Elektroniknet Logo

Schule und Pisa

»Ich würde den Mathematik-Unterricht informatischer machen«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Was macht Prof. Lübbecke anders als Lehrkräfte an den Schulen?

Sie sagen, Sie stehen für gute Lehre, aber seien kein Didaktiker, sind aber gleichzeitig bei Ihren Studenten als Prof sehr beliebt.

Erstmal: viele Lehrende machen jeden Tag einen verdammt guten Job in den Schulen und viele sind auch beliebt. Ich habe natürlich an der Uni einen großen Spielraum, wie ich lehren darf. Wir verwenden einige Formate neben der klassischen Vorlesung, z.B. interaktives miteinander Programmieren im Hörsaal, oder Praxisprojekte über die Disziplinengrenzen hinweg, in der die Theorie angewendet werden muss.

Da gibt es keine Musterlösung, jedes Team muss (und darf) seinen kreativen Weg finden. Das ist sehr herausfordernd, aber auch sehr belohnend, für Lehrende wie Lernende. Ich habe neulich den Lehrpreis der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften für eine meiner Grundlagen-Vorlesungen mit über 1000 Teilnehmenden bekommen, auch weil die Studierenden offenbar die Anwendungsnähe »unserer« Mathematik schätzen.

Das Fach ist wahrlich nicht bei allen beliebt, ich mache den Studierenden nichts vor: Mathe ist manchmal schwer. Insbesondere, wenn man nicht Mathematik studieren wollte und trotzdem durch muss. Was unserem ganzen Team aber zu Gute gehalten wird ist, dass wir die Studierenden ernst nehmen. Wir haben immer ein offenes Ohr für Möglichkeiten, wie wir den Zugang zum Stoff verbessern können.

Der Stoff wird dadurch nicht leichter, aber wenn ich Anreize geben kann, sich ausdauernder damit zu beschäftigen, dann mache ich das natürlich. Computer helfen mir dabei, denn unsere Studierenden müssen (wenn ich das so ausdrücken darf) unsere mathematischen Inhalte auch selbst programmieren. Das gibt nochmal eine extra Herausforderung, aber auch einen anderen Blickwinkel. Am Ende kann ich nur ein hoffentlich vielfältiges Angebot machen, arbeiten müssen (und dürfen) die Studierenden selbst.

Mädchen und Jungen in Deutschland unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Mathe-Kompetenz stärker als im OECD-Durchschnitt. In Deutschland erzielen Jungs durchschnittlich 17 Punkte mehr und in Naturwissenschaften 10 Punkte mehr als Mädchen. Woran kann das liegen?

Ich glaube, wir brauchen keine solchen Studien um zu sehen, dass wir noch einigen Nachholbedarf in punkto Chancengleichheit der Geschlechter haben (ebenso wie verschiedener sozialer Herkünfte etc.).

Nicht zuletzt wegen der immer noch vielfach gelebten klassischen Rollen sind mal Jungs, mal Mädchen benachteiligt. Im MINT-Bereich sind es die Mädchen. Für Frauen in MINT-Berufen haben wir zu wenige Rollenvorbilder.

Man weiß, dass sich Mathe-Angst der Lehrenden auf die Lernenden übertragen kann. In Deutschland lassen sich Prominente damit zitieren, in Mathe eine Niete gewesen zu sein. Vielleicht lassen sich Mädchen von dieser Angst oder Abneigung mehr beeindrucken, ich weiß es wirklich nicht.

Ich glaube nicht daran, dass das MINT-Talent ungleich auf die Geschlechter verteilt ist. Ich denke aber, dass wir Bedingungen schaffen müssen, in dem sich Mädchen ihr Talent auch zutrauen und ausleben dürfen. Das gilt natürlich anders herum genauso, ich würde mir zum Beispiel mehr Männer in erzieherischen Berufen wünschen.


  1. »Ich würde den Mathematik-Unterricht informatischer machen«
  2. Was macht Prof. Lübbecke anders als Lehrkräfte an den Schulen?
  3. Mehr Mathe-Begeisterung würde auch der Industrie nützen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

RWTH Aachen International Academy