Renault-Nissan-Mitsubishi Die Schlacht hat begonnen

Das Management von Nissan tritt heute zusammen, um über die Folgen der Affäre zu beraten.
Die Chefs von Nissan, Renault und Mitsubishi haben heute beraten - und »bleiben der Allianz uneingeschränkt verbunden.«

Zu große Machtkonzentration in einer Person: Deshalb wollte Nissan die Gewichte innerhalb der Allianz verschieben. Vorläufig verschiebt sich nichts.

Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Konferenz zwischen den Chefs von Renault, Nissan und Mitsubishi, die heute stattgefunden hat. »Wir bleiben der Allianz uneingeschränkt verbunden. Sie war über die vergangenen zwei Dekaden sehr erfolgreich«, haben die drei Partner gemeinsam bekannt gegeben.

Ist der Sturz Ghosns tatsächlich nur auf eigenes Verschulden wegen des laxen Umgangs mit Firmengeld zurückzuführen? Oder war die Verhaftung Ghosns ein Komplott und wer steckt dahinter? Hatte Nissan befürchtet, von Renault übernommen zu werden und insgeheim Material gegen Ghosn gesammelt, um ihn zu stürzen, wie dann tatsächlich geschehen? War eine Übernahme tatsächlich geplant? Wollte der französische Staat den Status quo der Allianz über einen Kauf durch Renault zementieren? War Ghosn den Japanern zu französisch und der französischen Regierung zu japanisch? Saß er zum Schluss zwischen allen Stühlen?

Die Zukunft der Allianz

Die wichtigste Frage im Moment dürfte aber sein: Welche Zukunft hat die Allianz? Kann nach Ghosns Sturz alles weiter wie bisher gehen?

Das hatte vor kurzem noch anders ausgesehen. Nissan wollte die als unausgewogen betrachtete Struktur ändern, die 1999 gebildet worden war. Damals hatte Renault die strauchelnde Nissan gerettet. Seit dem aber hat sich einiges geändert. Nissan ist erfolgreich und trägt die Hälfte zum Gewinn bei. Mit 68.000 Patenten hat Nissan mehr doppelt so viele gesammelt wie Renault. Trotzdem hat Nissan mit einem Anteil von 15 Prozent an Renault keine Stimmrechte, während Renault mit 43 Prozent an Nissan viel Einfluss ausüben kann. Dazu kommt der staatliche Anteil von 15 Prozent an Renault (entsprechend der »Loi Florange« erhält der Staat damit Stimmrechtsanteile, die dem doppelten des eigentlichen Anteils von 15 Prozent entsprechen). Also kommen staatliche Interessen seitens Frankreichs auch noch ins Spiel. Die Regierung ist derzeit in Frankreich in einer Position, in der ihr daran gelegen sein dürfte, sich als Garant für High-Tech-Arbeitsplätze zu zeigen und nicht in den Ruf zu kommen, Perlen der eigenen Industrie ans Ausland zu verkaufen und französische Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen.

Der französische Staat wollte über die vergangenen Jahre seinen Einfluss sogar noch vergrößern. Da klingelten bei Carlos Ghosn die Alarmglocken. Er wusste, dass Nissan alles andere wollte, als den Einfluss Frankreichs noch gestärkt sehen. Er setzte alles daran, in Japan nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, dass Frankreich zu sehr dominieren wolle. Damit hatte er schon den Unwillen Macrons erregt, als er noch Finanzminister war. Und auch als Präsident wollt Macron die Allianz im aktuellen Zustand in feste Formen gegossen sehen. Dass Ghosn seinen ehemaligen Vertrauten Heirito Saikawa zum CEO von Nissan gemacht hatte, betrachtete die französische Regierung wohl mit wenig Vergnügen. Wollte der Chef von Renault die Japanisierung Nissans vorantreiben? Ghosn argumentierte seinerseits gerne aus Sicht der Aktionäre, worauf Macron öffentlich darauf aufmerksam machte, dass Ghosn CEO sei und kein Aktionär. Macron wollte zuvörderst verhindern, den staatlichen Einfluss Frankreich in der Allianz zu schwächen.

Die Interessen von Nissan dürften genau entgegengesetzt gewesen sein: Den Einfluss des französischen Staates zurückzudrängen und das eigene Gewicht innerhalb der Allianz zu stärken. Aus Sicht der französischen Regierung hatte sich der Schwerpunkt schon 2016 mit der Aufnahme von Mitsubishi Motors in die Allianz etwas nach Japan verschoben.

Dennoch und trotz der Übergabe der Nissan-Führung an Heirito Saikawa hegte das Management von Nissan offenbar große Befürchtungen, dass Ghosn doch mehr auf der Seite Frankreichs stehen könnte und insgeheim die Übernahme Nissans durch Renault plane. Das galt es also aus Sicht Nissans zu verhindern.

Offenbar ist Frankreich derzeit noch überzeugt davon, dass die Allianz ohne Ghosn nicht funktionieren kann. Weshalb Frankreich weiter an Ghosn festhält. In Frankreich würde die Regierung der Öffentlichkeit auch kaum vermitteln können, Nissan die Führung in der Allianz zu überlassen, in der Renault nur noch der kleinere Partner wäre. Denn dann stünden unter Umständen sogar Arbeitsplätze von Renault in Frankreich auf dem Spiel.

Wie sehen die Optionen nun aus?

Trotz der Bekenntnisse zur Allianz, die die drei Partner heute abgaben, dürfte im Hintergrund weiter verhandelt werden.

Falls der Anteil von Renault an Nissan unter 40 Prozent fallen sollte, könnte Nissan stimmberechtigt an Renault werden. Denn nach französischem Gesetz verliert ein Partner das Stimmrecht, sobald der Stärkere über 40 Prozent am Unternehmen hält. Wenn Nissan den Anteil von derzeit 15 Prozent an Renault auf 25 Prozent erhöhen könnte, dann würde Renault seine Stimmrechte bei Nissan nach japanischem Gesetz verlieren. Alles das könnte aber Frankreich nicht gefallen. Aber die Schlacht hat ja gerade erst begonnen.