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Studium, Beruf und Gesellschaft 

»Fridays for Future, powered by VDE? Warum nicht!«

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Der VDE hat mit Prof. Dr.-Ing. Martina Hofmann von der Hochschule Aalen eine neue Vorsitzende im Ausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft gewonnen.
© Hochschule Aalen

Der VDE hat mit Prof. Martina Hofmann von der Hochschule Aalen eine neue Vorsitzende im Ausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft. Die Energietechnikerin war vor ihrer Lehrtätigkeit bei Siemens, will den Link zwischen Frauen und Klimaschutz nutzen und Bewegung in etablierte Denkmuster bringen. 

Markt&Technik: Frau Prof. Hofmann, Glückwunsch zur neuen Aufgabe als Vorsitzende des VDE-Ausschusses Studium, Beruf und Karriere! Was reizt Sie an dem neuen Posten?

Prof. Dr.-Ing. Martina Hofmann: Ich war jetzt sechs Jahre lang Studiendekanin hier an der Hochschule in Aalen. Und hatte gerade das Amt zum März dieses Jahres abgegeben, als die Anfrage des VDE kam.

Bislang hatte ich mir nicht vorstellen können, jemals in einem Verband eine Rolle zu spielen, aber jetzt hat es gepasst: Nach neun Jahren auf der Professur und viel technischer Grundlagenarbeit ist die Zeit für mich reif, nun auch mal außerhalb der Hochschule Gas zu geben und etwas zu tun, was Impact hat. Konkret möchte ich etwas für das Klima tun! Ich bin bereit, hier zu puschen und dem Ausschuss ein entsprechendes Gesicht und Richtung zu geben. 

Ihr Vorhaben, Klimaschutz und mit Frauenförderung in der E-Technik zu fokussieren, erscheint mir spannend – heißt es doch immer, gerade Frauen suchen in ihrem Job nach Sinn. Wie wollen Sie es angehen, können wir uns auf eine Kampagne freuen?

Ich verfolge das Thema schon sehr lange und habe auch viele Ideen. Aber wir schlagen uns mit einem Systemfehler herum, wie ich in meiner verantwortlichen Rolle im Studiengang immer wieder feststellen konnte.

Jede Hochschule, jeder Studiengang agiert als Einzelkämpfer, ist genaugenommen in Konkurrenz zu anderen. Alle konkurrieren um die wenigen, noch verbleibenden Studierwilligen – ohne dass nennenswertes Geld für Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing vorhanden wäre. Die Elektrotechnik ist auch bei den Männern nicht mehr so beliebt wie früher – und das ist ein Riesenproblem.

Zwar haben Hochschulen sich in den letzten Jahren zusammengetan, um attraktive Studiengänge zu kreieren. Doch am Ende muss jede Hochschule für sich selbst kämpfen, um diese dann auch voll zu kriegen. Von der Zahl der Studierenden hängt aber am Ende die finanzielle Ausstattung der Hochschulen ab.

Wie gesagt, ein Systemfehler. Eigentlich müsste die Sache zentral angegangen werden, etwa von einem Ministerium. Doch solche Systemänderungen sind nicht in Sicht. Insofern stecke ich jetzt Hoffnung in meine neue Rolle beim VDE. Wir brauchen Kulturveränderung, müssen an veraltete Rollenbilder ran, sichtbar u.a. in der Werbung oder in Serien. Oder fällt Ihnen eine Serie ein, wo eine Frau eine coole E-Technikerin ist?

Ja, in der Tat kenne ich eine einzige, „Technically Single“, ein ambitioniertes Web-Projekt von Prof. Klaus Diepold von der TU München, u.a. mit Schauspielerin Maria Furtwängler. Aber es gibt doch eigentlich genügend Fördergelder für MINT-Projekte – warum haben wir nicht mehr davon?

Zumal Elektrotechnik im MINT-Spektrum die größten Nachwuchssorgen hat. Die Informatik etwa hat da ja kein echtes Problem, es gibt eine ganze Menge Frauen, die sich dafür interessieren, der Coolness-Faktor ist einfach höher.

Was wir nicht ausreichend vermitteln können, ist, dass die Informatik ursprünglich ja aus der Elektrotechnik entstanden ist. Sie wurde dennoch rasant überholt, von den Bewerberzahlen dort träumen wir. Wir haben uns dazu in Aalen viele Gedanken gemacht, wie wir von der Informatik Studierende für die E-Technik abzwacken können. Und vor zwei Jahren den Studiengang „Technische Informatik/Embedded Systems“ kreiert. Adressiert sind die, denen neben der Software auch die Hardware wichtig ist. Noch ist es zu früh, um Erfolge zu präsentieren – aber immerhin haben wir unsere Zahlen schon stabilisieren können.

All das muss nebenher mitlaufen – aber als einzelne Hochschule ist man einfach nicht schlagkräftig genug. Mit einer kleinen, hochschulübergreifenden Arbeitsgruppe aus dem Fachbereichstag Elektrotechnik und Informationstechnik e.V. (FBTEI e.V., der mittlerweile 90 Hochschulen umfasst), die vor zwei Jahren gegründet wurde, versuchen wir hier etwas gegenzusteuern und auch Frauen in Elektrotechnik zu puschen. 


  1. »Fridays for Future, powered by VDE? Warum nicht!«
  2. Muss der VDE als Verband mehr Lobbyarbeit leisten?
  3. Womit die Frauen locken?

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