Gehalt »Corona ist die neue Killerphrase«

Claudia Kimich ist Expertin für Verhandlungen: »Corona ist die neue Killer-Phrase«. 
Claudia Kimich ist Expertin für Verhandlungen: »Corona ist die neue Killerphrase«. 

Jetzt während der Coronakrise ist nicht die Zeit für Gehaltsverhandlungen. Oder etwa doch? Verhandlungsexpertin Claudia Kimich hält Corona für die neue Killerphrase. Nicht Corona sei das Argument, sondern allein die persönliche Leistung.

Die Wirtschaft ächzt unter der Rezession, Millionen sind in Kurzarbeit, die Aussichten? Düster. Da ist die Frage nach einer Gehaltserhöhung doch fast ein wenig unmoralisch, oder etwa nicht? Kommt ganz darauf an, aus welcher Perspektive man es betrachtet. 

Mitarbeiter bei Profiteuren wie Amazon, Netflix oder auch SAP, die gerade gute Zahlen präsentiert hat, dürften sich kaum über zu wenig Arbeit beklagen, Medizintechnik-Unternehmen fahren ebenfalls Sonderschichten. Und selbst die gebeutelte Automobilindustrie lässt ihre Entwicklungsabteilungen unangetastet, schließlich werden hier die Fahrzeugkonzepte für die Zeit nach der Krise entworfen. 

Verhandlungsspezialistin Claudia Kimich registriert sie gleichwohl, die »Corona-Peitsche«: »Sie dient gerade als Rausschmeißer Nummer eins und hat es in die Riege der Killerphrasen geschafft, mit denen Vorgesetzte etwaige Forderungen ihrer Mitarbeiter gerne im Keim ersticken«. 

Dabei sei der Verweis auf Corona genauso unsinnig wie der Verweis des Bittstellers, »dass ja auch alles teurer und/oder schwieriger geworden« sei. »Das einzige, das für das Gehaltsgespräch zählt, ist die persönliche Leistung und ihr Wert für das Unternehmen. Und somit gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig für Ihren Arbeitgeber«, erklärt Kimich. 

Sichtbar sein und Erfolge (mit-)teilen

Punkten können Mitarbeiter also gerade jetzt mit realisierten Einsparungen, Erfindungen und Patenten, Neukunden oder (Groß-)Aufträgen. »Leistung gegen Geld - an dieser Formel hat sich ja nichts geändert - Corona hin oder her«, macht Kimich Mut.

Wie auch zu »normalen Zeiten« sollten Angestellte ihre Erfolge stets dokumentieren und parat haben. »Gerade jetzt und angesichts der Gefahr, vom Chef einfach abgebügelt zu werden: Sie müssen umso besser vorbereitet sein!«, empfiehlt Kimich. »Haken Sie nach: Fragen Sie den Chef zum Beispiel, was es ihm wert wäre, einen bestimmten Betrag X einsparen zu können. Und präsentieren Sie dann Ihren Erfolg«. Wichtig: die Argumente müssen sitzen, also stichhaltig sein. 

Warum kommen dann dennoch die wenigsten auf die Idee, gerade jetzt mehr Geld zu fordern? »Weil viele derzeit einfach Angst haben«, vermutet die Beraterin, etwa vor Kündigungen. Und Angst sei nicht gerade förderlich, schon gar nicht, wenn man in Auseinandersetzungen wie Verhandlungen gehen wolle, erklärt sie, »Ängste entscheiden mit«. Sie empfiehlt daher ihren Klienten, Gefühle von Angst zuerst anzugehen. In sich hineinzuhorchen und das diffuse Gefühl genau zu identifizieren. 

Ihr sei kein einziger Fall bekannt, bei dem jemand seinen Job verloren habe, nur weil er oder sie mehr Geld gefordert habe, beruhigt Kimich. »Das einzige, das Ihnen passieren könnte, ist, dass Sie damit Erfolg haben!«

Gehaltserhöhungen seien gleichwohl derzeit schwerer zu erlangen als beispielsweise Prämien oder Boni, stellt Kimich klar,  »das liegt daran, dass die Unternehmen die Personalkosten so niedrig wie möglich halten wollen.« 

Stattdessen könne man auch nach geldwerten Vorteilen wie etwa Zuschüssen zur Kinderbetreuung fragen, vor allem wenn sich abzeichnet, dass der der jetzige Zustand mit geschlossen Schulen und Kitas noch länger andauern könnte. »Kreative, innovative Ideen mit Mehrwert für beide Seiten - das ist das Ideal«, so Kimich. 

Und wenn nicht monetär, so könne man vielleicht alternative Vorteile für sich aushandeln: »Das Homeoffice etwa wird aus der Krise als Gewinner hervorgehen«, glaubt Kimich. Wer hier für sich Zugeständnisse erreichen wolle, sollte allerdings lieber nicht zu pauschal fordern, sonst sei die Gefahr groß, abgeschmettert zu werden: »Zwei Tage die Woche zu genehmigen fällt kritischen Vorgesetzten leichter, als pauschal 100 Prozent.«