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Bildverarbeitungsbranche im Jahr 2021

Künstliche Intelligenz als neue Normalität

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Dr. Chris Yates, EMVA: »Ein klarer technischer Trend, der sich in der Bildverarbeitungsbranche manifestiert hat, ist die Etablierung der KI.«
© EMVA

Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr die Entwicklung der Bildverarbeitungsbranche geprägt und wird dies auch in diesem Jahr tun. Einen Aufschwung erhofft sich die Branche von der erwarteten Abschwächung der Pandemie im Jahresverlauf. Und auf der technischen Seite etabliert sich KI zusehends.

Jeder Ausblick wäre in diesem Jahr unvollständig, ohne auf die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie einzugehen. Im Blick zurück wird zunächst deutlich, dass die Auswirkungen auf die Bildverarbeitung sowohl in den anwenderseitigen Industrien als auch hinsichtlich geografischer Regionen sehr sektorspezifisch sind. Viele Unternehmen leiden unter der Pandemie, aber es entstehen auch neue Chancen und Wachstumsfelder. So hat die Pandemie den Trend hin zu mehr Automatisierungstechnik und damit zu Lösungen mit industrieller Bildverarbeitung beschleunigt. Beispielhaft sei der gestiegene Bedarf an Low-Touch- und Zero-Touch-Prozessen genannt. Andererseits adressiert die Bildverarbeitung als horizontale Technologie eben auch industrielle und nichtindustrielle Sektoren, die sehr negativ von der Pandemie getroffen werden. Unter dem Strich zeigt die vierteljährliche EMVA-Umfrage zu den Bildverarbeitungsumsätzen in und nach Europa nach drei Quartalen ein deutliches zweistelliges Minus im Vergleich zu 2019.

Während in den Sommermonaten 2020 noch positive Erwartungen an ein starkes viertes Quartal geknüpft waren, leidet Europa nun unter einer heftigen zweiten Pandemiewelle, die sich ins neue Jahr 2021 erstreckt. Die anhaltende Unsicherheit wirkt sich unweigerlich auf das kurz- und inzwischen auch mittelfristige Geschäft aus. Dennoch bleiben die langfristigen Treiber für die industrielle Bildverarbeitung und Automatisierung intakt. Auch die M&A-Aktivitäten in der Bildverarbeitungs- und Automatisierungsbranche sind im Jahr 2020 trotz des Mangels an physischen Treffen lebhaft geblieben. Ermutigend ist zudem die Aussicht, dass physische Treffen im Laufe des Jahres wieder möglich scheinen und der Termin für die Vision 2021 vom 5. bis 7. Oktober von der Branche mit Spannung erwartet wird.

Ein klarer technischer Trend, der sich in der Bildverarbeitungsbranche manifestiert hat, ist die Etablierung der künstlichen Intelligenz (KI). Die grundlegenden physikalischen und technischen Barrieren sind hier mittlerweile überwunden. Fünf der häufigsten Anwendungen, die in der Bildverarbeitungsbranche adressiert werden, sind Klassifizierung, Segmentierung, OCR, Anomalie-Erkennung und Zählen/Rückverfolgen. Für alle fünf Anwendungen bietet die KI schon Lösungen. Künstliche Intelligenz ist in der industriellen Bildverarbeitung inzwischen ein nützliches Werkzeug, das auf absehbare Zeit in vielen verschiedenen Anwendungen von bereits etablieren Bildverarbeitungs-Playern wie auch von neuen, auf KI spezialisierten Akteuren angeboten werden wird, was sich auf den Wettbewerb in der Branche auswirken kann.

Dr. Chris Yates ist President der European Machine Vision Association (EMVA).

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