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Neuer Rekordumsatz

Intel übertrifft Erwartungen

22. Januar 2021, 07:31 Uhr   |  dpa, Newsdesk st

Intel übertrifft Erwartungen
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Intel war lange die unangefochtene Nummer eins in der Chipbranche. Inzwischen steht der Konzern verstärkt unter Druck. Im vergangenen Jahr gab es dennoch einen Rekordumsatz - auch durch einen Corona-Boom.

Intel hat im vierten Quartal die Geschäftserwartungen deutlich übertroffen. Mit einem Umsatz von 20 Mrd. Dollar nahm Intel rund 2,6 Mrd. Dollar (2,14 Mrd. Euro) mehr ein als im Oktober noch in Aussicht gestellt worden war. Im Vergleich zum Vorjahresquartal fiel der Umsatz allerdings um 1 Prozent. Im gesamten Jahr 2020 stieg der Umsatz um 8 Prozent auf den Rekordwert von 77,9 Mrd. Dollar.

Der Quartalsgewinn fiel um 15 Prozent auf 5,9 Mrd. Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Nettogewinn von 20,9 Mrd. Dollar ausgewiesen, 1 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Im Geschäft mit Rechenzentren (DCG: Data Center Group) sank der Umsatz im vierten Quartal 2020 im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 6,1 Mrd. Dollar. Im gesamten Jahr stiegen die Umsätze jedoch nach dem Corona-Boom um 11 Prozent auf 26,1 Mrd. Dollar. Mit dem Arbeiten und Lernen zuhause hatten 2020 unter anderem Videokonferenzen stark zugenommen. Das machte den Ausbau in Rechenzentren notwendig, von dem auch Intel profitierte. Im Geschäft mit PC-Prozessoren (CCG: Client Computing Group) stiegen die Umsätze im vergangenen Quartal um 9 Prozent auf 10,9 Mrd. Dollar. Den Ausschlag dafür gab ein Sprung beim Notebook-Absatz - der auch als eine Folge der Corona-Pandemie gilt. Der Bereich NSG (Non-Volatiile Memory Solutions Group) wies für das vierte Quartal einen Umsatz von 1,2 Mrd. Dollar auf, 1 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Im Jahresvergleich konnte dieses Segment allerdings einen Umsatzzuwachs von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,4 Mrd. Dollar erreichen. Die PSG (Programmable Solutions Group, das Geschäft von Altera) musste im vierten Quartal ein Umsatzminus von 16 Prozent auf 422 Mio. Dollar melden, im Jahresvergleich sank der Umsatz lediglich um 7 Prozent auf 1,9 Mrd. Dollar. Der Bereich Internet of Things ist bei Intel in zwei Segmente aufgegliedert: IOTG und Mobileye. Der Umsatz von IOTG sank im vierten Quartal um 16 Prozent auf 777 Mio. Dollar, im Jahresvergleich musste ein Umsatzrückgang von 21 Prozent auf 3,0 Mrd. Dollar gemeldet werden. Mobileye läuft dagegen hervorragend: Im vierten Quartal wurde ein Umsatzzuwachs von 39 Prozent auf 333 Mio. Dollar erzielt, im Jahresvergleich sprang der Umsatz um 10 Prozent auf 967 Mio. Dollar.

2020 hat Intel 13,6 Mrd. Dollar in Forschung und Entwicklung investiert und 14,3 Mrd. an Kapitalinvestitionen geleistet.

Intel steht vor einem Wechsel an der Firmenspitze: Zum 15. Februar soll der erfahrene Tech-Manager Pat Gelsinger den Chefposten übernehmen. Der Konzern war zuletzt unter anderem durch Verzögerungen beim Start einer neuen Prozessor-Technologie zunehmend unter Druck geraten. Die Intel-Aktie gab im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als vier Prozent nach.

Der scheidende Chef Bob Swan sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach Vorlage der Zahlen, Intel mache gute Fortschritte dabei, die Probleme bei der Produktion von Chips mit Strukturbreiten von 7 Nanometern zu überwinden. Der Konzern hatte im Sommer ankündigen müssen, dass diese neuen Prozessoren sich weiter verzögern und erst Ende 2022 oder Anfang 2023 auf den Markt kommen werden. Grund ist ein Fehler im Produktionsverfahren, der zu einem überhöhten Anteil unbrauchbarer Chips führte.

Im Zusammenhang mit den Problemen kam auch die Möglichkeit auf, dass Intel die neuen Prozessoren komplett bei anderen Firmen produzieren lassen könnte statt in den eigenen Werken. Jetzt sagte Gelsinger, er gehe davon aus, dass der Großteil der Produktpalette 2023 aus Intel-Fabriken kommen werde. Zugleich sei aber wahrscheinlich, dass man bei »einzelnen Technologien und Produkten« verstärkt auf externe Foundries setzen werde.

Jüngst verstärkte Apple den Druck mit der Umstellung seiner Mac-Computer auf Prozessoren aus eigener Entwicklung statt Intel-Chips. Gelsinger zeigte sich überzeugt, dass der Konzern in eine Position der Stärke zurückfinden werde: »Intel hat auch früher schon Zyklen durchlebt.« So habe man den Wandel der Branche zu Prozessoren mit mehreren Rechenkernen zunächst verpasst - dann in dem Bereich aber mehr als aufgeholt. Gelsinger war mehrere Jahrzehnte bei Intel gewesen, unter anderem als Technologiechef, bevor er 2009 wegging.

Für das erste Quartal wird ein Umsatz von rund 18,6 Mrd. Dollar erwartet, die operative Gewinnmarge soll bei 27 Prozent liegen und der Gewinn pro Aktie bei 1,03 Dollar.

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