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Arbeiten trotz Krise

»Corona hat uns noch enger zusammen­geschweißt«

13. Oktober 2020, 08:54 Uhr   |  Anzeige

»Corona hat uns noch enger zusammen­geschweißt«
© Würth Elektronik

Katrin Nerlinger (l.), Außendienst EMS Vertrieb eiCan, und Tamara Biro, Total Quality Managerin bei Würth Elektronik: »Die ganze Elektronikbranche ist während der Corona-Krise wie eine kleine Familie. Als Team sind wir noch stärker geworden.«

Sehr viel vom speziellen 'Spirit' innerhalb der Würth Elektronik erfuhren die Außendienstlerin für EMS-Dienstleister und Kabelkonfektionäre Katrin Nerlinger und Total Quality Managerin Tamara Biro während der Corona-Krise. Sie erlebten einen flexiblen und kommunikativen Arbeitgeber.

»Natürlich haben wir uns große Sorgen gemacht!« Tamara Biro erinnert sich noch genau an die Zeit, als der Ausnahmezustand begann.

Ihre Eltern hatten am 1. März das bundesweit als Corona-Hotspot bekannt gewordene Kirchenkonzert in Eschental im Hohenlohekreis besucht, unweit von Würth Elektroniks Sitz in Waldenburg.

Tamara Biros Vater musste unmittelbar danach in Quarantäne, Oma und Opa fielen also erstmal für die Kinderbetreuung aus, und das bei geschlossenen Schulen und Kindergärten. Als die Wirtschaftsingenieurin ihrem Chef mitteilte, dass sie deshalb nun erstmal nicht mehr nach Waldenburg ins Büro kommen könne, hatte ihr Arbeitgeber dafür zum Glück jedes Verständnis. »Die Gesundheit der Mitarbeiter ging bei Würth Elektronik von Beginn an vor.«

Da Biro wie die meisten ihrer Kollegen in Waldenburg mit Laptop ausgestattet ist, gelang der Qualitätsmanagerin im Bereich After Sales Service die Umstellung auf Homeoffice sofort. »Die IT-Abteilung war super vorbereitet. Als ich anfangs Probleme mit dem Telefon hatte, wurde das gleich behoben«, erinnert sich Biro, die seit der Geburt ihrer Kinder 60 Prozent in Teilzeit arbeitet. Ihr wöchentlicher Einsatz in Waldenburg schrumpfte von drei Tagen auf null.

»Mein Arbeitsablauf hatte sich nicht ganz so radikal verändert wie bei manch anderen Kollegen, da man viele Themen im Qualitätsmanagement auch recht gut per E-Mail oder Telefon abklären kann«, erklärt sie. »Es geht vor allem darum, dem Kunden möglichst schnell Ersatz zu bieten und die Bauteile im Anschluss auf etwaige Mängel hin untersuchen zu lassen.«

Ungewissheit und Ausnahmesituation

Fortan war auch der Tag bei Familie Biro wie fast überall in Deutschland getaktet in Arbeiten, Kochen, Hausarbeit, Kinder- und Hausaufgabenbetreuung. »Wenn mir mal vorher jemand gesagt hätte, dass es hier zu Ladenschließungen kommen würde, dass das öffentliche Leben auf Null fährt, es leere Regale geben würde – dem hätte ich gesagt, nein, in Deutschland passiert so etwas nicht. Dazu diese Ungewissheit, wie es weitergehen würde, das war schon eine beängstigende und auch anstrengende Ausnahmesituation«, erinnert sich die zweifache Mutter.

Erst seit Juni geht sie an einem Tag in der Woche wieder ins Office. Seit Mitte März wird bei Würth Elektronik mit halber Belegschaft vor Ort gearbeitet, um die Hygieneabstände einhalten zu können.

Wie verändert das den Arbeitsalltag? Man müsse sich nun noch mehr aufeinander verlassen, überlegt Biro. Als Team sei man noch enger zusammengerückt. »Ich muss die Kollegen vor Ort von zuhause aus öfter einspannen, etwa wenn es um Beurteilungen von Bauteilen durch das Labor geht. Aber wir versuchen alle, das Beste aus der Situation zu machen. Und es funktioniert wirklich gut.«

Bei manchen Geschäftspartnern sei die Erreichbarkeit durch Kurzarbeit eingeschränkt, dadurch komme es manchmal zu Verzögerungen. Aber dafür zeige die gesamte Branche viel Verständnis: »Kein Problem, dann warte ich eben noch eine Woche – die Situation hat uns über unsere Firmengrenzen hinaus alle ein Stück weit zusammengeschweißt«, findet Biro.

Kann sie der Krise vielleicht auch etwas Positives abgewinnen, abgesehen von der Professionalität, mit der ihr Arbeitgeber auf die Krise reagierte? »Unser starkes Teamgefühl und die ständige Kommunikation durch die oberste Führungsebene – das hat mir schon viele meiner Sorgen genommen. Unser Videokonferenz-Tool Webex nutze ich heute viel häufiger als noch vor Corona. Man muss sich heute nicht mehr automatisch vor Ort treffen, per Videokonferenz lässt sich manches sogar schneller lösen, weil man Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen leichter einbinden kann.«

Wenn sie es gar nicht mehr ausgehalten hat während des harten Lockdowns in ihrer Wohnung mitten in München, ist Katrin Nerlinger runter an die Isar und laufen gegangen. Eine Vertriebsaußendienstlerin ohne Kundenbesuche vor Ort – das ist ein bisschen so wie ein Fisch ohne Wasser, oder, um im Bild zu bleiben, eine Kabelkonfektion ohne Kabel. Doch was ist schon normal in Corona-Zeiten?

