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Interview mit Dominik Obermaier, HiveMQ

»Nur wenn ich Dinge anders mache, habe ich Erfolg«

17. März 2020, 14:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

»Nur wenn ich Dinge anders mache, habe ich Erfolg«
© HiveMQ

Dominik Obermaier ist Mitgründer und CTO von HiveMQ.

Im IoT werden Millionen von Geräten miteinander vernetzt. Dazu ist eine sichere und zuverlässige Verbindung unerlässlich. Wie eine solche Verbindung gelingt, erklärt uns Dominik Obermaier im Elektronik-Interview.

Herr Obermaier, wann und wo entstand die Idee zur Gründung von HiveMQ?

Dominik Obermaier: Christian Götz und ich haben uns während des Studiums an der HAW Landshut kennengelernt, dort entstand die Idee zu HiveMQ. Zu der Zeit habe ich bereits Projekte zur Software-Entwicklung vorangetrieben. Mein Glück war es, Arlen Nipper, CTO und President von Eurotec in den USA kennenzulernen. Er hat 1999 zusammen mit Andy Stanford-Clark von IBM das MQTT-Protokoll erfunden und eingeführt.

Gleichzeitig hatten wir ein Projekt in Italien gewonnen, bei dem wir automatisch die Personenanzahl in Zügen erfassten – die Daten waren über das Internet zu übertragen. Damals begannen Unternehmen damit, Anwendungsfälle für das Internet der Dinge und die Machine-to-Machine-Kommunikation zu implementieren. Analysten sagten ein massives Vernetzungspotenzial im IoT voraus, deshalb stellten wir uns die Frage, wie das funktionieren kann, denn mit dem »Internet der Menschen« würde es nicht gehen, die Technik ist komplett verschieden.

Also haben Sie sich für das MQTT-Protokoll entschieden?

Obermaier: Wir dachten sofort an MQTT als Vernetzungstechnik – dann wurde auch noch der Standard unter einer Royalty-Free Lizenz offengelegt. So konnten wir die Technik für unser Projekt in Italien einsetzen. Im nächsten Schritt hatten wir die Idee für ein komplettes Produkt auf Basis des MQTT-Standards. Anfangs haben wir uns lediglich auf das Projektgeschäft konzentriert, ab 2013 dann unser eigenes Produkt weiterentwickelt – den HiveMQ MQTT Broker, der die schnelle, effiziente und zuverlässige Übertragung von Daten zu und von vernetzten IoT-Geräten ermöglicht.

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Mit einer Aktion können wir bis zu 10 Millionen Geräte miteinander vernetzen«

Wie sieht das Produkt aus?

Obermaier: HiveMQ ist eine Server-Software, die in der Lage ist, Millionen von IoT-Geräten mit Hilfe von MQTT miteinander zu vernetzen. Unsere Kunden installieren HiveMQ on-premise oder in einer Cloud. IoT-Geräte oder Autos tauschen dann Daten über unseren MQTT Broker bidirektional aus. Das klingt erst einmal trivial, ist jedoch sehr komplex und das Fundament für das Internet der Dinge. Egal wo ich hinsehe, sehe ich unsere Software – zu unseren Kunden zählen viele große Autohersteller. Außerdem wird HiveMQ für Industrie 4.0 eingesetzt, oder im Transportbereich, zum Beispiel um Drohnen, die medizinische Testproben liefern, zu verfolgen und zu kontrollieren.

Hive MQ Übersicht
© HiveMQ

HiveMQ ist ein MQTT-Broker und eine clientbasierte Messaging-Plattform, die für das schnelle, effiziente und zuverlässige Übertragen von Daten zu und von angeschlossenen IoT-Geräten entwickelt wurde.

Warum setzen OEMs auf HiveMQ statt auf Konkurrenzprodukte?

Obermaier: Es gibt natürlich noch andere Hersteller. In Deutschland gab es allerdings kaum Entwickler für MQTT. 2014 waren wir neben der Software AG in Deutschland die einzigen, die sich mit der Standardisierung des MQTT-Protokolls auseinandergesetzt haben. Inzwischen ist es ein ISO-Standard und hat sich in der Industrie entsprechend verbreitet. Zusammen mit Unternehmen wie IBM, derSoftware AG und Cisco haben wir an der Standardisierung von MQTT gearbeitet– dabei sind wir das kleinste Unternehmen. So haben wir uns in der DACH-Region einen Namen gemacht, die Aufmerksamkeit gesteigert und konnten wichtige Kunden für uns gewinnen.

Hinzu kommt, dass unser Produkt einige Alleinstellungsmerkmale aufweist. Mit HiveMQ lassen sich bis zu 10 Millionen Geräte gleichzeitig vernetzen. Außerdem haben wir früh erkannt, dass bei der Vernetzung die Sicherheit eine tragende Säule einnimmt, also haben wir in Sicherheits-Features und Konzepte investiert. Ein weiterer Vorteil unseres Produktes ist Flexibilität. Wir hatten zum Beispiel sehr früh eine Plug-in-Schnittstelle für unsere Software. Das ist wichtig, um Sicherheit zu gewährleisten aber auch kundenspezifische Anwendungsfälle abzubilden und einer der Gründe, warum wir große Kunden für uns gewonnen haben. Wichtig ist jedoch, den Mut zu haben zu investieren und den Weg konsequent zu verfolgen.

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1. »Nur wenn ich Dinge anders mache, habe ich Erfolg«
2. Wie hat sich MQTT weiterentwickelt?
3. Open Source und Tipps für Gründer

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