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Validierungsdaten effizient erfassen

10 Best Practices für ADAS-Tests

ADAS-Tests sind aufwendig. Der Autor gibt deshalb 10 Tipps an die Hand.
© Shutterstock.com | elektroniknet

Das Testen von Fahrerassistenzsystemen ist aufwendig und komplex. Basierend auf zahlreichen Testfahrten im Elektrobit-Erprobungsfahrzeug hat unser Autor zehn Tipps für die schnelle Erfassung aussagekräftiger Test- und Validierungsdaten ausgearbeitet.

Tests für Fahrerassistenzsysteme (ADAS) machen einen völlig neuen Testansatz erforderlich. Der offensichtlichste Grund dafür liegt in der immensen Anzahl an Sensoren und Aktuatoren sowie in deren Zusammenspiel. Während Ingenieure früher jeweils einen Sensor testeten, spezifizieren sie jetzt mehr als 20 Sensoren. Diese Sensoren – Nah- und Fernbereichsradar, Mono-/Stereokameras sowie Sonar und Lidar – müssen gemeinsam agieren. Das bedeutet, dass mehrere Sensorfusionsebenen zu implementieren sind.

Bei den Aktuatoren des Bremssystems sind beispielsweise bis zu sieben unterschiedliche Systeme vorhanden, die die Bremse betätigen können. Damit ist ein Ausfall gegebenenfalls nicht auf eine Ursache, sondern auf eine komplexe Kombination mehrerer Faktoren zurückzuführen. Erweitern lässt sich diese Problematik auf andere Funktionen von automatisierten und autonomen Fahrzeugen wie Abstandsregeltempomat (ACC), Spurhalteassistent (LKA), Notbremsassistent (AEB) und Valet-Parken sowie Komfortfunktionen wie die Überwachung des toten Winkels, Nachtsicht und Strahllenkung.

Auf die Automobilindustrie wartet eine gigantische Aufgabe, deren Komple­xität Best Practices unabdingbar macht. Die folgende Top-Ten-Checkliste soll beim Testen heutiger, zunehmend komplexer ADAS- und AV-Systeme unterstützen. Die Liste basiert auf der jahrzehntelangen Erfahrung von Elektrobit im Bereich Systemtests für führende Tier-1-Zulieferer und Automobilhersteller. Darüber hinaus stützt sie sich auf
Testfahrten über Tausende von Kilometern mit der Cloud-basierten Test- und Validierungslösung EB Assist Test Lab in den USA und in der Region um Tokio.

 

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Testfahrten mit dem Elektrobit-Erprobungsfahrzeug
© Elektrobit

On the Road

Der erfahrene Tester Jérémy Dahan hat in den USA und in Japan über viele Tausende von Kilometern hinweg Daten aufgezeichnet. Was er aus seinen Fahrten mitgenommen hat, ist, dass der Fahrer durch eine aktivere Rolle den Prozess für alle Beteiligten vereinfachen kann. Denn die Einfachheit und Bedienfreundlichkeit des Systems in der Hand des Fahrers wirkt sich positiv auf die Qualität der erfassten Daten aus.

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Top-Ten-Checkliste

1. Schnellstmögliches Filtern bzw. Kommentieren der Daten als Teil eines mehrstufigen Annotationsansatzes.
So lässt sich sicherstellen, dass jeder Schritt die tatsächlichen Fähigkeiten des Systems ausschöpft. Der erste Rat ist sogleich der beste Rat, der ab Beginn eines Testprojekts berücksichtigt werden sollte. Durch die Kennzeichnung einer Aufzeichnung in Echt- bzw. Quasi-Echtzeit im Kontext eines neuen, einzigartigen oder ungewöhnlichen Anwendungsfalls kann die letztendlich benötigte Datenmenge drastisch reduziert werden. Diese Logik sollte auf den gesamten Datenerfassungsprozess angewendet werden.

2. Den Fahrer und/oder Mitfahrer für die manuelle Annotation verantwortlich machen.
Traditionellerweise beschränkt sich der Fahrer auf das Fahren. Es können jedoch Methoden eingeführt werden, über die der Fahrer Daten bei deren
Eingang einfach kennzeichnen kann, zum Beispiel durch einen Knopf am Lenkrad oder durch Sprachkommandos. Auf diese Weise ist rasch erkennbar, welcher Teil der Aufzeichnung relevante Informationen enthalten könnte.

3. Im Fahrzeug-Datenlogger Algorithmen zur Ermittlung der relevantesten Daten ausführen. Viele Checks können im Datenlogger des Fahrzeugs durchgeführt werden. Das spart Zeit und nachträglichen Frust. Diese Prozesse können sehr einfach sein, wie beispielsweise die Prüfung der Aufzeichnung auf Konsistenz und Unversehrtheit. Ein weiteres Beispiel ist das Überschreiten vordefinierter Schwellenwerte – etwa für die Beschleunigung – durch entsprechend zu kennzeichnende Signalwerte. Dadurch wird die hochzuladende Datenmenge enorm reduziert.

4. Sicherstellen, dass die Upload-Station die vorannotiertenDaten nutzt und Uploads indie Cloud oder das On-Premise-Rechenzentrum korrekt priorisiert.
Egal, ob On-Premise-Speicher, Cloud oder Hybridlösung – das Hochladen aller aufgezeichneten Daten dauert in jedem Fall sehr lange. Nach Berücksichtigung der vorhergehenden Tipps sind die Daten bereits annotiert. Jetzt sollte in einem zusätzlichen Schritt festgelegt werden, welche Daten wohin übertragen werden sollen. Nicht gekennzeichnete bzw. annotierte Daten sollten nicht in teure Speicherorte hochgeladen werden, da sie später unweigerlich gelöscht oder archiviert werden.

Diese Best-Practice-Methode ist insbesondere relevant, wenn sich Teams im selben Land oder in derselben Region befinden. Sie eignet sich auch für dringende Projekte mit hoher Priorität, da nach dem Hochladen an den entsprechenden Daten gearbeitet werden kann. Es sollte außerdem sichergestellt werden, dass die Upload-Station die beteiligten Personen mit Updates zum Stations­status versorgt.

5. Zum Testen eigene »Plattform« entsprechend der Anforderungen aufbauen.
Nur durch den Aufbau eines Best-of-Breed-Partnerökosystems ist es möglich, umfassend von den verschiedenen Marktangeboten zu profitieren. Ein solches Ökosystem sollte Rechenzentrum, Hyperscaler sowie Cloud-Anbieter mit schnellem Upload für alle möglichen Anwendungsfälle ebenso umfassen wie Hard- und Softwarepartner.

Partnerschaften mit erfahrenen Un­­ternehmen stellen eine wirksame
Nutzung der vorhandenen Ressourcen sicher. Es gibt keine Universallösung: Jedes Unternehmen hat unterschied­liche Anforderungen, die häufig sogar firmenintern variieren. In Bezug auf die Testansätze gibt es jedoch bei allen Organisationen gemeinsame Ziele. Dazu zählen Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Geschwindigkeit. Je nach Anwendungsfall kommt schließlich jedes dieser Ziele zum Tragen.

Der Ansatz mancher OEMs und Tier-1-Zulieferer sieht vor, alles selbst
aufzubauen – dies ist jedoch weder nützlich noch wirtschaftlich. Unternehmen sollten sich stattdessen darauf konzentrieren, ihre Produkte zu verbessern und schneller und effizienter auf den Markt zu bringen, um sich von ihren Mitbewerbern abzuheben.


  1. 10 Best Practices für ADAS-Tests
  2. Die Tipps 6 bis 10

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