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Diskussion um das 'New Normal'

Homeoffice könnte zum Wettbewerbsfaktor werden

24. Juni 2021, 11:39 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Homeoffice könnte zum Wettbewerbsfaktor werden
© Halfpoint/stock.adobe.com

Eine Mehrheit der Beschäftigten möchte nach der Pandemie weiter im Homeoffice arbeiten. Für Arbeitgeber könnte das zunehmend zum Wettbewerbsfaktor werden, zeigt eine Befragung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

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© Dekra Akademie

Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie GmbH.

Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) hat im vergangenen Mai per representativer Umfrage die Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice untersucht - also nach Inkrafttreten der verschärften neuen Homeoffice-Regelungen.  Befragt wurden 1.559 erwachsene berufstätige Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland. Diese letzte Befragung ergänzt zwei frühere Befragungswellen zum Thema Homeoffice des bidt und erlaube dadurch Analysen im Zeitverlauf der Pandemie, so die Autoren. 

Die Ergebnisse zeigen, das die Homeoffice-Nutzung weiter angestiegen ist. Die seit 23. April geltenden (und bis dato strengsten) Homeoffice-Regelungen in Deutschland haben die Homeoffice-Nutzung noch einmal leicht erhöht. So befanden sich im Mai 2021 52 % der Berufstätigen mindestens gelegentlich im Homeoffice. 46 % arbeitete sogar mehrmals pro Woche von zu Hause aus. Gerade bei den häufigen Nutzerinnen und Nutzern von Homeoffice ist das Homeoffice-Potenzial damit ausgeschöpft.

Un in Zukunft? Die Mehrheit der Berufstätigen möchte das für ihre Tätigkeiten bestehende Homeoffice-Potenzial auch nach der Coronapandemie nutzen. Rund 55 % der Befragten wünschen sich, mindestens ab und zu von zu Hause aus arbeiten zu können. Eine deutliche Mehrheit von 80 % der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die eine Nutzung von Homeoffice grundsätzlich für möglich halten, gaben an, dass sich die Arbeitgebersicht auf Homeoffice infolge der Coronapandemie verbessert hat.

Die Möglichkeit zum Homeoffice stellt schon jetzt einen wichtigen Faktor für Arbeitgeberattraktivität dar, denn rund 72 % aller Berufstätigen, deren Tätigkeit Homeoffice prinzipiell zulässt, sehen ein geeignetes Homeoffice-Angebot bei der künftigen Wahl einer neuen Arbeitsstelle als wichtig an.

Gerade im Wettbewerb um knappe Fachkräfte werde Homeoffice nach der Coronapandemie zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für Unternehmen werden, so Roland A. Stürz, Leiter der Studie. „Unternehmen müssen dabei nicht nur die Homeoffice-Möglichkeiten an sich, sondern auch die geeignete Ausstattung des Arbeitsplatzes ihrer Beschäftigten zu Hause und den Aufbau von neuen Kompetenzen und Führungsqualitäten im Auge haben“.

Den Wettbewerbsfaktor betont auch Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie : „Das sehe ich genauso. Viele Beschäftigte haben die Vorzüge von Homeoffice erkannt und möchten darauf nicht mehr verzichten. Außerdem bietet es Arbeitgebern die Chance, ihren Suchradius zu erweitern und Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen, die für eine Position nicht umziehen würden oder aus anderen Gründen nicht dauerhaft im Büro arbeiten können."

Allerdings glaubt sie, dass Unternehmen beides, oder – je nach Zielgruppe – in einer guten Kombination anbieten werden müssen. "Denn nicht alle Beschäftigten sind per se begeistert von Homeoffice oder haben zuhause die Möglichkeit gut zu arbeiten."

Ein Punkt werde in der Diskussion oft übersehen: "In Städten mit hohen Mietpreisen wohnen viele Menschen sehr beengt, beispielweise Berufseinsteiger in einer WG oder Familien ohne separates Arbeitszimmer. Ich gehe deshalb davon aus, dass es auf hybride Modelle hinauslaufen wird". Gedacht sei dabei etwa an bestimmte Anwesenheitszeiten, beispielsweise ein Bürotag in der Woche. An den anderen Tagen könnten Beschäftige dann selbst entscheiden, wo sie arbeiten. "Nun, da die IT-Systeme entsprechend eingerichtet sind und funktionieren, ist das leichter umzusetzen als in der Vergangenheit, als Remote-Arbeit in Unternehmen und Behörden oft nicht vorgesehen und mit vielen Bedenken verbunden war", so Haupt. 

Auch bei der DEKRA Akademie selbst werde das Arbeiten zukünftig nicht mehr so sein wie vor der Pandemie. "Derzeit laufen die Planungen, unsere Räumlichkeiten in der Hauptverwaltung entsprechend anzupassen, d. h. es wird feste und flexible Arbeitsplätze geben. Die Möglichkeit von mobiler Arbeit wird ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur werden, eingebettet in eine veränderte Arbeitskultur. Dabei ist es uns wichtig, die Führungskräfte fit für das Arbeiten mit virtuellen Teams zu machen. Denn wir möchten vor allem auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Unternehmen fördern, Abteilungsdenken abbauen und das Handeln in ‚gemeinsamen Aufgaben‘ etablieren.“ 
 

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