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Ingenieur wird neuer Intel-Chef

Auf Pat Gelsinger warten Herkulesaufgaben

14. Januar 2021, 10:48 Uhr   |  Heinz Arnold

Auf Pat Gelsinger warten Herkulesaufgaben
© Intel

Pat Gelsinger, neuer CEO von Intel

Der Druck auf Bob Swan wurde so groß, dass er vom Posten des Intel-Chefs zurücktritt. Auf Pat Gelsinger, bisher CEO von VMWare, warten Herkulesaufgaben.

Pat Gelsinger ist nicht neu für Intel. Er stieg im Alter von 18 Jahren bei Intel ein – und blieb dem Unternehmen 30 Jahre treu, zuletzt in der Rolle des ersten CTO von Intel. Er kannte noch Andy Grove, Robert Noyce und Gordon Moore, wie er in einem Brief an die Mitarbeiter von Intel schrieb. Unter anderem ermöglichte es ihm Intel, an der Santa Clara University und an der Stanford University zu studieren. Damit tritt ab dem 15. Februar 2021 wieder ein Ingenieur an die Spitze von Intel.

Intel schreibt in der Pressemitteilung, dass der Chefwechsel unabhängig von den Finanzergebnissen stattfinde: Die Zahlen des vierten Quartals des Finanzjahres 2020 würde die Erwartungen aus dem Oktober voraussichtlich übertreffen. Zudem mache Intel bedeutende Fortschritte auf der 7-nm-Prozessebene. Details dazu würden auf der Quartals-Konferenz bekannt gegeben, die wie geplant am 21 Januar stattfinden werde.

Das steht in einem gewissen Gegensatz zum Brief, den Daniel Loeb, der Chef des aktivistischen Fonds Third Point, kürzlich an den Aufsichtsrat geschrieben hat. Darin beklagte er sich über 60 Mrd. Dollar, Marktwert, den Intel allein über das letzte Jahr verloren habe, darüber dass Intel gegenüber seinen Wettbewerbern zurückgefallen und die Führungsrolle in der Prozesstechnik verloren habe. Dafür hätten die Manager auch noch Prämien bekommen. Er bezweifelte, ob Intel überhaupt noch als IDM weiterarbeiten und nicht besser die gesamte Fertigung auslagern sollte. Zumindest für die Prozessoren soll das nun offenbar geschehen, die Produktion der Prozessoren, die die fortschrittlichsten Prozesstechniken erfordern, sollen Foundries wie TSMC, vielleicht auch Samsung übernehmen.

Der Aufsichtsrat sieht Intel ebenfalls in einer »kritischen Phase des Übergangs«, wie Omar Ishrak, Mitglied des Intel-Boards, formuliert. Als Technologieexperte und Ingenieur habe Gelsinger die Voraussetzzungen, Intel von einem CPU- zu einem Multi-Architecture-XPU-Unternehmen zu führen.  

Gelsinger war seit 2012 CEO der zu Dell gehörenden VMWare, in diesem Zeitraum hatte sich der Umsatz des Unternehmens verdreifacht. Er trieb unter anderem die Entwicklungen von USB und Wi-Fi voran. Außerdem war er Architekt des 80486-Prozessors, er stand an der Spitze von 14 verschiedenen different Microprozessor-Programmen, und war an der Entwicklung der der Core- und Xeon-Familien beteiligt.

Das sind gute Voraussetzungen, um Intel wieder auf Kurs zu bringen. Das dies nötig ist, dürfte sicherlich nicht nur dem glücklosen Bos Swan anzurechnen sein, der sein Amt nun nach zwei Jahren aufgeben muss. Es sind sicherlich über die viele Jahre Fehler auf verschiedenen Ebenen gemacht worden, darunter auch unglückliche, aber teure Übernahmen. Auf Gelsinger warten mehrere Herkulesaufgaben.

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