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Interview zur EMV 2021

»Special Interest Events werden nichts an Relevanz einbüßen«

22. März 2021, 14:00 Uhr   |  Nicole Wörner

»Special Interest Events werden nichts an Relevanz einbüßen«
© Mesago

Anthula Parashoudi, Mesago: »Auf unserer Agenda steht, die EMV langfristig als ganzjährige Anlaufstelle rund um das Thema elektromagnetische Verträglichkeit zu etablieren.«

Die Fachmesse EMV – im Jahreswechsel begleitet von Kongress respektive Workshops – findet in diesem Jahr rein digital statt. Was bedeutet das für diese Special-Interest-Veranstaltung? Anthula Parashoudi, Vice President Mesago Messe Frankfurt GmbH, über Beweggründe, Chancen und Pläne.

Markt&Technik: Frau Parashoudi, nachdem die EMV 2020 Corona-bedingt komplett abgesagt werden musste, haben Sie sich in diesem Jahr zu einem digitalen Format entschieden. Was hat Sie dazu bewogen?

Anthula Parashoudi: Wir haben bereits 2020 den zur EMV-Fachmesse gehörenden Kongress kurzerhand in weniger als acht Wochen digital umgesetzt. Die Rückmeldungen der EMV-Branche fielen sehr positiv aus, knapp 500 Personen haben teilgenommen. An diesen Erfolg wollen wir anknüpfen und in diesem Jahr nicht nur die Workshops online abbilden, sondern auch unseren Ausstellern und Messebesuchern Raum geben, sich gezielt auszutauschen.

Wäre eine erneute Absage eine Option gewesen?

Als Veranstalter sehen wir es als unsere Aufgabe, der EMV-Industrie und -Wissenschaft die Plattform für Weiterbildung und Networking zu schaffen, die sich die Branche wünscht. Eine Absage der EMV wäre demnach trotz veränderter Rahmenbedingungen keine Option gewesen.

Wie waren die Reaktionen der Aussteller auf diese Entscheidung?

Die Aussteller befürworteten die Entscheidung, die EMV digital umzusetzen; immerhin fanden seit Ende 2019 kaum Präsenzveranstaltungen innerhalb der Branche statt. Das Marketing- und Sales-Instrument der Messe entfällt somit gänzlich. EMV-Anbieter begrüßen Alternativen, um trotz allem Kontakte pflegen und das eigene Portfolio einem qualifizierten Publikum ohne Streuverluste präsentieren zu können.

Wie sehen die Ausstellerzahlen im Vergleich zu einer Präsenzveranstaltung aus?

Grundsätzlich kann man eine Präsenzveranstaltung nicht mit einem digitalen Event vergleichen, weil hier unterschiedliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten greifen. Die klassische Messe lebt vom persönlichen Austausch, das ist digital nicht möglich. Hingegen kann man sich im Rahmen von Online Events Funktionen wie etwa das intelligente Matchmaking oder das Speeddating zunutze machen, um das Netzwerken einfach und unkompliziert zu gestalten. Insgesamt freuen wir uns über rund 40 ausstellende Firmen und Partner, die sich an der „EMV goes digital“ beteiligen.

Sind die Aussteller die gleichen oder haben Sie vielleicht sogar neue Aussteller bzw. Schwerpunkte gefunden, die bei einer normalen Messe nicht gekommen wären?

Die EMV deckt – online wie auch offline – das gesamte Spektrum der elektromagnetischen Verträglichkeit ab, von A wie Antenne bis Z wie Zertifizierung. Wir freuen uns, neben langjährigen Ausstellern wie etwa Gauss Instruments, Soliani EMC oder EMC Test NRW auch neue Gesichter willkommen heißen zu können. Unter den Neulingen ist unter anderem Schaeffler Engineering, die sich selbst als Engineering-Dienstleister mit Fokus auf mechatronische Systementwicklung im Antriebsstrang verstehen. Außerdem erstmals dabei: FibreCoat, ein Startup der RWTH Aachen, das Hochleitungsverbundfasern mithilfe einer hochproduktiven patentierten Spinntechnologie herstellt und mehrfach prämiert wurde.

Die diesjährige EMV ist von einem breiten Workshop-Programm begleitet. Ist das Online-Format hier praktikabel? Wie stellen sich die Referenten- und Teilnehmerzahlen dar?

Keynotes, Workshops und ähnliche Formate lassen sich gut in die digitale Welt übersetzen, wie sich bereits im letzten Jahr gezeigt hat: Der Kongress, aber auch einzelne Sessions der EMV-Seminare wurden digital erfolgreich ausgetragen. Lee Hill beispielsweise referierte aus seinem erstklassig eingerichteten Studio in den USA und nutzte unterschiedliche Kameraeinstellungen, um den Seminarteilnehmern Inhalte und Demonstrationen möglichst praxisnah zu veranschaulichen. Zeigt ein Referent solch Engagement, übertrifft dies bei Weitem das Niveau gängiger Online-Präsentationen. Das Interesse und die Bereitschaft der Referenten sind groß: Von den ursprünglich geplanten 36 Workshops können wir 33 anbieten. Wie die Teilnehmerzahlen ausfallen, wird sich nach der EMV zeigen.

Sehen Sie mittlerweile eine Tendenz, dass digitale Kongress- und Vortragsveranstaltungen vielleicht sogar schon beliebter sind als Präsenzveranstaltungen? Immerhin entfallen zeit- und kostenintensive Reisen, und wir alle haben uns bereits an das digitale Format gewöhnt.

Digitale Formate haben ihre Besonderheiten und Vorteile, unter anderem die von Ihnen erwähnten Kosten- und Zeiteinsparungen. Nichtsdestotrotz spüren wir in Gesprächen ganz deutlich, dass der Wunsch nach persönlichem Austausch vorhanden ist und immer größer wird. Auch der Überfluss an digitalen Angeboten, mit dem wir tagtäglich privat wie auch beruflich konfrontiert werden, verstärkt das Interesse an Präsenz-Events, sei es nun eine Fachmesse oder ein Kongress. Immerhin ist ein Veranstaltungsbesuch auch immer ein Erlebnis, geprägt von Technik zum Anfassen, dem abendlichen Get Together in lockerer Runde und vielem mehr.

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2. Die Verluste eines Veranstalters und die Zukunft der EMV

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