Schule und Pisa

»Ich würde den Mathematik-Unterricht informatischer machen«

12. Dezember 2016, 9:23 Uhr | Corinne Schindlbeck

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Mehr Mathe-Begeisterung würde auch der Industrie nützen

Wer Elektrotechnik studiert, muss erstmal durch die Grundlagen: Mathe und Physik. Es muss also auch im Interesse der Industrie liegen, Mathematik-Begeisterung zu wecken. Kennen Sie kreative Ansätze, die über die herkömmlichen MINT-Initiativen hinausgehen?

Natürlich brauchen wir nicht nur MINT in Deutschland, aber der Bedarf ist größer als wir ihn decken können. Die sogenannte »Digitalisierung« macht diesen Bedarf sicher nicht kleiner, gerade im Bereich Mathematik und Informatik.

Ich würde den Beruf des Lehrenden attraktiver machen wollen; ich würde Mathe-Lehrenden in der Ausbildung das Lösen von echten Problemen in Unternehmen vorschreiben (dazu gehört auch eine große Portion Informatik), hier könnten Unternehmen in Form von »Projektplätzen« selbst beitragen; ich würde den Mathematik-Unterricht etwas informatischer machen.

Letzteres kann Mathe anschaulicher, im wahrsten Wortsinn begreifbarer und erlebbarer machen. Ein großer Teil der modernen Mathematik spielt sich (auch) im Computer ab, das erfordert eine andere Herangehensweise (»computational thinking«) - ich rede nicht davon, Aufgaben einfach am Computer zu machen, die man vorher auf Papier gemacht hat. Wenn ich zaubern könnte: Ich würde aus allen Köpfen herausholen, dass Mathe tot, unnütz oder uncool ist.

Ohne Mathe geht es nicht, da nützt es auch nichts, Ingenieurstudiengängen ein Mäntelchen wie »Regenerativ« oder »Umwelt« umzuhängen, weil das z.B. Frauen erwiesenermaßen mehr anspricht. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass wir nicht mehr Elektrotechnik-Studentinnen haben?

Das mit dem Mäntelchen ist so eine Sache. Bis wir keine besseren Lösungen haben, kann das funktionieren.

In Berlin durfte ich Teil eines Studiengangs Wirtschaftsmathematik sein. Die Balance zwischen Frauen und Männern war fast ausgeglichen! Wenn Frauen sich durch Namen (und zugehörigen Inhalt) eines Studiengangs angesprochen fühlen, dann haben wir sie erstmal für den MINT-Bereich nicht verloren.

In Berlin haben einige Studentinnen im Laufe des Studiums gemerkt, dass ihnen Mathe (vielleicht entgegen mancher Unkenrufe) doch sehr liegt und haben dann in den Mathe-Studiengang gewechselt. Wie aber oben angesprochen »verlieren« wir die Frauen schon viel früher, da müssen wir dran.


  1. »Ich würde den Mathematik-Unterricht informatischer machen«
  2. Was macht Prof. Lübbecke anders als Lehrkräfte an den Schulen?
  3. Mehr Mathe-Begeisterung würde auch der Industrie nützen

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