Elektroniknet Logo

Headhunter

Die häufigsten Fragen drehen sich immer noch ums Gehalt

page
Stefan Hoitz, Director bei der Personalberatung Michael Page.
© PageGroup

Wie wirken sich der Auftragsboom und die zahlreichen offenen Stellen in der Elektronik auf die Gehälter aus? Wir fragten nach bei Stefan Hoitz, Director bei Michael Page.

Herr Hoitz, sind die Unternehmen bereit, für Spezialisten tiefer in die Tasche zu greifen? Gibt es gar Positionen, wo die Gehälter »nach oben offen«?  In letzter Zeit hört man von sehr ordentlichen Gehaltssprüngen bei Jobwechslern.
Stefan Hoitz: Grundsätzlich ja. Je spezialisierter eine Position, desto größer ist die Nachfrage und desto geringer das Angebot an Kandidaten. Unternehmen sind dann bereit, ein höheres Gehalt zu zahlen oder auch zusätzliche Extraleistungen anzubieten. Mittlerweile ist es tatsächlich so, dass wir von einem Kandidatenmarkt sprechen. Ein guter Kandidat kann sich heute aussuchen, in welchem Unternehmen  er arbeitet. Der Kandidat bewirbt sich heute nicht mehr beim Unternehmen, sondern Unternehmen bewerben sich beim Kandidaten. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert.

Worauf achten Bewerber Ihrer Erfahrung nach?
Die häufigsten Fragen im Rekrutierungsprozess sind immer noch das Gehalt und mögliche Boni. Ein PKW ist ebenfalls ein großes Thema, gerade je höher die Position ist. Außerdem sind Benefits wie Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeit aber auch betriebliche Altersvorsorge wichtig. Sehr großen Wert legen die Kandidaten auf die Atmosphäre, die man erlebt, wenn man in den Gesprächen beim Unternehmen vor Ort ist – das ist nach wie vor das Kriterium, wonach sich Bewerber für ein Unternehmen entscheiden oder eben nicht.

Welchen Einfluss hat das jeweilige Gehaltsgefüge einer Firma und wie lösen Unternehmen das Dilemma zwischen Gehaltsgefüge und Erwartungen der wechselwilligen Spezialisten?
Die Gehälter haben sich in den letzten Jahren sehr nach oben entwickelt – auch bedingt durch die Knappheit der entsprechenden Fachkräfte. Wie üblich in der freien Marktwirtschaft bestimmt das Angebot die Nachfrage.  Je spezialisierter, desto schwieriger ist es für die Unternehmen, geeignete Fachkräfte zu finden. Es gibt auch einige Unternehmen, die mit Sicherheit bis zu zwölf Monate die jeweilige Position nicht besetzen können. Deswegen sind manche Unternehmen bereit ihr Gehaltsgefüge auszureizen, um Mitarbeiter zu halten. In den meisten Fällen ist das Gehalt jedoch nicht der Hauptwechselgrund, sondern eher Faktoren wie die Beziehung zum Vorgesetzten, fehlende Perspektiven, die Unternehmenskultur oder auch die Atmosphäre vor Ort.

Wo registrieren Sie denn als Personalberatung besonders viele offene Stellen derzeit?
Viele Unternehmen sind dabei, stärker zu automatisieren und ihre Produktionslinien und Prozesse zu digitalisieren. Gesucht werden vor allem Positionen im Bereich Software- und Hardwareentwicklung sowie im System Engineering, also im Bereich des sogenannten Embedded Engineering. Ein weiteres Thema sind die großen Datencenter, die an vielen Orten entstehen. Klima- und Kältetechniker werden dort u.a. sehr stark gesucht und sind gefragte Berufszweige.

An welche Besetzung in jüngster Zeit erinnern Sie sich, in der ein wirkliches Spitzengehalt vereinbart worden war?
Vor kurzem habe ich einen Reliability Engineer vermittelt, der 25 Prozent mehr Gehalt aushandeln konnte als ursprünglich vom Unternehmen budgetiert. Der Kandidat kannte seinen Marktwert und das Unternehmen stand unter Zeitdruck, da es sich um eine sehr spezielle Funktion handelte.

(Fragen: Corinne Schindlbeck)

 


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Michael Page International