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Open-Source-Software

Europa muss aufholen

08. Februar 2021, 08:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Europa muss aufholen
© Rawpixel.com | shutterstock.com

Open Source wird immer wichtiger – und ist ein Treiber von Innovationen. Deshalb will die Eclipse Foundation Projekte vorantreiben, verstärkt in Europa. Jedoch braucht es dazu starke Partner.

Im Juli letzten Jahres sagte Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, in einem Interview [1]: »Open Source ist weltweit ein Treiber für Innovationen.« Dieser Satz fasst sehr gut den Stellenwert zusammen, den Open-Source-Software derzeit für Technik-Unternehmen hat. Warum das so ist, liegt in verschiedenen Dingen begründet:

  • Mit Open Source stehen Entwicklern und Unternehmen viele Produkte und Dienstleistungen – zum großen Teil kostenlos – zur Verfügung. Sie werden von der Community zudem sukzessive verbessert.
  • Unternehmen können effektiver am Markt agieren und Produkte schneller am Markt platzieren.
  • Open Source reduziert die technischen Risiken und senkt die Kosten für das Entwickeln von Software.
  • Unternehmen sind nicht länger von einer spezifischen Technik abhängig.

Open-Source-Software ist also wichtig, um die digitale Transformation in Unternehmen, Regierungen und Forschungseinrichtungen weiter voranzutreiben. Jeder, der am Open-Source-Wirtschaftsökosystem teilnimmt, kann mit anderen leichter zusammenarbeiten, voneinander lernen und Erfahrungen und Fachwissen teilen. So profitieren letztlich alle Teilnehmer des Wirtschaftsökosystems. Das ist das Ziel, das die Eclipse Foundation mit ihrem Engagement in Europa erreichen will. Seit Januar diesen Jahres ist die Foundation offiziell europäisch, davor hatte sie ihren Sitz in Ottawa, Kanada. Mit einer Mitgliedschaft bei Eclipse können Unternehmen ihre Sichtbarkeit am Markt erhöhen und neue Beziehungen knüpfen, unabhängig von Unternehmensgröße und -schwerpunkt [2].

Teilen für den gemeinsamen Erfolg

Entscheidend für den Erfolg der Mitgliedsunternehmen ist, dass Code von Entwicklern gemeinsam verfasst wird in dem Wissen, dass viele Unternehmen von ihrer Arbeit profitieren. Gaël Blondelle, Vice President of European Ecosystem Development bei der Eclipse Foundation, unterstreicht das: »Manche Unternehmen denken, sie sollten ihre Ideen geheim halten. Jedoch bringt in der digitalen Wirtschaft das Teilen von Ideen und die Zusammenarbeit mit anderen einen  Wettbewerbsvorteil.« So haben alle Mitglieder des Wirtschaftsökosystems Zugang zu wichtigen Entwicklungskompetenzen und Wissen, welches sonst lediglich schwer oder kostenintensiv zugänglich ist. Mit einem Bündeln von Ressourcen ergeben sich für jedes Mitglied Kosteneinsparungen, ein Reduzieren von Personalaufwand, geringere Entwicklungskosten und ein geringeres Geschäftsrisiko, so Blondelle.

Ebenso bietet das Open-Source-Wirtschaftsökosystem aus Wettbewerbsperspektive ihren Mitgliedern neue Möglichkeiten. Sie können Ideen, Projekte und Innovationen teilen und gemeinsam verwalten. So bieten sich Wettbewerbsvorteile, außerdem wird das Ansehen von europäischen Organisationen, Ländern und der gesamten Europäischen Union gestärkt. Das ist auch bitter nötig, betrachtet man den Gesamtwert der europäischen Unternehmen. So wurden im Februar 2020 die 100 größten Plattformunternehmen der Welt auf einen Gesamtwert von 8,9 Billionen US-Dollar geschätzt, so der Digitalökonom Dr. Holger Schmidt. Europäische Unternehmen waren für lediglich etwa drei Prozent an diesem Gesamtwert verantwortlich [2].

