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Interview mit Reynette K. Au, Intel

Von FPGAs über Structured ASICs hin zu Custom-ASICs


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

5G eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten...

Aber auch größere Unternehmen, speziell ASIC-Anbieter, sind mit ihren Structured ASICs gescheitert.

Structured ASICs belegen eine Grauzone, sie sind kostengünstiger als FPGAs, und sie sind weniger leistungshungrig. Aber im Vergleich zu einem ASIC sind sie natürlich deutlich weniger effizient. Damit stellt sich die Frage: Wie lange verharrt ein Produkt in dieser Grauzone? Viele Firmen bleiben relativ lange bei dem FPGA, weil es eben rekonfigurierbar ist. Und wenn das Produkt dann wirklich erfolgreich wird, wird relativ schnell auf ein ASIC gewechselt. Dementsprechend ist der Zeitraum, in dem Structured ASICs wirklich auf den Markt geliefert werden, relativ kurz, wenn es ihn überhaupt gibt. Das ist die Herausforderung: Wenn man nur ein kleines Zeitfenster hat, muss man entsprechend viele Märkte ansprechen; um viele Märkte adressieren zu können, ist eine sehr große IP-Bibliothek notwendig. Für uns ist das dementsprechend deutlich einfacher.

Intel hat umstrukturiert und eine neue Organisation gegründet, in der die Network Infrastructure Group mit der Programmable Logic Group zusammengefasst wurde. Warum?

Der Grund ist 5G – denn 5G eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten für unsere Kunden.

Welche Vorteile soll der Zusammenschluss bringen?

Es ist noch sehr früh, hier über konkrete Ergebnisse zu sprechen, weil die Umstrukturierung noch nicht lange her ist, deshalb nur die Grundüberlegung: 5G ist eine sehr wichtige Technologie, der sich Intel verpflichtet hat.

Wobei Intel auch in diesem Bereich seine Strategie geändert hat …

Ja, aber Sie dürfen 5G nicht nur als die nächste Generation für den Mobilfunk sehen. Viel entscheidender ist, dass diese spezielle Generation die Dynamik im Netzwerkbereich ganz generell verändert. Denn 5G ermöglicht Dinge, die mit 2, 3 und selbst mit 4G nicht möglich waren. Das heißt, es findet wirklich eine Transformation des Netzwerks statt.

Sind die FPGAs im Networking-Bereich dann von Bedeutung, weil sie programmierbar sind, oder geht es in dem Fall mehr darum, dass mit diesen Komponenten spezielle Aufgaben beschleunigt werden können?

Um beides. Die FPGA-Welt war in ihrer Geschichte sehr beschränkt, unter anderem lag das daran, dass die Komponenten schwer zu programmieren sind und dass diese Hürde eigentlich niemals überwunden wurde. Wir bei Intel werden diese Hürde beispielsweise durch Ansätze wie unser One-API-Projekt überwinden, wir können die Barriere aber auch damit verringern, indem wir diese Technologie selbst einsetzen in Lösungen, die unsere Kunden nutzen können. Beschleuniger sind dafür ein hervorragendes Beispiel.

Wir sind vor zwei Jahren mit der ersten FPGA-basierten Beschleunigerkarte für Server auf den Markt gekommen. Damit lassen sich bestimmte Workloads beschleunigen in der Cloud und vor Ort. Wir sind noch einen weiteren Schritt gegangen und haben eine Beschleunigerkarte für Netzwerkanwendungen entwickelt, sie wurde Anfang des Jahres vorgestellt. Das heißt, wir nehmen FPGA-Fähigkeiten, machen sie leichter zugänglich für eine größere Nutzergruppe, indem wir basierend darauf Plattformen entwickeln. Nimmt man diese Dinge zusammen, dann wird klar, dass diese Bereiche – FPGA und Netzwerke – zusammenwachsen.

Bei diesen Aussagen kommt der Gedanke auf, dass von der ursprünglichen Idee der PLD-Hersteller nicht viel übrig geblieben ist. Früher ging es darum, dass FPGAs General-Purpose-Komponenten waren, die mehr oder minder auf jedem Markt genutzt werden konnten. Heute geht es Intel hauptsächlich um Datenzentren; die Belange beispielsweise des Industriemarktes spielen für Intel also keine Rolle mehr?

Das haben Sie missverstanden, auch auf diesem Markt liegt weiterhin unser Fokus. Hier gibt es auch eine Roadmap für weitere Produktentwicklungen. Beispielsweise wurde erst vor Kurzem mit Stratix 10 DX eine weitere Variante von Stratix 10 vorgestellt und es sind natürlich noch weitere Varianten geplant.

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