Schwerpunkte

Spin-off des DFKI

Start-up automatisiert Dokumentenmanagement mittels KI

06. Oktober 2020, 10:26 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Start-up automatisiert Dokumentenmanagement mittels KI
© Universität des Saarlandes

Die Natif.ai-Gründer (v.l.n.r): Johannes Korves, Manuel Zapp, Berenger Laurent und Christophe Hocquet

Das Saarbrücker Startup natif.ai bringt Rechnern das Lesen bei. Was Sachbearbeiter in der Buchhaltung bislang stundenlang beschäftigte, schafft sie in Millisekunden. Das hat den High-Tech-Gründerfonds und sieben weitere Investoren überzeugt.

Das Saarbrücker Deep-Tech Startup Natif.ai hat eine siebenstellige Finanzierungsrunde mit dem Lead-Investor High-Tech Gründerfonds (HTGF) erfolgreich abgeschlossen. Gegründet wurde das Startup in Saarbrücken als offizielles Spin-off des Deutschen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (DFKI).

»Das erfahrene Gründerteam in Kombination mit einer überlegenen Technologie, die signifikant bessere Capturing-Rates als alle Konkurrenzprodukte liefert, haben uns überzeugt.« sagt Christian Arndt, Investment Manager beim High-Tech Gründerfonds.

Natif.ai beschäftigt sich mit intelligenter Dokumenten Prozessautomation (IDP). Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernverfahren können die Saarbrücker Gründer alle Geschäftsprozesse, die auf verschiedenen Dokumenten und Dateiformaten basieren, extrem beschleunigen. Rechnungen, die als Textdateien, pdf-Dokumente oder eingescannte Bilder vorliegen, zu erfassen und mit handelsüblicher Buchhaltungssoftware zu verarbeiten – dafür hat das Saarbrücker Startup natif.ai ein selbstlernendes Rechenverfahren entwickelt, mit denen Dokumente analysiert werden, um alle relevanten Daten automatisiert zusammenzuführen.

Man könne zum Beispiel aus einer eingescannten Rechnung  58 verschiedene Datenpunkte herauslesen, etwa die Adresse, die Mehrwertsteuer und die Kontoangaben. Diese ließen sich dann in Echtzeit von handelsüblichen Buchhaltungsprogramme weiterverarbeiten, erklärt Co-Gründer Manuel Zapp eine Anwendung. Die Daten könnten auch mit Informationen aus E-Mails, Textdateien und anderen Formaten verknüpft werden. Das selbstlernende Verfahren lasse sich mit ganz unterschiedlichen Dokumenten trainieren, so dass es nicht nur die Prozesse in der Buchhaltung optimieren könne.

»Für Versicherungen ist es zum Beispiel interessant, ein individuelles Angebot für einen Kunden mit den aktuellen Angaben der Unternehmen, mit denen man im Wettbewerb steht, zu vergleichen. Unser System könnte dies quasi in Echtzeit berechnen, wenn es entsprechend trainiert wurde«, erläutert Zapp. Diese Schnelligkeit und Präzision unterscheide ihr Produkt von den bisherigen Lösungen für die Dokumentenverwaltung.

Manuel Zapp hat an der Universität des Saarlandes Informatik studiert und einige Jahre am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken geforscht, unter anderem an maschinellen Lernverfahren für Geschäftsprozesse. Dort hatte er sich auch mit der Frage beschäftigt, wie Computer Texte in einem eingescannten Bild erkennen können. Die OCR-Technologie, die für »Optical Character Recognition« steht, spielt bei zahlreichen Geschäftsprozessen eine wichtige Rolle, da immer noch viele Dokumente ausgedruckt oder als Formular von Hand ausgefüllt werden. Sie kehren dann oft als Scan in die digitale Welt zurück und müssen bisher meist manuell in die Buchhaltungssoftware überführt werden. »Mit unserem System können Firmen und Behörden ihre Prozesse vereinfachen und beschleunigen und die damit verbundenen Kosten um bis zu 90 Prozent senken«, so Mitgründer Johannes Korves.

Natif.ai habe sich bewusst für den Saarbrücker Uni-Campus entschieden. »Dort haben wir mit der exzellenten Informatikforschung an der Universität und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz ein spannendes Umfeld und bekommen frühzeitig Kontakt zu Talenten, die vielleicht bei uns einsteigen möchten«, so Korves. »Zudem bietet die Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer (KWT) mit ihrem Angebot aus Gründerberatung, Workshops und der Vernetzung zu anderen Startups in den Räumlichkeiten des Starterzentrums einen idealen Standort«.

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