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VDE sorgt sich wegen Rückgang an Unis

»Wir steuern ungebremst auf einen Expertenmangel zu«

25. Januar 2021, 09:31 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

»Wir steuern ungebremst auf einen Expertenmangel zu«
© VDE

Dr.-Ing. Michael Schanz, VDE. »Wir steuern ungebremst auf einen Expertenmangel zu«

Die Coronakrise hat den Ingenieurmangel nicht etwa abgeschwächt, sondern zündet gerade den Turbo: Der VDE warnt mit Blick auf die neuesten Studienanfängerzahlen vor einer neuen Knappheit an Experten, auf die man »ungebremst« zu steuere.

Dr.-Ing. Michael Schanz ist Arbeitsmarkt-Experte des VDE. Für seine aktuelle Analyse hat er sich u.a. die Studienanfängerzahlen des Statistischen Bundesamtes genauer angeschaut. Und was er registriert, freut ihn ganz und gar nicht.

Trotz “nach wie vor guter Berufsaussichten” von Absolventen der Elektro- und Informationstechnik haben sich im Vergleich zum Vorjahr demnach 14,5 Prozent weniger Anfänger und Anfängerinnen in das Fach Elektrotechnik und Informationstechnik eingeschrieben. Der Schwund ist größer als im Maschinenbau (-9,6 Prozent) und in der Informatik (-4,8 Prozent) – hier waren die Rückgänge nicht so drastisch.

Einen Mangel an E-Ingenieurinnen und E-Ingenieuren könne sich Deutschland aber volkswirtschaftlich nicht leisten, das zeigten die Auswirkungen gestörter Lieferketten in der Halbleiterindustrie. “Unsere Industrie steuert nach wie vor ungebremst auf einen Expertenmangel zu. Der demographische Wandel – in den nächsten Jahren gehen tausende von E-Ingenieuren in den Ruhestand – und die digitale Transformation, die durch Corona noch verstärkt wurde, vergrößern die Lücke an Elektroingenieurinnen und -ingenieuren. Daran ändert auch COVID-19 nichts“, erklärt Schanz, der im VDE-Ausschuss „Studium, Beruf und Gesellschaft“ arbeitet.  

Warum der Rückgang? Es fehlen vor allem die Studierenden aus dem Ausland 

Schanz erklärt den rückläufigen Trend damit, dass es zum einen 2020 in Niedersachsen – das Bundesland bildet knapp 10 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik – bedingt durch den Wechsel von G8 auf G9 praktisch keinen Abiturjahrgang gegeben hat. „Zum anderen ist das Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik in Deutschland unter ausländischen Studierenden äußerst beliebt und weist den größten Ausländeranteil aller Fächer auf. Es gibt beispielsweise sehr viele chinesische Studieninteressierte, die ein Master-Studium an einer deutschen Universität aufnehmen“, erklärt Schanz.

Der VDE Ausschuss führt die niedrigen Anfängerzahlen daher insbesondere auf den Corona-bedingten Rückgang des Zulaufs aus dem Ausland zurück. Ein Indiz dafür sei insbesondere, dass die Universitäten (-18,4 Prozent) im Vergleich zu den Hochschulen für angewandte Wissenschaften (-11,5 Prozent) den größeren Anteil am Rückgang verzeichnen. Einen kleinen Lichtblick gibt es immerhin: die Quote der Studienanfängerinnen konnte mit knapp 17 Prozent gehalten werden.

Was bleibt, sei das Ziel, “mehr Schülerinnen und Schüler in unseren Schulen für eine Ausbildung in der Elektrotechnik zu begeistern“, fordert der Arbeitsmarktexperte. 

 

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