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Fachkräftemangel und Gehalt

Warum ist Lohnzuwachs ungleich verteilt?

07. Januar 2021, 10:02 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Warum ist Lohnzuwachs ungleich verteilt?
© Bild: Adobe Stock

Seit 2013 ist das Gehalt in Fachkräftemangel-Berufe gestiegen – vor allem bei den Hochqualifizierten. Die Lohnentwicklung passe aber nicht immer zur Fachkräftesituation, so das Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das eine Studie dazu vorgelegt hat.

Sei ein Gut knapp, steige dessen Preis – das gelte auch für Löhne und Gehälter, meldet das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) und zieht als Beleg Daten der Bundesagentur für Arbeit heran: Je höher der Fachkräftemangel, desto stärker seien die Löhne in den vergangenen Jahren gestiegen. Beispiel gelernte Altenpfleger*innen: Verdienten diese 2013 noch 2.440 Euro, waren es 2019 bereits 3.032 Euro.

Nicht alle Lohnerhöhungen gehen auf den Fachkräftemangel zurück. Zwischen 2013 und 2019 stiegen die Löhne um durchschnittlich 2,4 Prozent jährlich. Aber in Berufen, in denen Fachkräfte fehlen, stiegen die Löhne jährlich um 0,61 Prozentpunkte mehr als in Berufen mit ausreichend Personal.

Vor allem Hochqualifizierte konnten davon profitieren.

Fachkräfte in Ausbildungsberufen verdienten zwar auch mehr, konnten den Fachkräftemangel in ihrem Beruf im Schnitt aber nicht in gleicher Weise in höhere Löhne ummünzen. 

Woran liegt das? Das IW sieht einen Grund dafür in geringerer Mobilität. “Ein Grund für diesen Befund ist, dass Hochqualifizierte mobiler sind. Sie sind eher bereit, für eine gutbezahlte Stelle umzuziehen. Das stärkt ihre Verhandlungsposition.", sagt IW-Bildungsexperte Alexander Burstedde.

Besonders knapp waren 2013 Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung, Sanitär-Fachkräfte, Kranken- und Altenpfleger oder Straßenbauer. In sieben der zehn Berufe mit dem größten Fachkräftemangel lag der Lohnzuwachs zwischen 2013 und 2019 entsprechend deutlich über dem Durchschnitt von rund 15 Prozent. Altenpfleger verdienten 2019 immerhin 24 Prozent mehr als 2013, Straßenbauer 19 Prozent und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung 18 Prozent.

Allerdings wurden in einigen Berufen die Löhne auch kräftig erhöht, ohne dass Fachkräfteengpässe bestanden. So stiegen beispielsweise die Löhne von Fußpflegern, Kosmetikfachkräften und angestellten Zahnärzten um jeweils rund 30 Prozent. Andersherum gab es auch Berufe, in denen die Löhne trotz Fachkräftemangels nur unterdurchschnittlich stiegen – so bei Brandschutzfachkräften und Lokführern.

"Die Lohnentwicklung passt also nicht immer zur Fachkräftesituation", sagt Alexander Burstedde. "Die betriebliche Lohnfindung sollte sich deshalb stärker an Engpässen orientieren."

In Berufen, die von (hoch)komplexen Tätigkeiten geprägt sind, reagieren die Löhne laut IW deutlich stärker auf Knappheiten als in Berufen des mittleren Anforderungsniveaus.

Der Fachkräftemangel sei jedoch nur einer von vielen Einflussfaktoren auf die Lohnhöhe. Die Lohnsetzung erfolge nicht völlig frei, sondern sei durch die Produktivität der Arbeitnehmer und durch die Zahlungsbereitschaft der Kunden für Güter und Dienstleistungen “begrenzt”.

Auch würden Löhne häufig nicht individuell verhandelt, sondern tariflich geregelt sowie von einer gewachsenen Sozialpartnerschaft getragen. Damit sich Löhne mehr an Knappheiten ausrichten können, müssten diese in Tarifverhandlungen stärker berücksichtigt werden, so die Forscher.

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