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Karrierechancen für Ingenieure

»Auch der Fahrzeugbau bleibt interessant für Berufsstarter«

02. August 2021, 12:44 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

»Auch der Fahrzeugbau bleibt interessant für Berufsstarter«
© Hays

Der Personaldienstleister Hays hat seinen Experten Oliver Kowalski im monatlichen Newsletter zu Wort kommen lassen, Thema: Gehalts- und Karrierechancen für Ingenieure unter Pandemiebedingungen. 

Demnach ist die verarbeitende Industrie in fast allen Branchen auf Vorkrisenniveau. Nachholeffekte ab dem dritten und vierten Quartal sollten zudem einen signifikanten Konjunkturaufschwung bringen.  Das spiegele sich auch in der Nachfrage nach Ingenieuren sowie deren Gehaltsniveau wider, sagt Kowalski im Interview

Denn obwohl auch das produzierende Gewerbe Projekte stoppen oder ganz auf Eis legen habe müssen, habe sich das nur sehr gering auf die jeweiligen Gehälter ausgewirkt. »Im Median lagen die Brutto-Jahresgehälter von Ingenieursfachkräften mit und ohne Berufserfahrung mit rund 60.000 EUR nur 1,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau« sagt Kowalski.

Die besten Job- und Gehaltsaussichten und sogar regelrechte »Nachfrage-Explosionen« verortet der Hays-Experte in der Chemie- und Pharmaindustrie. Auch Planungs- und Projektingenieursfachkräfte gehören seiner Ansicht nach zu den Nachfrage- wie auch Gehaltsgewinnern. Schlechter sähen die Jobchancen hingegen für Entwicklungsingenieurinnen und -ingenieure für Antriebstechnik aus. Wobei er darauf hinweist, dass Gehälter »generell immer von beruflicher Erfahrung, individuellen Kompetenzen und Verfügbarkeiten« abhingen. 

Den Nachfrage-Rückgang im Bereich Antriebstechnik in der Automobilindustrie verortet der Experte im Mobilitätswandel. Er wirke sich immer deutlicher auf die Beschäftigungssituation von Ingenieur:innen aus: »Mit der Transformation von der reinen Fahrzeugherstellung zum Mobilitätsangebot verändern sich Produktionswerte und Wertschöpfungsstränge und damit auch die Arbeitsanforderungen und Jobprofile«. Digitales Vorwärtskommen hänge maßgeblich von der Softwareentwicklung ab. 
Traumgehälter jenseits der 100.000 Euro-Marke gibt es vor allem mit Fach- und Personalverantwortung, also ab Abteilungs- und Bereichsleiter:innen-Ebene. Dabei komme es vor allem darauf an, für wie viele Personen man die Verantwortung trage, so Kowalski. Gehälter von Ingenieuren im Fach- und Projektbereich ohne Personalverantwortung liegen stattdessen eher um die 50k bis 60k pro Jahr, immerhin aber durchschnittlich 11 Prozent mehr als in anderen Berufsgruppen gezahlt werde.

Ingenieurinnen und Ingenieure mit IT-Bezug und Informatikfachkräfte, die sich mit SAP, Projektmanagement oder IT-Betrieb auskennen, stehen beim Verdienst an der Spitze. Ebenfalls überdurchschnittlich verdienen sie in den Bereichen Netzwerk und Telekommunikation sowie IT-Beratung und IT-Security. Mit zunehmender Verantwortung vergrößert sich der Abstand der Gehälter von Akademikerinnen und Akademikern gegenüber anderen.

Zu den wenigen Frauen in der Branche sagt Kowalski, dass die Einstiegs- und Aufstiegschancen für Frauen »nicht schlechter« als für Männer seien. Aber es bereits an den Hochschulen zu wenig Frauen in MINT und damit zu wenig Frauen für den Stellenmarkt gebe.  Er rät, statt auf die technischen Qualifikationen zu pochen, vermehrt die kreativen und gestalterischen Aufgaben im Ingenieurswesen zu betonen. Unternehmen sollten Wiedereinstiegsmodelle etablieren, »selbstverständlich« auch Führungspositionen in Teilzeit und generell flexiblere Arbeitsmodelle. 

Als interessante und wachstumsstarke Industrien für den beruflichen Start empfiehlt Kowalski den Fahrzeugbau (zum Beispiel autonomes Fahren oder funktionale Sicherheit) sowie die Chemie- und Pharmaindustrie und die Energieversorgung und rät dazu, fachlichen Fähigkeiten schnellstmöglich mit Projekt- und Prozesswissen anzureichern. 

Eine gute Einstiegschance biete momentan auch die Möglichkeit des „Job Shadowing“: Eine erfahrene Ingenieursfachkraft, die beruflich etwas kürzertreten möchte, lernt den Nachwuchs „on the job“ ein. Solche Modelle würden zumindest in großen Unternehmen gerade erprobt, sagt Kowalski. 

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