16 Prozent mehr Umsatz

Siltronic profitiert vom Chip-Boom

2. Februar 2022, 8:04 Uhr | Heinz Arnold
Dr. Christoph von Plotho, Vorstandsvorsitzender von Siltronic:
Dr. Christoph von Plotho, Vorstandsvorsitzender von Siltronic: »Wir bedauern, dass die Übernahme durch GlobalWafers aufgrund fehlender regulatorischer Freigaben nicht vollzogen werden konnte. Wir sehen uns jetzt aber in einer guten Ausgangsposition auch als selbständiges Unternehmen weiter erfolgreich zu bleiben.«
© Siltronic

Siltronic konnte 2021 den Umsatz um 16 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro steigern. Für 2022 erwartet der Wafer-Hersteller höhere Preise und steigende Kosten.

Auch wenn die Übernahme durch GlobalWafers gerade geplatzt ist, worüber beide Unternehmen nicht erfreut waren, konnte Siltronic finanziell gesehen das Geschäftsjahr 2021 sehr erfolgreich abschließen. Die vorläufigen Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization (EBITDA) wuchsen auf 466 Mio. Euro und die EBITDA-Marge auf 33 Prozent (2020: Euro 332 Mio.; 28 Prozent). Der Gewinn vor Zins und Steuern (EBIT) erreichte rund 317 Mio. Euro, die EBIT-Marge lag mit 23 Prozent deutlich über Vorjahr (2020: 192 Mio. Euro; 16 Prozent).

»Diese hervorragende Entwicklung basiert in erster Linie auf einem starken Anstieg der abgesetzten Wafer-Fläche«, so teilt Siltronic anlässlich der Bekanntgabe der Ergebnisse mit. Das Geschäftsjahr war geprägt von starker Nachfrage der Kunden aufgrund von Nachholeffekten aus dem Jahr 2020, anhaltend hohen Investitionen in Digitalisierung und einer zunehmenden Verwendung von Halbleiterbauteilen in immer mehr Anwendungen. Im zweiten Halbjahr haben sich deutlich steigende Absatzmengen, leicht steigende Preise und ein wieder stärkerer US-Dollar positiv auf Umsatz und Ergebnis ausgewirkt. Diese positiven Effekte wurden allerdings teilweise von Kostensteigerungen insbesondere im Bereich der Energie- und Frachtkosten aufgezehrt.

Neues Werk in Singapur

Highlight des Jahres 2021 war der Startschuss für den Bau der neuen 300-mm-Fabrik am Standort Singapur. Mit der Investition in ein hochmodernes und kosteneffizientes Werk begleitet Siltronic die Expansionspläne der Kunden und schafft die Grundlage für weiteres Wachstum des Unternehmens. Die zusätzlichen Produktionskapazitäten sind dabei bereits zu größten Teilen durch langfristige Lieferverträge mit Kunden abgesichert.

»Mit diesem Projekt wurden die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der Siltronic AG gestellt. Die neue Fabrik ermöglicht uns weiter zu wachsen und unsere Position als einer der Technologieführer zu festigen«, sagte Dr. Christoph von Plotho, Vorstandsvorsitzender der Siltronic AG. »Wir bedauern, dass die Übernahme durch GlobalWafers aufgrund fehlender regulatorischer Freigaben nicht vollzogen werden konnte. Das lag nicht in unserer Hand. Wir sehen uns jetzt aber in einer guten Ausgangsposition auch als selbständiges Unternehmen weiter erfolgreich zu bleiben.«

Die absoluten Herstellungskosten haben aufgrund der gestiegenen Absatzmenge zugenommen. Der Anstieg der Herstellungskosten verlief im Vergleich zum Vorjahr jedoch deutlich unterproportional zur Mengenentwicklung. Im zweiten Halbjahr wirkten sich steigende Strompreise und ein schwächerer Euro belastend aus. Skaleneffekte und Produktivitätssteigerungen führten zu einem deutlichen Rückgang der Herstellungskosten je Waferfläche.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Siltronic rund 426 Mio. Euro in Sachanlagen und immaterielles Anlagevermögen investiert. Die größte Investition betraf den Bau der neuen 300 mm-Fabrik in Singapur, was sich vor allem im vierten Quartal zeigt. Weiter enthalten sind Investitionen in Epitaxie-Kapazitäten, verbesserte Produktionsanlagen und die Erweiterung des Kristallziehgebäudes in Freiberg.

Der vorläufige Netto-Cashflow 2021 war mit rund 2 Mio. Euro positiv, aber deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (2020: EUR 77,4 Mio.) und damit im Rahmen der Erwartungen.

Trotz der Investitionen in die neue Fabrik und trotz einer Dividendenzahlung in Höhe von 60 Mio. Euro ist das vorläufige Nettofinanzvermögen auf 573 Mio. Euro (2020: 499,2 Mio. Euro) gestiegen. Hauptgrund dafür war der sehr erfreuliche Cashflow aus betrieblicher Geschäftstätigkeit. In Q4 sind Kundenanzahlungen in Höhe von netto 123 Mio. Euro zugeflossen.

Geschäftsentwicklung im vierten Quartal 2021

Der vorläufige Umsatz von rund 377 Mio. Euro im vierten Quartal 2021 lag leicht über dem dritten Quartal (371,6 Mio. Euro). Dies ist in erster Linie auf die Kursentwicklung des Euro zum US-Dollar zurückzuführen. Die Produktionskapazitäten waren weiterhin voll ausgelastet.

2022 wird von den anhaltenden Nachfragetrends, aber auch von andauernder Unsicherheit geprägt sein. Zu den andauernden Unsicherheiten für 2022 zählen weiterhin geopolitische und weltwirtschaftliche Entwicklungen, aber auch der weitere Verlauf der Corona-Pandemie.

Die Megatrends der Halbleiterindustrie lassen das Unternehmen weiterhin von mittel- und langfristig steigender Nachfrage ausgehen. Aufgrund äußerer Einflüsse wie den aktuellen Verwerfungen in den globalen Lieferketten kann das Wachstum jedoch auch gewissen Schwankungen unterworfen sein. Siltronic verzeichnet derzeit weiter eine hohe Nachfrage und plant mit hoher Auslastung der Produktion.

Das Unternehmen erwartet für das Jahr 2022 ein positives Marktumfeld und deutlich steigende Preise. Inflationsbedingt deutlich steigende Kosten werden das Ergebnis aber deutlich belasten. Insgesamt geht das Unternehmen von einem guten Start in das Geschäftsjahr 2022 aus.


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