Siltronic-Übernahme

Noch möglich - aber fehlt der politische Wille?

27. Januar 2022, 13:53 Uhr | Heinz Arnold
300-mm-Wafer
Ein 300-mm-Wafer von Siltronic.
© Siltronic

Zwar verstreicht die Frist für die Übernahme von Siltronic durch GloabalWafers am 31. Januar – doch noch wäre eine Übernahme möglich – falls der politische Wille dazu besteht. 

Die Zeit drängt also, denn wenn die Bundesregierung die Frist am 31. 1. 2022 verstreichen lässt, ist die geplante Übernahme geplatzt. Weil über die vergangenen Wochen keine Gespräche geführt wurden, sieht es so aus, als ob die Bundesregierung die Frist nach 13 Monaten absichtlich verstreichen lassen wolle – die beteiligten Behörden in den anderen Ländern haben die Zustimmungen zum Kauf erteilt, zuletzt die chinesische Wettbewerbsaufsicht unter gewissen Bedingungen. 

Allerdings bestünden laut GlobalWafers weiterhin rechtliche Optionen: Entweder könne die Übernahme unter weiteren Bedingungen freigegeben werden oder GlobalWafers würde in einem Schreiben weitere freiwillige, einseitige Verpflichtungen eingehen. Auf Basis dieser Verpflichtungen könnte also innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes die Freigabe noch erfolgen. Wer den Fall über die vergangenen Minate verfolgt hat, der dürfte sich allerdings fragen, ob der politische Wille dazu wirklich besteht.

»Extrem weitreichende Absicherungen angeboten«

Doris Hsu, CEO von GlobalWafers, ist eine gewisse Enttäuschung anzumerken: »Ich kann bestätigen, dass es uns in letzter Zeit nicht möglich war, mit der deutschen Regierung über die Transaktion zu sprechen.« Sie unterstreicht aber, dass GlobalWafers bereits »extrem weitreichende Absicherungen« angeboten habe. »Allein das zeigt deutlich, dass wir kein ausländischer Käufer von Schlüsseltechnologien sind, sondern – ebenso wie Taiwan – ein starker Partner für die europäische Halbleiterindustrie. Dies ist eine wichtige Transaktion für Taiwan, weil sie die Partnerschaft zwischen Europa und Taiwan stärkt.«

Sollte die Transaktion nicht zustande kommen, würde GlobalWafers alternative Investitionspläne verfolgen, im Wesentlichen außerhalb Europas. Bislang betreibt GlobalWafers eine Reihe von Produktionsstätten in Europa und ist der größte Wafer-Lieferant in Europa, mit großem Abstand zu Siltronic.

»Der Zusammenschluss von GlobalWafers und Siltronic stärkt die europäische Halbleiterindustrie«, sagt Dr. Christian Hartel, CEO von Wacker Chemie. »Er bietet Siltronic langfristige Investitions- und Wachstumschancen, er sichert die Zukunft der deutschen Standorte in einem wettbewerbsintensiven globalen Umfeld und er bindet die führende Halbleiternation an Europa, statt sie zu entfremden. Wenn schlichtweg keine Entscheidung getroffen würde, wäre das ein falsches Signal an unsere internationalen Partner und Investoren.«


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