ABB-Studie

Diese Trends prägen den Robotik-Markt 2022

18. März 2022, 10:37 Uhr | Heinz Arnold
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Die Pandemie sowie sich änderndes Verbraucherverhalten werden der Robotik einen neuen Schub verleihen. Hier die wesentlichen Trends aus Sicht von ABB.

Die Nachfrage nach Robotern wächst in verschiedenen Marktsektoren kräftig. Dazu gehören die Logistik, der Handel und die Produktion von E-Autos, die kräftig Fahrt aufnimmt. Die Hersteller suchen nach neuen Wegen, um ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. 

Was bedeutet dies für die Robotik? 

»Die Corona-Krise hat die globalen Trends noch beschleunigt – von den Erschütterungen der Lieferketten über die Notwendigkeit, nachhaltig und stabil zu produzieren, bis hin zur Tatsache, dass es immer mehr an Arbeitskräften mangelt«, sagt Marc Segura, der gerade neu ernannte President der Robotics Division von ABB. »Die Technologie eröffnet in dieser Situation neue Möglichkeiten und die Roboter werden in ganz neue Gebiete vordringen, in denen sie bisher nicht Einsatz gefunden hatten.«

ABB hat auf Basis eigener Kundengespräche, Marktforschung und einer globalen Umfrage unter 250 Unternehmen aus verschiedenen Industrien die Schlüsseltrends herausgearbeitet, die den Robotermarkt 2022 prägen werden. 

Trend 1 – Die E-Auto-Revolution verändert die Automobilproduktion

Die Auto-Hersteller und die Unternehmen aus ihrem Umfeld müssen neue Lieferketten für den Bau von Elektroautos aufbauen, während gleichzeitig aber auch noch Autos mit Verbrennungsmotoren gefertigt werden. Zudem gibt es rund um die Welt unterschiedliche Regulierungen zu Einführung von E-Autos. Aud diesen Gründen werden sich sowohl die neuen als auch die etablierten Hersteller von der traditionellen linearen Fertigung verabschieden und zu flexibleren, modularen Produktionen übergehen. 

»Bei Elektrofahrzeugen geht es nicht nur um einen Wechsel im Antriebsstrang, sondern es handelt sich um eine größere Transformation in Richtung digitalisiertes Auto. Jetzt werden vermehrt die bekannten Roboter in Kombination mit Autonomous Mobile Robots (AMRs) Einsatz finden. Das erlaubt den Herstellern, die Komponenten und Teile, die verbaut werden, über ihre Werksgelände hinweg automatisiert zuzustellen und integrierbare, skalierbare und modulare Produktionszellen aufzubauen. Solche Verfahren sind aus der Herstellung von Konsumgütern bekannt, jetzt halten sie in die Automobilindustrie Einzug, um flexibel auf wechselnde Nachfragesituationen reagieren zu können. Außerdem wird die Batteriefertigung näher an die Werke rücken, in denen die Autos gebaut werden.  

Trend 2 – Der E-Commerce-Boom beschleunigt sich 

Das Verhalten der Verbraucher und ihre Erwartungshaltungen ändern sich. Folglich suchen die Produzenten von Endprodukten nach neuen Wegen, wie sie die neuen Ansprüche erfüllen können. Sie entwickeln neue Beschaffungskanäle und passen ihre Produktionslinien sowie Distributionsprozesse an – vor allem mit den Ziel, sowohl die Produkte als auch die Zustellung zu personalisieren. Dabei werden Roboter eine wichtige Rolle spielen und kommen auch dort zum Einsatz, wo vor fünf Jahren noch keiner an sie dachte. Treibende Faktoren für die fortschreitende Automatisierung sind sowohl die Consumer-Trends als auch der Arbeitskräftemangel. 

»In diesem Umfeld werden leichte und kleine Roboter benötigt, die in neue Umgebungen wie Lagerhäuser und Distributionszentren vordringen. KI macht Roboter lernfähig und sie werden neben AMRs eingesetzt. Beide orchestriert intelligente Software, was zu höherer Flexibilität höherer Geschwindigkeit und höherer Effektivität führt«, erklärt Segura. 

Trend 3 – Roboter tauchen überall auf

Das bedeutet, dass die Mitarbeiter sich neue Fertigkeiten aneignen müssen. Beispiele für kleine, erschwingliche und einfach zu nutzende Roboter sind die Cobot-Typen »YuMi«, »GoFa« and »SWIFTI«. Sie erniedrigen die Schwelle für den Einstieg in die Roboter-Welt deutlich: Jetzt investieren Unternehmen in die Technik, die das vor kurzem noch nicht gewagt hatten. Der Einsatz von Robotern wird sich nicht nur allgemein in der Industrie beschleunigen, sondern insbesondere werden KMUs vermehrt Cobots anschaffen, mit deren Hilfe sie ganz unterschiedliche Abläufe automatisieren können. 

Die Trends über 2022 hinaus 

»Blicken wir über 2022 hinaus, so sehen wir Vernetzung und die Datenbeschaffung als die Schlüsselfaktoren für künftige Produktionsumgebungen. Daten, die im Rahmen intelligenter, automatisierter Prozesse anfallen, werden analysiert, um auf Basis sehr vieler Informationen wohlbegründete Entscheidungen treffen zu können – anstatt wie bisher im Nebel zu stochern«, erklärt Segura. »Gleichzeitig werden Simulations- und Programmierungstools – wie »RobotStudio« von ABB – den kompletten Lebenszyklus der Roboter abdecken. Das beginnt schon bei der Installation eines Roboters in der Produktionslinie über Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Tools, die den Anwendern die Automatisierung vereinfachen.« 

Mit Robotern, die Seite an Seite mit Meschen arbeiten, die anfallenden Aufgaben mit ihnen teilen und die über KI lernen können, vereinfacht es den Unternehmen, intelligente Automatisierungstechniken in ganz neue Umgebungen zu bringen, von Baustellen über Labore im Gesundheitswesen bis zu Restaurants und Handel. 

Mit der weiten Verbreitung, die Roboter im Arbeitsplatzumfeld von Menschen finden, wachsen die Anforderungen an die Menschen, mit ihnen umgehen zu können. »Die Mitarbeiter müssen dafür Schulungen erhalten. Außerdem muss die Ausbildung für den Umgang mit Robotern in Schulen und Universitäten intensiviert werden«, so das Fazit von Segura. 
 


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