Zum Geburtstag der Arbeitsvertrag

Nerlinger betreut im Außendienst von Würth Elektronik eiSos EMS-Dienstleister und Kabelkonfektionäre in Südbayern. Zwei bis drei Tage jede Woche sitzt sie normalerweise bei ihren Kunden vor Ort am Tisch, die restliche Zeit im Homeoffice, das sie sich in ihrer Zweier-WG in München eingerichtet hat. »Ich bin wahrscheinlich die jüngste Außendienstlerin der ganzen Würth Elektronik«, lacht sie.

Es war exakt an ihrem Geburtstag vor knapp anderthalb Jahren, als der Postbote der gelernten Industriekauffrau den Arbeitsvertrag in den Briefkasten warf. Ob sie sich das auch gut überlegt habe, zweifelten Freunde, ob sie nicht viel zu jung sei für so einen Job? Ob man sie wohl ernst nehme in der Männer-Technikwelt?

Nerlinger hat sie alle beiseite geschoben, die Zweifel. Und sich einfach reingestürzt, »weil ich wusste, dass mir der Kontakt und die Nähe zu Menschen einfach Spaß macht, privat wie beruflich. Dabei hatte ich ja noch gar keine Erfahrung im Außendienst.« Nur eben dieses Gefühl, dass der neue Job genau der richtige für sie sei.

Dass Würth Elektronik ihr dabei alle Freiheiten gelassen habe, »spornte mich unglaublich an«. Stolz klingt durch, wenn sie davon berichtet, wie sich anfängliche Vorbehalte schnell in Luft auflösten, »wenn man am Ende einen Kunden zufrieden stellen konnte«. Sie habe sich »extrem entwickelt« in ihrem ersten Jahr bei Würth Elektronik, »die Nähe zu den Kunden und damit zu so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten war einfach Gold wert, kein Vergleich zum Innendienst. Ich lernte Geschäftsbeziehungen aufzubauen, flexibel meinen Tag zu planen.«

Bis Mitte März 2020. Dann war es nach gerade einmal acht Monaten im neuen Job erstmal vorbei mit der Flexibilität. Statt im Auto auf dem Weg zum Kundentermin sitzt Nerlinger fortan nur noch am Schreibtisch. »Corona hatte alles über den Haufen geworfen«, erinnert sie sich. »Nachdem ich plötzlich keine Besuchstermine mehr hatte, wurde eben alles über das Telefon geregelt.«

Mit der gewonnenen Zeit unterstützte sie den Vertriebsinnendienst, denn Kunden verschoben ihre Termine, Lieferzeiten, gaben Verfügbarkeiten frei. »Wenn bei einem Kunden 100 Stück gefehlt haben, konnte ich häufig beim Kunden einer anderen Branche nachfragen, ob dieser noch ein paar Wochen darauf warten könne.«

Es sei schön zu sehen gewesen, wie die Elektronikbranche da zusammengehalten und die Dinge am Laufen gehalten habe. Sogar eine Task Force rief Würth Elektronik ins Leben, um die Hersteller von dringend benötigten medizinischen Geräten bevorzugt mit Bauteilen versorgen zu können. Auch wenn der Kontakt vor Ort weggefallen war, es ein Stück weit unpersönlicher wurde über das Telefon: »Wir saßen ja alle irgendwie im selben Boot und waren froh, voneinander zu hören. Plötzlich gab es neben dem Geschäftlichen auch immer ganz viele persönliche Gespräche.«

Da sie ihre Kunden nur noch von der Ferne sehen durfte, gab es von ihrem Arbeitgeber als Erstes Schulungen für das Videokonferenz-Tool Webex. »Wir übten anhand von Fallbeispielen mit Kollegen, um in der Praxis die Telefonkonferenz mit mehreren Kunden live und ohne Hänger abhalten zu können. Um nicht aus Versehen plötzlich aufzulegen«, lacht sie. Heute kann sie Kolleginnen wie Tamara Biro aus der Qualitätssicherung oder andere Abteilungen schnell mal auf Webex mit dazu schalten, wenn es für ihre Kunden erforderlich ist. Das sei zwar auch vor Corona schon möglich gewesen, »aber diese Möglichkeit hat man eben nie ergriffen. Heute ist es fast schon normal.«

Auch Nerlinger lobt den steten Informationsfluss, den ihr Arbeitgeber während der Corona-Krise in Gang gehalten habe. »Ich musste eigentlich auch nie Nachrichten schauen, die Firma hat das für uns übernommen, das Krisenmanagement der Würth Elektronik war definitiv ein glatter Einser.«

Auch die Angst vor Jobverlust wurde zerstreut: »Stellenabbau war kein Thema, das wurde ganz klar kommuniziert. Über Kurzarbeit wurde informiert, weil ja niemand wusste, wie lange der Lockdown letztlich anhalten würde und die gesamte Branche das bewerkstelligen können würde. Bisher blieben wir von Kurzarbeit verschont und ich bin froh um meinen sicheren, krisenfesten Arbeitgeber.« Der ihr zudem die Möglichkeit biete, sich weiterzuentwickeln. 

Seit Mai fährt sie »super vorsichtig« wieder zum Kunden, »mit Maske und Abstand«, ein bisschen Normalität. Nerlinger ist froh darüber. »Ich sag Ihnen, wie es ist: Wir sind im Außendienst – wir machen den Job ja deshalb, weil wir so gerne unterwegs sind und den persönlichen Kontakt lieben und gerne beim Kunden vor Ort sind, generell gerne mit Menschen reden. Gott sei Dank hatte ich während des Lockdowns meine Mitbewohnerin.«

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