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productronica 2021

Kurtz Ersa zeigt drei Weltpremieren

Kurtz Ersa
Die IoT-Lötstation i-Con Trace mit 150 Watt: Heizelement und Lötspitzen lassen sich einzeln tauschen. Für den Spitzentausch ist ein Tip‘n‘Turn-System integriert, mit dem sich auch heiße Spitzen schnell mit einem Handgriff tauschen lassen.
© Kurtz Ersa

Das Lötanlagen-Portfolio von Kurtz Ersa gehört zu den breitesten der Branche. Ein Blick auf dessen Weiterentwicklung lohnt sich, denn hier spiegelt sich die allgemeine technische Entwicklung der Lötanlagen wider. Ein Blick auf drei Trends anhand von drei Weltpremieren.

Am 18. November 1921 gründete Ernst Sachs die Firma Ersa. Die technische Grundlage war ein wenige Monate zuvor eingereichtes Patent für den ersten elektrischen Handlötkolben. Auch wenn sich Kurtz Ersa heute stark im Selektivlöten engagiert, also der Technik, die das Handlöten an vielen Stellen schon abgelöst hat, werden intern immer noch Entwicklungsprojekte zum Handlöten angestoßen. Das spiegelt den ersten Trend wider, den man auch als Gegentrend bezeichnen könnte.

Trend 1: Rückführbares Handlöten

Mit der i-Con Trace stellt Kurtz Ersa auf der productronica (Halle A4, Stand 171) eine neue IoT-Lötstation vor, die nach eigenen Angaben erstmals ein lückenlos rückverfolgbares Handlöten ermöglicht. »Damit können jetzt auch Aufgaben, die bislang nur maschinell nachgearbeitet werden durften, von Hand bearbeitet werden«, heißt es dazu vom Hersteller. Zur Einbindung in ein MES sind WLAN, Bluetooth und eine Netzwerkkarte integriert. Die Bedienung erfolgt über eine Anwendungssoftware, die zentral auf einem Firmenserver installiert wird. Ist die Lötstation im Firmennetzwerk eingebunden, können ihr über das MES Lötaufgaben mit spezifischen Vorgaben zugewiesen werden, z. B. Löttemperatur, Lötdauer oder welche Lötspitze verwendet werden muss. Jeder einzelne Lötvorgang lässt sich elektronisch erfassen, dokumentieren und optional auch per Gateway dem MES eines Kunden zur Verfügung stellen. Zur Dokumentation werden vor dem Löten Baugruppe, verwendete Lötspitze, Lötdraht und Flussmittel eingescannt. Defekte am Heizelement oder eine falsche Lötspitze werden automatisch erkannt. Sind alle definierten Parameter eingehalten, gibt eine Signalleuchte den Lötvorgang frei. Prozesstemperatur und Lötdauer erfasst die Stationund speichert alle Daten zur Dokumentation ab.

Durch das Einführen von Dokumentationsfunktionen für Lötstationen wird ein neues Feld für Handlötarbeiten eröffnet. Es ist in gewisser Weise ein Gegengewicht zur allgemeinen Automatisierung von Fertigungsschritten.

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Bild 2: Hotflow Three ist aktuell die modernste Reflow-Lötanlage von Kurtz Ersa und wurde auf hohe Lötqualität, hohe Maschinenverfügbarkeit und Ressourceneffizienz ausgelegt.
© Kurtz Ersa

Trend 2: Effizienteres und effektiveres Reflow-Löten

Der Trend zu Nachhaltigkeit ist in der Industrie angekommen und wird an den zahlreichen Unternehmen sichtbar, die sich selbst Klimaziele verordnen. Der Klima-Fahrplan von Kurtz Ersa sieht vor, in allen Geschäftsfeldern und auch in der Lieferkette bis 2029 CO2-neutral zu sein. Gleichzeitig werden effizientere und effektivere Lötanlagen entwickelt: Verminderter Strombedarf erhöht die Anlageneffizienz, kürzere Stillstandzeiten und verminderter Wartungsbedarf steigern die Gesamtanlageneffektivität. In der neuen Reflowlötanlage Hotflow Three lassen sich Temperaturprofile mit einer neu entwickelten Motor- und Steuereinheit für die Heizzonen genauer dem Material und der Lotpaste anpassen. Die Neuentwicklung mache die Anlage laut Kurtz Ersa gleichzeitig energieeffizienter. Wartungszeiten würden durch ein neues Filter- und Reinigungssystem verkürzt, das unerwünschte Rückstände und Verunreinigungen in der Vorheizzone und Partikelrückstände in der Peak-Zone beseitig. In der Kühlzone werden vor allem Kondensatabscheidungen eingefangen.

Die neue Reflow-Lötanlage ist in drei Längen mit 16, 20 oder 26 Heizzonen verfügbar, je nach Bedarf mit Single-Track-System oder drei variablen Dual-Track-Systemen mit optional verstärkten Transportschienen für Leiterplatten bis 610 mm Breite im Single Track und bis 2 x 300 mm oder 2 x 510 mm Breite im Dual Track.

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Bild 3: Kompakte Selektivlötanlage Versaflow One. Die Bedienung erfolgt über Ersasoft 5, eine intuitive Anlagensoftware aus eigener Entwicklung.
© Kurtz Ersa

Trend 3: Kleinere Einsteigshürde ins Selektivlöten

Das Anschaffen von Automatisierungstechnik erfordert Initialkosten, Stellfläche und eine gewisse Risikobereitschaft, sich auf ein System festzulegen. Noch höher sind die Hürden für einen Wechsel der Löttechnik. Um den Ein- oder Umstieg auf Selektivlöten in der Fertigungslinie zu erleichtern, wurde die Selektivlötanlage Versaflow One entwickelt. Sie ist die bisher kompakteste Selektivlötanlage von Kurtz Ersa, benötigt nur wenig Stellfläche und ist erweiterbar. Für kleinere Serienfertigungen bietet sich eine Variante mit einem Lötmodul an, für höheren Durchsatz eine Variante mit zwei Lötmodulen. Zu den besonderen Merkmalen zählen eine verbesserte Heizung im Querprofil, die laut Hersteller zu 10 Prozent Energieeinsparung führt, die weltweite kurze Lieferzeit von zwei bis vier Wochen und eine x-Variabilität, mit der sich der Durchsatz deutlich erhöhen lässt. Diese letzte Funktion wird im Frühjahr 2022 verfügbar sein und ist laut Kurtz Ersa für die Einstiegsklasse ein Novum. Selektivlöten ist eine Alternative zum komplexen Wellenlöten und wird seit einigen Jahren verstärkt in Asien eingeführt.

Die IoT-Handlötstation, die Reflow- und die Selektivlötanlage wurden noch auf keiner anderen Messe vorgestellt und feiern auf der productronica ihre Weltpremiere. Einen weiteren Grund zum Feiern gibt es am dritten Messetag. Es ist der 18. November 2021 und der Maschinenbauer feiert sein hundertjähriges Firmenbestehen. Die Redaktion der WEKA Fachmedien gratuliert an dieser Stelle ganz herzlich.


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