Interkulturelle Kommunikation

Warum Japaner 'das ist schwierig' sagen, aber 'nein' meinen

29. Juni 2022, 8:52 Uhr | Corinne Schindlbeck
japan
Japanische Schrift lesen können nur wenige Deutsche. Leichter zu erwerben und eine großen Effekt hat Wissen um interkulturelle Unterschied.
© Bernhard Kuntz

Japan wird für deutsche Unternehmen immer wichtiger und gilt als Stabilitäts- und Werteanker in Asien. Aber es gibt kulturelle Unterschiede, vor allem in der Kommunikation per E-Mail. Wie also kommuniziert man Terminverzögerungen, eine Preissteigerung oder technische Probleme richtig?

Einer Umfrage der DIHK in Japan und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zufolge wird Japan für deutsche Unternehmen immer wichtiger, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen und Neuausrichtung der Weltwirtschaft.

Japan gilt als Stabilitätsanker und wichtiger Kooperations- und Wertepartner in Asien. »Der Russland-Ukraine-Krieg hat zu einer Neubewertung der Risikoposition multinational tätiger deutscher Unternehmen geführt«, erklärt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei der KPMG. Die wirtschaftliche Stabilität Japans, die Vertrauenswürdigkeit der Geschäftsbeziehungen sowie die Sicherheit und soziale Stabilität zählen für deutsche Unternehmen zu den Trümpfen. 

Umso wichtiger für gute Zusammenarbeit ist das Wissen um kulturelle Unterschiede oder Besonderheiten. Während Deutsche für ihre direkte und ungeschminkte Kommunikation bekannt sind, treten Japaner hier anders auf. „Das Gesicht und die Harmonie wahren“ – das sind zentrale Ziele beim Umgang von Japanern mit anderen Menschen, denn: Harmonie regelt das gesellschaftliche Leben und ist die Basis des gesellschaftlichen Miteinanders. Dies ist eine Grundüberzeugung in der japanischen Kultur, weiß Ulrike Fröhlich, Inhaberin der Managementberatung Understanding Japan, Weil am Rhein. 

»Auch in der Arbeitswelt und bei der Zusammenarbeit versuchen die Japaner eine möglichst harmonische Atmosphäre zu schaffen, auch damit gemeinsame Projekte schnell und gut vorankommen. Wird die angestrebte Harmonie jedoch gestört, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Im günstigsten Fall hat Ihr japanischer Geschäftspartner weniger Lust mit Ihnen zu kooperieren. Das verlangsamt die Arbeitsabläufe und erschwert die Zusammenarbeit. Zuweilen lässt sich die geringere Kooperation nur durch das Einschalten der Vorgesetzten beheben. Im schlimmsten Fall kann die gestörte Harmonie zu einem Abbruch der Beziehungen führen. Sie oder Ihr japanischer Partner müssen dann ausgetauscht werden – sofern die Geschäftsbeziehung zwischen ihren Unternehmen fortbestehen soll.«

Besonders wichtig wird kulturelle Sensibilität im Falle von Konflikten. Vor allem, wenn diese per Mail kommuniziert werden sollen. »Selbst wenn die Beziehungen zu einem japanischen Geschäftspartner hervorragend sind, gibt es in der Zusammenarbeit hin und wieder Situationen, in denen etwas Unangenehmes kommuniziert werden muss. Zum Beispiel: eine Terminverzögerung. Oder Probleme bei der Ein- und Ausfuhr. Oder eine Preissteigerung. Oder technische Probleme bei der Problemlösung.«

„Das ist schwierig“ bedeutet oft nein 

Fröhlich: »Generell gilt: In Japan wird Negatives häufig per E-Mail kommuniziert oder abends bei einem gemeinsamen Bier. Wundern Sie sich deshalb zum Beispiel nicht, wenn kritische oder heikle Themen in Meetings nicht angesprochen  werden, sondern Sie danach eine E-Mail mit zahlreichen Bedenken der japanischen Seite erhalten. Auch in der mündlichen Kommunikation von Negativem treten oft Missverständnisse und Irritationen auf, da in der japanischen Sprache das Wort Nein (iie) selten benutzt wird. Möchte man „Nein“ sagen, wird meist das Wort „muzukashii“ (übersetzt „schwierig“) verwendet. Wenn Sie in einem Meeting also von einem Japaner den Satz „it is difficult“ hören, denken Sie bitte daran: Ihr Gesprächspartner möchte wahrscheinlich „nein, das will ich nicht“ sagen: er tut dies aber aus Höflichkeits- und Anstandsgründen nicht!«

Doch wie kommuniziert man nun Kritisches? Fröhlich gibt im Folgenden sieben Tipps: 


  1. Warum Japaner 'das ist schwierig' sagen, aber 'nein' meinen
  2. 7 wichtige Schritte
  3. Übrigens, auch Europäer schätzen eine „harmonische“ Kommunikation

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