AMD-Module beleben das Embedded-Geschäft »Die Kunden fragen sich, wer den besten Draht zu AMD hat«

Das COM-Express-Typ-6-Modul von Advantech mit AMDs Ryzen-V1000-Embedded-Prozessor bietet optional auch CAN-Bus und ist über den iManager auch Cloud-fähig.

AMDs Ryzen-V1000-Embedded-Prozessortechnologie mischt den Embedded-Computing-Markt auf. Claus Giebert, Business Development Manager für Module bei Advantech, freut sich über diesen neuen Wind, denn Wettbewerb belebt das Geschäft.

Markt&Technik: Die neuen Embedded-Prozessoren von AMD bringen etwas mehr Vielfalt ins x86-Ökosystem. Was macht sie so attraktiv?

Claus Giebert: AMD hat es geschafft, die in letzter Zeit vergleichsweise kleinen Leistungssprünge im x86-Markt zu durchbrechen und nach langer Zeit mal wieder einen echten neuen Meilenstein-Prozessor zu launchen, der satte Leistungsvorteile gegenüber den Vorgängergenerationen bietet. Damit hat der AMD-Ryzen-V1000-Embedded-Prozessor auch im direkten Wettbewerbsvergleich die Nase vorn. Das rüttelt den Markt auf und die Karten werden ein Stück weit neu gemischt.

Was sind die herausragenden Leistungsmerkmale des Ryzen V1000?

Dieser Hochleistungsprozessor, der CPU und GPU auf einer APU integriert, ermöglicht es Kunden, Produkte zu entwickeln, die eine erstklassige visuelle Oberfläche auf bis zu vier unabhängig angesteuerten 4K-Displays ermöglicht. Die integrierte AMD-Radeon-Vega-Grafik unterstützt sogar 8K-Displays über den zweiten DisplayPort. Geboten werden zudem auch wirklich umfassende Videodecodier- und Encodierungsfunktionen. Hier haperte es bislang insbesondere bei der H.265-Encodierung. Bei der Performance pro Watt ist AMD zudem aktueller Spitzenreiter und dank der hohen Skalierbarkeit der APU-Rechenleistung von 12 bis 54 W können Entwickler die Effizienz ihrer Systeme deutlich erhöhen.

Bei der Rechenleistung kommt beispielsweise die integrierte AMD-Vega-GPU rechnerisch auf 3,6 TFLOPs bei 16-bit-Fließkommaberechnungen mit einfacher Genauigkeit – ein Wert, der vor wenigen Jahren nur von Grafikkarten mit deutlich mehr als 100 W Verlustleistung erreicht wurde. Auch können OEMs mit dieser Prozessorgeneration eine noch größere Anzahl unterschiedlicher Applikationen bedienen, was die Effizienz der Entwicklung weiter steigert. Ein Trumpf von AMD ist zudem auch der wirklich gute OpenCL-Support – beispielsweise für den neuen OpenCL-2.2-Standard, der im Mai 2017 verabschiedet wurde und der mit der in OpenCL unterstützten C++-Kernel-Language das Schreiben parallel arbeitender Programme deutlich erleichtert.

Woher kommen die Nachfragen?

Da Computer-on-Modules in nahezu jeder Branche Anwendung finden, weil sie unter anderem die NRE-Kosten reduzieren, Design-in-Risiken minimieren und die Time-to-Market verkürzen, kommen Nachfragen aus vielen Segmenten. Großen Absatzkanäle finden sich beispielsweise in Märkten wie anspruchsvollen Casino- und Arcade-Spielen, im Bereich Digital Signage, der Medizintechnik sowie in industriellen Steuerungen und der Automatisierungstechnik. Es gibt sogar Thin-Client-Plattformen, die eine hervorragende Grafik fordern, oder auch Headless-Lösungen für Kommunikationsinfrastrukturen, die auf die neue AMD-Ryzen-Technologie setzen, weil sie das leistungsfähige Parallel-Processing der GPU nutzen wollen. Gleiches gilt auch für Applikationen mit KI, also künstlicher Intelligenz. An diesen drei letzten Beispielen erkennt man die enorme Bandbreite des Einsatzfeldes dieser neuen Prozessortechnologie. Und weil sie so attraktiv ist, gibt es auch eine erhöhte Wechselbereitschaft bei den Kunden. Dies meine ich nicht nur in Bezug auf die Prozessortechnologie, sondern auch hinsichtlich des Embedded-Computing-Lieferanten.

Worin sehen Sie die Wechselbereitschaft begründet?

Es ist – glaube ich – berechtigt zu fragen, ob ein AMD-basiertes Projekt gut beim bisherigen Modulhersteller aufgehoben ist. Es bedarf ja letztlich immer einer spezifischen Prozessorkenntnis. Ansonsten sind die Module vom physikalischen Footprint her ja überall gleich. Sie fragen sich also: Wer hat nun den besten Draht zu AMD? Wer hat deshalb den Prozessor am besten im Griff? Und wer kann die neuen Module deshalb auch am schnellsten liefern? Wer kann mir letztlich damit von Seiten der Services am besten helfen? Deshalb suchen Kunden mancher Embedded-Computing-Lieferanten deutlich häufiger als sonst nach alternativen Antworten. Dies deshalb, weil sich manche Hersteller bisweilen wie Jünger oder Propheten einzelner Prozessorhersteller verhalten und selbst heute noch die höchst leistungsfähige AMD-Technologie nur halbherzig oder sogar gar nicht unterstützen.

Embedded-Computing-Hersteller sollten aber idealerweise in der Lage sein, ihre Kunden in Bezug auf jeden relevanten Prozessorhersteller unabhängig und umfassend beraten können. Auch sollte es keinen Servicebruch geben, wenn ein Kunde den Prozessorhersteller wechseln will. Er muss sicher sein, dass er gleichbleibend guten Support erhält. Als weltweiter Marktführer im Bereich des Embedded Computings fällt uns das natürlich leichter, da wir von Haus aus alle Plattformen – auch ARM-Technologien – unterstützen. Dadurch haben wir auch eine breitere Kundenbasis und hervorragende Beziehungen zu wirklich allen wichtigen Halbleiterherstellern und damit selbstverständlich auch zu AMD, deren Embedded-Prozessoren wir seit vielen Jahren im Markt auf Boards und Modulen sowie auch Systemen vermarkten.