Trend-Studie Automobilelektronik Autokosten im Wandel

Der Anteil der Elektronik an den Fahrzeugkosten soll bis 2025 auf 35% steigen.
Der Anteil der Elektronik an den Fahrzeugkosten soll bis 2025 auf 35% steigen.

Elektrische Antriebe, Digitalisierung und Vernetzung sowie automatisierte Fahrzeuge steigern laut Roland Berger die Bedeutung der Elektronik im Auto. 2025 sollen elektronische Komponenten 35 Prozent aller BOM-Kosten stellen. Der Vormarsch von Halbleitern und Software verändert die Branche.

Das moderne Auto ist ein Rechner auf Rädern – Die Studie „Computer on wheels – Disruption in Automotive Electronics and Semiconductors“ der Wirtschaftsberatung Roland Berger prognostiziert, dass der Prozessor das Herzstück des vollelektrischen
Autos ist, elektronische Hardware und Anwendungssoftware werden zum Differenzierungsmerkmal. Laut der Studie haben die veränderte elektronische
Architektur, die fundamentale Funktion von Halbleitern und Software für das autonome Fahren sowie die Antriebs­elektronik den größten Einfluss auf die elektronische Bill of Materials (BOM). Elektronik-Sourcing wird in Zukunft eine kritische Größe innerhalb der Wertschöpfung. Der Anteil der elektronischen Komponenten an den Materialkosten aller Bauteile soll von heute 16 Prozent im teilelektrisierten Auto der Oberklasse auf 35 Prozent im vollelektrisierten Premium-Auto steigen (Bild 1).

Die Elektronik-BOM wird sich laut der Marktbeobachter von momentan
durchschnittlichen 3.100 US-Dollar pro Auto um 3.885 US-Dollar auf knapp 7.000 US-Dollar verdoppeln, wobei der Halbleiteranteil von jetzt 25 Prozent auf 35 Prozent in 2025 steigen soll (Bild 2).

Elektrifizierung, Sensorik und Digitalisierung als Kostentreiber

Mit 725 US-Dollar entfällt ein Fünftel der Kostensteigerung auf die Digitalisierung mit automobilen IoT-Systemen, Connectivity, V2X-Kommuni­kation, der funktionalen Integration der neuen Features und den damit einhergehenden fundamentalen Veränderungen in der elektrischen und elektronischen Architektur.

Knapp ein Viertel der Erhöhung des Elektronik-Anteils an den Gesamtkosten eines Autos wird mit 925 US-Dollar auf die nahtlose Integration von elektronischen Komponenten, dem Verarbeiten von digitalen Signalen und auf die Stromsteuerung von Antrieb und Batterien für autonomes Fahren entfallen. Hochkomplexe SoCs innerhalb einer KI-gestützten Zentralsteuerung bestreiten davon eine Hälfte, die andere Hälfte entfällt auf die Sensorik und Rechenleistung von Kameras und Lidar-, Radar- oder Ultraschallsystemen und deren Datenverarbeitung für die Echtzeitsteuerung.

Den größten Anteil der Kostenerhöhung geht mit 55 Prozent auf die Elektrifizierung des Antriebsstrangs zurück. Laut Roland Berger ist das Fahrzeug der nahen Zukunft auf jeden Fall elektrisch. Batterie Management, Ladesysteme, -konverter und Antriebsstrang-Inverter sollen allein 2.235 US-Dollar ausmachen.

Neue Rollen für Hersteller und Zulieferer

Der »Computer auf Rädern« schlägt sich nicht nur in den Kosten für die Automobilelektronik nieder, er rüttelt auch an gelernten Rollen. Halbleiter und Software können nicht einfach eingekauft werden, sie gehören spezifisch einde­signt. Laut der Roland-Berger-Studie werden die Anforderungen an automobile SoCs dazu führen, dass Embedded Software bis zu 40 Prozent der automobilen Entwicklungskosten ausmacht. Alle Lieferanten der Wertschöpfungskette werden sich dazu auf veränderte und vor allem beschleunigte Entwicklungs­zyklen im Software Engineering einstellen müssen, heißt es.

Das Eintreten neue Marktteilnehmer aus dem Halbleiter- und Software­bereich bedingt eine Neuordnung der Komponentenentwicklung, der Einkaufskriterien und Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Während OEMs künftig auch Module integrieren, bieten Halbleiterhersteller zunehmend auch Software an und Softwarelieferanten partizipieren an der gesamten Wertschöpfungskette.

Roland Berger empfiehlt Automobilherstellern sich zu Technologiekonzernen zu wandeln und Allianzen einzugehen. So sollen Komplexität gehandhabt sowie Kosten und Risiko geteilt werden. Um einen Platz in der Lieferkette zu behalten, werden als wahrscheinlichstes Szenario Konsortien aus mehreren Herstellern um einen OEM, ein Halb­leiterunternehmen und optionalen Tier-1- und Software-Lieferanten angesehen. Klappt der Turn nicht, droht laut dem Resümee der Studie der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.