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»Wir konnten unsere eigenen Erwartungen übertreffen«

11. April 2022, 13:44 Uhr | Iris Stroh
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Efinix hat sich vor zwei Jahren mit Harald Werner einen FPGA-Spezialisten ins Haus geholt. Als Sales Director Europe sollte er das Geschäft in Europa aufbauen. Gelungener Schachzug, denn Werner erklärt: »Nach zwei Jahren sehe ich Efinix als einen der Top-FPGA-Anbieter in Europa, aber auch weltweit.«

Markt&Technik: Wie sind die ersten zwei Jahre für Efinix verlaufen?

Harald Werner: Sehr gut. Einerseits sind unsere Produkte gut im Markt angekommen, andererseits haben sich auch die Lieferengpässe bei unseren Mitbewerbern sehr positiv auf unser Geschäft ausgewirkt. Dies gilt für Europa, aber auch weltweit. Denn aufgrund der Lieferengpässe haben uns sehr viele Kunden zusätzlich kontaktiert, denen wir mit unseren FPGAs sehr gut weiterhelfen konnten. Speziell die Lieferengpässe im Komplexitätsbereich von unter 150.000 LUTs waren für viele Firmen ein Grund, sich nach Alternativen umzuschauen. Alles zusammen hat dazu geführt, dass wir unsere Ziele, die wir uns vor zwei Jahren gesetzt haben, weit übertreffen konnten.

Außerdem haben wir in den letzten zwei Jahren die komplette Trion-Familie in die Produktion überführt, vier Bausteine aus der Trion-Familie als AEC-Q100-Bausteine auf den Markt gebracht und mit Titanium eine neue FPGA-Familie auf Basis von 16 nm angekündigt sowie die ersten Bausteine dieser Familie ebenfalls in die Produktion gebracht. Efinix setzt beim Prozessor auf RISC-V, und auch in diesem Fall konnten wir schon ein beachtliches Ecosystem auf die Beine stellen. Wobei ich noch hinzufügen möchte: Die Titanium-FPGAs laufen mit 350 MHz, da macht auch Linux Spaß.

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Harald Werner, Efinix: »RISC-V hat eine sehr große Verbreitung und wird auch immer mehr in Standardapplikationen eingesetzt. Es sieht so aus, als ob RISC-V zum De-facto-Standard für Prozessoren in FPGAs in Zukunft werden kann.«
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Waren die großen Hersteller stärker von Lieferengpässen betroffen oder hat es auch kleinere Unternehmen getroffen?

Ich kann nur für Efinix sprechen, und wir hatten die Liefersituation weitestgehend im Griff, und zwar dank der guten Zusammenarbeit zwischen unseren Foundries und unserem Planungsteam. Von unseren Foundries haben wir die Info bekommen, dass die reinen CMOS-Prozesse am liebsten durchgeschoben werden. Ein klarer Vorteil für uns, denn unsere Quantum-Architektur basiert auf einem CMOS-Prozess und wird deswegen gerne von unseren Foundries verarbeitet. Dementsprechend konnten wir Kunden, die Alternativen suchten, sehr gute Lösungen bieten und haben uns durch eine stabile und rechtzeitige Belieferung unserer Kunden ausgezeichnet.

Dazu kommt noch die einfache Nutzung unserer Tools und unsere einzigartige Quantum-FPGA-Architektur; all das hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass viele Firmen auf Efinix gewechselt sind. Aber es ist noch ein Punkt entscheidend: Viele Kunden konnten mit einem Redesign eine effizientere und kostengünstigere Lösung realisieren.

Sie gehen also davon aus, dass die neuen Kunden auch bei Efinix bleiben werden, selbst wenn die etablierten Hersteller wieder liefern können?

Davon gehen wir aus. Wir konnten im Designprozess die Qualität unserer Tools und unserer Bausteine beweisen. Das heißt nicht, dass unser Design Flow vollkommen fehlerfrei ist. Entscheidend ist aber, wie man mit solchen Herausforderungen umgeht und wie schnell man Lösungen aufzeigen kann. Und hier bin ich absolut überzeugt, dass wir punkten konnten.

Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Preise für unsere Kunden auch unter den aktuellen Umständen stabil zu halten, sodass die Kunden ihre Produkte wie kalkuliert auf den Markt bringen können. Das spricht ganz sicher für uns. Deshalb sind wir überzeugt, dass unsere Kunden auch weiterhin Projekte mit uns machen werden, auch wenn die anderen wieder liefern können. Viele Kunden wünschen langfristige Lieferzusagen, ein Punkt, den wir mit neuen FPGA-Familien sicherlich einfacher gestalten können als Hersteller mit FPGA-Familien, die schon sehr viel länger auf dem Markt sind. Ich bin absolut überzeugt, dass damit Partnerschaften entstehen, die über die Krise hinaus halten werden.

Dazu kommen noch die technischen Vorteile unserer Quantum-Technologie, die selbstverständlich auch ihren Beitrag dazu leisten, dass Kunden weiterhin mit uns zusammenarbeiten werden. Ich bin absolut überzeugt, dass das große Wachstum der letzten zwei Jahre und die Etablierung entsprechender neuer Strukturen unsererseits auch in Zukunft ein weiteres gesundes Wachstum ermöglichen.

Können Sie einige Beispiele nennen, inwieweit sich die Strukturen geändert haben?

Ja klar, beispielsweise hat Efinix Verantwortliche für die weltweiten Vertriebsregionen etabliert und die dazugehörigen technischen Ressourcen aufgebaut. Darüber hinaus wurde ein erfahrener CFO sowie ein General Counsel eingestellt; beide sollen Efinix auch auf die nächsten Schritte im Markt vorbereiten. Ein FPGA ist ein Design-in-Produkt, deshalb wird auch die Struktur des technischen Supports stetig weiterentwickelt und weltweit so vernetzt, dass 24/7 an Lösungen gearbeitet werden kann.

Zurück zur Liefersituation: Wieso konnte Efinix liefern, während andere FPGA-Hersteller Probleme hatten?

Wie schon angedeutet: In Zeiten knapper Kapazitäten schauen Foundries darauf, welche Prozesse sehr einfach zu verarbeiten sind, um möglichst schnell viele Produkte durch den Prozess laufen zu lassen. Und hier hat Efinix einen Vorteil mit seiner Quantum-Architektur. Denn sie benötigt nur einen reinen CMOS-Prozess, ohne zusätzliche Prozessschritte. Das hilft der Foundry, diese Produkte schnell durchlaufen zu lassen.


  1. »Wir konnten unsere eigenen Erwartungen übertreffen«
  2. Standardprozesse nutzen bringt Vorteile
  3. Die Nr. 3 im Markt werden
  4. Hard- versus Soft-IP

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