Interview mit Boris Adlung, Rigol

»Der Bedarf an HF-Signalgenerierung wächst immens«

10. November 2022, 13:51 Uhr | Nicole Wörner
Boris Adlung, Rigol: »Bei den Multikanal-Mikrowellengeneratoren DSG5000 handelt es sich um ein technisches Meisterwerk der Ingenieurskunst.«
Boris Adlung, Rigol: »Bei den Multikanal-Mikrowellengeneratoren DSG5000 handelt es sich um ein technisches Meisterwerk der Ingenieurskunst.«
© Rigol Technologies

Die Multikanal-Mikrowellengeneratoren der Serie DSG5000 von Rigol für Frequenzen bis 20 GHz feiern auf der electronica ihre Premiere. Welchen Stellenwert sie für das Unternehmen haben und wie sie sich in die Strategie von Rigol einfügen, erklärt Boris Adlung von Rigol.

Markt&Technik: Herr Adlung, wie fügt sich die neue Produktreihe in Ihr Portfolio ein?

Boris Adlung: Die DSG5000-Serie versteht sich als Produkterweiterung, weil wir bisher in diesen Frequenzbereichen noch keine Mehrkanalanwendung hatten. Durch neue Funktionen wie die analogen Modulationen oder Puls-/Pulstrain-Erzeugung und die sehr hohe Phasenstabilität zwischen den Kanälen ist das Gerät sehr vielseitig für eine hohe Anzahl an Mikrowellenanwendungen einsetzbar.

Welche Märkte, welche Anwendungen adressieren Sie mit den DSG5000-Generatoren?

Die Geräte sind für Mikrowellenanwendungen wie Multiple-Antennenapplikationen (MIMO) oder im Bereich EMV für Stresstests einsetzbar. Sie können aber auch – gerade in Kombination mit unserem neuen Multifunktionsgenerator DG70004 – im Bereich Quantencomputing eingesetzt werden. Hier könnte als Beispiel die IQ-Bandbreite vom DG7 kommen und mittels des DSG5000 und einem externen Mischer auf den gewünschten Hochfrequenzträger gebracht werden, um die Quanten wie gewünscht zu beeinflussen. Auf der Messseite kann das Signal genauso wieder mit dem DSG5000 heruntergemischt werden, um die Position des Quanten mit dem 5-GHz-Oszilloskop DS70504 zu vermessen.

Die Geräte sind in 2U-Rack-Bauweise realisiert. Warum nicht als „Box“?

Ziel war es, eine kompakte Baueinheit zu entwickeln, die sich optimal in Schaltschränke integrieren lässt. Dadurch, dass die Kanalanzahl durch Gerätesynchronisation auch erhöht werden kann – also auf mehr als acht Kanäle – ist nur so eine platzsparende Installation möglich. Wir haben die Bauform so gewählt, dass die beste Performance mit dieser Spezifikation erreicht werden konnte.

Sie erwähnten bereits das Quantencomputing. Wie schätzen Sie das Potential für Messtechnik in diesem Anwendungsbereich ein? Und wie ist hier die Wettbewerbssituation?

Das Potential schätzen wir als sehr hoch und wachsend ein. Während vor einigen Jahren nur die vier großen Player in diesem Bereich forschten, ist die Umsetzung längst nicht mehr unmöglich für andere Entwicklungslabore. So entstehen immer mehr Forschungen in diesem Bereich. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der Quanten, die bisher realisierbar sind, noch relativ klein – aber stetig wachsend. Entsprechend werden mehr Messkanäle und Messgeräte benötigt. Es gibt bereits Mitbewerber, die auch Komplettlösungen anbieten. Unser Ansatz geht aber dahin, dass Anwender den Messaufbau mit den oben erwähnten Geräten individuell aufbauen können, um so die größtmögliche Flexibilität zu erhalten.

Über die neuen Mikrowellengeneratoren hinaus hat Rigol in diesem Jahr eine ganze Reihe neuer Produkte vorgestellt, unter anderem Power Supplies, mehrere Oszilloskop-Serien und einen HF-Tastkopf. Welches war aus Ihrer Sicht das Highlight?

Mein persönliches Highlight sind die Multikanal-Mikrowellengeneratoren DSG5000, weil es sich hier um ein technisches Meisterwerk der Ingenieurskunst handelt. Aber auch die neuen 12-bit-Oszilloskopserien HDO1000 und HDO4000 sind wirklich richtig tolle Produkte, die eine sehr hohe Performance bieten und viel Spaß machen. Ein DC-Netzteil wie das DP2000 hatten wir so auch noch nicht im Angebot, insofern stellt es mit seinen erweiterten Funktionen und der hohen Geschwindigkeit eine schöne Erweiterung in unserem Produktportfolio dar.

High-Performance-Produkte sind oft etwas erklärungsbedürftiger. Denken Sie für die Zukunft über Direktvertrieb nach?

Wir starteten bereits mit Direktvertrieb. Zum Beispiel haben wir schon Country Manager in Frankreich und Italien eingestellt. Außerdem haben wir das E-Commerce Team in unserem Büro aufgestockt. Diesen Weg werden wir konstant weitergehen, um uns vielfältig mit Distributoren- und Direktvertrieb breiter aufzustellen.

Abschließend die in diesen Zeiten unumgängliche Frage nach den Lieferketten. Wie ist die Situation bei Rigol derzeit und mit welchen Strategien gehen Sie in die nächsten Monate?

Wir sehen zumindest mal ein Licht am Ende des Tunnels. Unsere Hoffnung ist, dass sich die Situation 2023 etwas verbessern wird. Wir haben in Europa ein großes Lager und konnten bzw. können diese Engpässe weitgehend abfedern. Die Strategie liegt darin, dass wir den Fokus auf einige wenige Produkte einer besonders betroffenen Serie legen, damit wir lieferfähig bleiben und Alternativen anbieten können. (nw) n

Die Fragen stellte Nicole Wörner.

Rigol auf der electronica 2022: Halle A3, Stand 231

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