vor allem auch die Bauteile“.

Bilder: 16

Produzieren mit höchster Priorität

Aktuelle Umfrage zur Situation in der Medizintechnik

Da hilft es, wenn andere Bereiche der Medizintechnik derzeit ihre Bedarfe etwas zurückstellen, wie Josef Pfeil, Vertriebsleiter bei Dynamis Batterien erläutert: „Zum aktuellen Zeitpunkt können wir den gestiegenen Bedarf an Batterien und Akkus für Beatmungsgeräte, Patientenmonitore und Defibrillatoren recht gut kompensieren, da etwa Kunden aus dem Bereich der Dentalmedizin damit begonnen haben, in der aktuellen Situation Liefertermine nach hinten zu schieben“.

Welche Dimension die aktuell Nachfrage nach Komponenten und Subsystemen für die Medizintechnik inzwischen erreicht hat, macht eine Meldung von Infineon Technologies deutlich. Dort hat in der letzten Woche ein führender Hersteller von Beatmungsgeräten rund 38 Millionen MOSFETs für die kommenden Monate in Auftrag gegeben. Damit erhöht sich das Produktionsvolumen für diesen Kunden bis zum Faktor 80. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass große, global agierende Distributoren, wie Future Electronics, wie Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bestätigt, „sich bereits seit mehreren Wochen auf den Medical Bereich fokussieren und ihn mit absoluter Priorität beliefern“.

Mehr zur aktuellen Situation in der Medizintechnik-Branche erfahren Sie in der Bildergalerie mit den Statements der befragten Unternehmen sowie in einem Online-Schwerpunkt der medical design.