Projekte erfolgreich umsetzen

Plattformen wie GitHub sind bequeme Werkzeuge, um Code zu teilen und um Entwickler zusammenzubringen. Jedoch ist die Zusammenarbeit am Code lediglich ein Teil, der erfolgreiche Open-Source-Software ausmacht. Genauso wichtig ist es, einen sicheren Rechtsrahmen vorzufinden. Sobald ein Mitgliedsunternehmen Produkte vermarktet, die mit Open-Source-Software entwickelt wurden, ist das Verwalten des geistigen Eigentums zwingend notwendig, um rechtliche Anforderungen einzuhalten. So bietet eine Mitgliedschaft bei der Eclipse Foundation einen rechtlichen Rahmen sowie diverse Dienstleistungen.

Alle Aspekte der Foundation konzentrieren sich auf Projekte, die nachweislich qualitativ hochwertige, skalierbare und nachhaltige offene Techniken liefern. Mit Hilfe von Eclipse soll es Unternehmen möglich sein, kommerzielle Produkte zu entwickeln, den Umsatz zu steigern und die Marktakzeptanz zu erhöhen. Um den Erfolg der Projekte zu sichern, bietet die Eclipse Foundation eine Reihe von Dienstleistungen an:

  • Prozesse und Best Practices für das Entwickeln von Open-Source-Software.
  • Dienstleistungen zum Verwalten von geistigem Eigentum.
  • Lizenzieren von Code unter der Eclipse Public License sowie Apache 2.0, BSD und MIT.
  • Mentorschaft, Anleitung und Expertise beim Erstellen und Verwalten von Open-Source-Projekten.
  • Marketing-Unterstützung, um die Sichtbarkeit von Projekten zu erhöhen.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Eclipse-Projekt ist das Projekt Simulation of Urban Mobility (SUMO) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mit dem Projekt will das DLR seine Verkehrssimulationssoftware quelloffen gestalten und auf moderne Forschung und Algorithmen zugreifen. Mithilfe der Community sollen neue Partner und Unternehmen gewonnen werden. Die Open-Source-Software des Teams wird weltweit eingesetzt. Sie hilft Organisationen und Kommunen, besser zu verstehen, wie der Verkehrsfluss, das Parken sowie Verkehrsbereinigungsmaßnahmen auf das Verkehrsaufkommen wirken [2].

Literatur
[1] Schlichtmeier, T.: »Die moderne Welt basiert auf offenem Quellcode«. elektronik.de, 08.07.2020, www.elektroniknet.de/embedded/software/die-moderne-welt-basiert-auf-offenem-quellcode.177892.html.
[2] Enabling Digital Transformation in Europe Through Global Open Source Collaboration. Eclipse Foundation, Whitepaper, 2020, www.eclipse.org/europe/documents/eu-opensource-whitepaper-jan2021.pdf.

Mike Milinkovich
© Eclipse Foundation

Mike Milinkovich ist Executive Director der Eclipse Foundation.

embedded world Conference 2021 DIGITAL

Session Keynote: Software & Systems Engineering
The Application of Open Source Technologies to Embedded Systems
Mike Milinkovich, Eclipse Foundation

Das IoT breitet sich in zahlreichen Branchen weiter aus. In dem Zuge erwarten sowohl Entwickler als auch Kunden, dass IoT- und Embedded-Systeme Open Source sind. Diesen Trend bestätigt die jüngste Eclipse-Umfrage zur Akzeptanz von IoT, die im März 2020 veröffentlicht wurde. Laut der Umfrage berücksichtigen 60 Prozent der Befragten Open Source in ihren Einsatzplänen. Unternehmen schätzen an Open Source die Kosteneinsparungen sowie die Kontrolle und Flexibilität, die damit entsteht – eine deutliche Abwendung von den Single-Vendor-Embedded-Systemen vergangener Tage.

Session 6.3: Software & Systems Engineering: Development Process
Monday, 1 March, 16:15–16:45
Konferenzprogramm auf der Homepage der embedded World Conference 2021 DIGITAL.

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