Schwerpunkte

Aktuelle Markt&Technik-Umfrage

So reagiert der deutsche Mittelstand auf die Corona-Krise

24. März 2020, 11:26 Uhr   |  Engelbert Hopf

So reagiert der deutsche Mittelstand auf die Corona-Krise
© Ridvan / peterschreiber.media.

Wie passen die KMUs der Elektronikbranche ihre Produktion der Corona-Herausforderung an, wie lange können sie durchhalten – und was bringt die staatliche Unterstützung mit Krediten? Dazu hat die Markt&Technik über 20 Unternehmen befragt.

Angesichts immer noch voller Auftragsbücher und bislang keinem erkennbaren Abriss der Nachfrage läuft die Produktion bei vielen mittelständischen Unternehmen der deutschen Elektro- und Elektronikbranche bislang fast ungehindert weiter, wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik ergab. Zwar bedarf es gewisser Veränderungen im Schichtbetrieb, ein optimaler Produktionsfluss ist unter dem Eindruck der geforderten Sicherheitsabstände zwischen den einzelnen Mitarbeitern in der Produktion nicht immer gegeben, und die strikte Trennung der verschiedenen Schichten kostet auch Zeit, aber das sind Reibungsverluste, die sowohl von den Mitarbeitern, als auch den Unternehmen gerne in Kauf genommen werden.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum das Thema Kurzarbeit für die meisten Produktionen bislang kein Thema ist. Einige Unternehmen sind sogar zur Samstagarbeit übergegangen, weil der Bedarf vor allem aus dem Bereich der Medizintechnik sprunghaft nach oben gegangen ist. Batterie- und Akku-Konfektionäre, aber auch Stromversorgungshersteller werden auf diese Weise fast zu systemrelevanten Betrieben. Kurzarbeit scheint zum aktuellen Zeitpunkt wenn überhaupt vor allem für Mitarbeiter aus den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Einkauf und Buchhaltung ins Auge gefasst zu werden. Im Normalfall arbeiten diese Unternehmensbereiche bislang zum Großteil aus dem Homeoffice. Wie lange das so bleiben wird, dürfte davon abhängen, ob der aktuell geltende landesweite Shutdown nach zwei Wochen gelockert oder im schlimmsten Fall sogar noch verlängert wird.

Wie der Mittelstand mit Corona umgeht

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Dass bei vielen offenbar die Lager zu Beginn der Krise vor einigen Wochen noch gut gefüllt waren, dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass sich der strategische Einkauf vielerorts noch vor dem Chinese-New-Year mit den entsprechenden Komponenten eingedeckt hat. Auch wenn aus China die Nachricht kommt, dass die Produktion dort zur Normalität zurückkehrt, weisen doch einige der Befragten deutlich darauf hin, dass der Materialfluss aus China, und auch aus Italien bislang schleppend sei. Im Fall Italien dürfte er inzwischen ganz zum Erliegen gekommen sein, nachdem dort alle Produktionen, die nicht direkt lebenswichtige Produkte herstellen, auf Anordnung des italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte eingestellt wurden. Unter den aktuellen Bedingungen gehen viele der befragten Unternehmen davon aus, dass sie die Produktion die nächsten ein, zwei Monate auf dem aktuellen Niveau aufrecht erhalten können, einige gehen sogar soweit, dass sie bis Ende September dieses Jahres durchhalten könnten.

Die Reaktion des Mittelstands auf das verabschiedete Hilfspaket der Bundesregierung für die deutsche Wirtschaft ist überwiegend positiv. Die Eintrittsschwelle für Kurzarbeit zu senken, so die überwiegende Meinung, war ein erster guter Schritt. Entscheidend für den Erfolg des Hilfsprogramms wird sein, wie schnell der Zugriff auf das Geld möglich ist. So geben Befragte an, dass Hausbanken letzten Freitag noch keine Unterlagen für die Beantragung eines solchen Kredits hatten. Neben Krediten dürften auch Initiativen, wie in Baden-Württemberg, zur Stundung und Reduzierung von Steuern gegenüber dem jeweiligen Finanzamt gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine große Hilfe sein. Allerdings wird auch davor gewarnt, Kredite an schon vor der Krise in Bedrängnis geratene Unternehmen zu zahlen.

Die einzelnen Statements der Befragten mit weiteren interessanten Details haben wir in einer Bildergalerie zusammengestellt.

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