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New Work für die Produktion

»Bällebäder bilden nicht die Realität in der Industrie ab!«

Markt&Technik
Als Kooperationspartner der neuen Brancheninitiative fungiert der ehemalige CHRO von Phoenix Contact, Prof. Dr. Gunther Olesch. Markt&Technik ist Medienpartner.
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Arbeitgeberwettbewerbe und (käufliche) -Siegel gibt es einige. Ein neues Format des international tätigen »Great Place to Work«-Instituts soll nun speziell Industrie- und Produktionsunternehmen unter die Lupe nehmen. Partner ist der ehemalige CHRO von Phoenix Contact, Prof. Dr. Gunther Olesch.

Dass er mehr Engagement der Unternehmen für nötig hält, daran lässt Olesch keinen Zweifel. Es gehe ja nicht nur um einen gutes Image nach innen und außen, um die nötigen Fachkräfte zu bekommen.

»Wir müssen auch vermeiden, dass im Rahmen der Flexibilisierung der Arbeitswelt in den Unternehmen Zwei-Klassen-Gesellschaften entstehen: Angestellte mit großen Freiheiten und Produktionsmitarbeiter in zeitlich und räumlich starren Korsetten.« Die Industrie stelle in Deutschland die meisten Arbeitsplätze, die Nachwuchsgewinnung wachse sich aber immer mehr zum Problem aus. Ohne Gegenmaßnahmen könnte die Industrie bis 2040 jede achte Fachkraft verlieren – »Nichtstun ist keine Option, ich bin davon überzeugt, dass wir 2030 hier eine regelrechte Abbruchkante erleben werden!«

»Ein Industrieunternehmen im Dreischichtbetrieb funktioniert anders als eine Krankenkasse oder eine Bank«, erklärt Olesch sein Engagement. Die Attraktivität der Industrie als Arbeitgeber müsse erhöht werden, doch echte Möglichkeiten für Benchmark, Austausch und Verbesserung fehlten bislang. »Wir haben mit der neuen Initiative einen Raum geschaffen, in dem sich Produktionsunternehmen mit ihren speziellen Bedingungen per Benchmark unmittelbar vergleichen und – bei Bedarf – Schritt für Schritt verbessern können. Man vergleicht sich also mit denen, die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten.« 

So spielten Sicherheit am Arbeitsplatz und Rückzugsmöglichkeiten aus lauten Produktionshallen eine wesentliche Rolle für das Wohlbefinden von Facharbeitern, auch Gleitzeitmöglichkeiten im starren Schichtbetrieb – und eben nicht ein Tischkicker oder ein Bällebad, wie häufig unter »New Work« missverstanden.

»Angestellte konnten während der Pandemie geräuschlos ins Homeoffice umziehen – anders als gewerbliche Kräfte. Auch diese müssen aber an einer zeitgemäßen, modernen Arbeitswelt teilhaben können. Daran krankt die New-Work-Diskussion etwas. Es geht darum, Dinge zu tun, die relevant sind für die Beschäftigten.«  
Zumal man in den automatisierten Produktionshallen auch immer mehr Hochqualifizierte und Ingenieure brauche, der Mangel an Azubis und Facharbeitern wie Mechatronikern inzwischen gravierender sei als bei den Ingenieuren.

»In HR-Zirkeln wurden die Fabrikarbeiter zugunsten der Angestellten bislang vergessen«, kritisiert Olesch. Das Image der produzierenden Industrie als attraktiver Arbeitgeber müsse dringend verbessert werden, um den Nachwuchs zu bekommen. Die neue Brancheninitiative – Grundlage für Benchmark und mögliche Auszeichnung sind anonyme Mitarbeiterbefragungen – solle dabei helfen, eine neue Industriekultur zu etablieren und nach außen zu tragen. 

Es brauche Jahre, Arbeitsplätze zu optimieren und ein Image aufzubauen, das für den Nachwuchs attraktiv sei. Das Angebot, das Great Place to Work mit dem neuen Branchenformat bietet, beinhalten einen ersten Einstieg in das Thema, die Möglichkeit einer Zertifizierung als Arbeitgeber sowie die Teilnahme an einem neuen nationalen Wettbewerb »Beste Arbeitgeber Fertigung und Industrie«. Markt&Technik ist Medienpartner.

Am 8. November um 14.30 Uhr veranstaltet "Great Plate to Work" ein Webinar zum neuen Branchenformat, mit Geschäftsführer Frank Hauser und Prof. Dr. Gunther Olesch, Anmeldung hier.  


 


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