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Start-up Luminovo

Hardwareentwicklung soll so einfach werden wie die von Software

16. April 2020, 11:59 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Hardwareentwicklung soll so einfach werden wie die von Software
© Luminovo

Sebastian Schaal (im Bild rechts) hat Luminovo 2017 zusammen mit seinem Studienkollegen Timon Ruban (l.) gegründet. Beide hatten sich an der Stanford University kennengelernt.

Das Start-up Luminovo bezeichnet sich als KI-Ingenieurbüro. Gründer Sebastian Schaal erklärt das Geschäftsmodell von Luminovo, seine Vision eines Betriebssystems für die Elektronikentwicklung und wie sein Unternehmen gerade mit der Corona-Krise zurecht kommt.

Markt&Technik: Herr Schaal, Ihr Start-up haben Sie 2017 gestartet, waren Stipendiat, lernten an der Stanford-University zusammen mit anderen KI-Experten. Würden Sie sagen, dass Deutschland in Sachen KI hinterherhinkt, wie oft behauptet wird?
Das Bild hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Wir sind in den USA mit der neuen Welle von KI aufgewachsen, die sich mit “Deep Learning” befasst, also der von tiefen, neuronalen Netzen als Lernalgorithmen. In diesem Bereich war in Deutschland 2017 sowohl das Lehrangebot an Universitäten also auch der Jobmarkt noch nicht sehr ausgebaut.

Gerade bei den Lehrveranstaltungen hat sich aber einiges getan - speziell die TU München ist hier stark vorgeprescht. Zu verdanken ist das zu großen Teilen Matthias Niessner, der zu unserer Zeit auch Assistenzprofessor in Stanford war, und versucht hat, die besten Formate mit nach Hause zu bringen. Mittlerweile ist das Angebot an der TUM sehr stark ausgebaut und wirft damit jedes Jahr spannende Talente ab. Weiterhin haben sich die Ausbildungsformen durch die starke Verbreitung von Online- Kursformaten weiter demokratisiert, weswegen sich viele Leute der Thematik im Eigenstudium nähern.

Unser Freund Kian Katanforoosh hat mit unserem Stanford Professor und KI-Ikone Andrew Ng das Format deeplearning.ai gegründet, welches sich großer Beliebtheit erfreut. Alles in allem ist Deutschland aber aufgrund der Finanzierungsstruktur der Universitäten als auch durch den Fokus der Unternehmen den USA klar unterlegen und muss sich seine Schlachtfelder sehr genau aussuchen.

Wir können strukturell nicht in jedes KI-Wettrennen einsteigen, sondern müssen uns auf unsere Stärken besinnen. Der starke Fokus auf Datenschutz ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits gehen wir hier mit einem vorbildlichen Beispiel voran und bringen auch andere Länder dazu umzudenken. Andererseits wird mir der Datenschutz auch zu oft als Ausrede benutzt, um Innovationen wie Cloud oder datengetriebene Entscheidungen kategorisch abzulehnen.

Warum kamen Sie zurück nach Deutschland, gab es in den USA keine verlockenden Angebote?
In den USA gibt es natürlich verlockende Angebote. Ich glaube vor allem, wenn man nach dem Studium bei einem Top-Arbeitgeber anheuern will und in kurzer Zeit viel für seine Lernerfahrung und den Lebenslauf tun will, kommt man als technischer Absolvent am Silicon Valley nicht vorbei. Ich für meinen Teil bin allerdings ein großer Deutschland- und Europa-Fan, und habe mir meinen langfristigen Lebensmittelpunkt immer hier vorgestellt.

Bei der eigentlichen Entscheidung kamen sicher verschiedene Gründe zusammen. Mein Mitgründer Timon und ich waren beide mit dem Fulbright-Stipendium in den USA, das den interkulturellen Austausch in den Vordergrund stellt - das hieß für uns, den Silicon Valley Spirit mit nach Deutschland zu bringen. Zum anderen war bei uns beiden der Unternehmergeist geweckt, womit die lukrativen Jobs der Tech-Giganten erstmal in die zweite Reihe gerückt waren.

Bei einer Unternehmensgründung impliziert meines Erachtens die Art des Startups die Wahl des richtigen Standorts. Wenn man als Gründer eine große Produktvision im Kopf hat, die man mit viel Emotionen aufladen kann, ist man in den USA sehr gut aufgehoben. Falls man aber vorhat, sich mit einer Technologie eventuell auch erstmal über kein “klassisches” Geschäftsmodell im Markt zu positionieren, ist man im pragmatischen Deutschland an der richtigen Adresse. Dazu konnten wir den Fakt, dass die USA im Bereich KI Deutschland etwas voraus war, zu unserem Vorteil nutzen.

Ihr Startup Luminovo hat bislang branchenübergreifend als KI-Berater gearbeitet und viel Projektgeschäft gehabt. Warum fokussieren Sie sich nun vor allem auf die Elektronikindustrie?
Durch den Erfolg mit unserem Projekt bei Infineon sowie die fachliche Neigung unseres Teams. Wir möchten Software entwickeln, die den Prozess von einer Produktidee bis zu einer marktreifen elektronischen Baugruppe schneller und ressourceneffizienter gestaltet. In der großen Vision schwebt uns ein Elektronikentwicklung-Betriebssystem vor: Es soll eine Datenbasis über den ganzen Prozess hinweg legen und ausgewählte Teile der Wertschöpfungskette automatisieren.
In erster Instanz bedeutet das, erstmal die Probleme im Alltag anzugehen. Das können zum Beispiel Werkzeuge sein, die den komplexen Prozess der Angebotserstellung in moderner Software abbilden und dazu beitragen, manuelle Arbeit zu reduzieren.

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1. Hardwareentwicklung soll so einfach werden wie die von Software
2. Mit Infineon hat Luminovo ein Projekt abgeschlossen
3. Der Flaschenhals Hardwareentwicklung
4. Der Einfluss von Corona

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