Interview mit ADLink Technology

Starterkits für Embedded-Entwickler

11. Juli 2022, 9:00 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Richard-Pinnow
Was die Starterkits von ADLink so besonders macht, erklärt Business Development Manager, Richard Pinnow, exklusiv im Markt&Technik-Interview.
© ADLink Technology

Damit Embedded-Entwickler nicht bei Null anfangen müssen, stellen einige Hersteller sogenannte Starterkits zur Verfügung. Diese gibt es gewöhnlich für verschiedene Formfaktoren wie SMARC, COM Express oder COM-HPC. Mit Starterkits für SMARC kann ADLink Technology aufwarten.

Markt&Technik: Mit dem »I-Pi SMARC RB5« bringt ADLink Technology demnächst ein neues Starterkit für SMARC-Entwicklungen auf den Markt. Für welche Applikationen ist es gedacht und welche Märkte adressieren Sie damit?

Richard Pinnow: Das I-Pi SMARC RB5 Starterkit beinhaltet im Wesentlichen das SMARC-Modul »LEC-RB5« sowie ein kompaktes Carrierboard »I-Pi SMARC Plus« nebst passendem Zubehör. Mögliche Applikationen sind autonome mobile Roboter (AMR), Roboter für industrielle, herstellende, medizinische oder logistische Anwendungen, Drohnen, kamerabasierte Überwachungsaufgaben sowie viele mehr.

Beim vorhandenen Modul haben Sie sich für einen Qualcomm-Chip entschieden, was für Embedded-Applikationen eher ungewöhnlich ist. Wie kam es zu der Entscheidung für eine Qualcomm-CPU?

Qualcomm ist mit der »Robotics RB5 Platform« ein System-on-Chip (SoC) der Superlative gelungen. Noch dazu nutzt das »QRB5165«-SoC nahezu ideal den aktuellen SMARC-2.1-Standard aus, sodass alle wichtigen Plattform-Features über den 314-Pin-Goldfinger-Connector zugänglich gemacht werden können.

Zwei der insgesamt sechs MIPI-CSI-Kanäle haben wir über den SMARC-Standard hinaus mittels zusätzlicher Konnektoren auf dem Top Layer der Modul-PCB zugänglich gemacht. Hiermit können Entwickler bis zu sechs MIPI-CSI-Kameras in die Applikation einbinden. Mit einer Produktverfügbarkeit von zehn Jahren können wir unseren Kunden eine marktgerechte Langzeitverfügbarkeit garantieren.

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»I-Pi SMARC RB5«
Das Starterkit »I-Pi SMARC RB5« von ADLink Technology.
© ADLink Technology

Die integrierte KI-Engine soll bis zu 15 TOPS liefern. Reicht das aus, um moderne KI-Applikationen zu bedienen?

Die Neural Processing Unit (NPU) erlaubt es, komplexe neuronale Netze mit sehr kurzen Latenzen effizient auszuführen, ohne dabei die eingebetteten acht CPUs nennenswert auszulasten. Hierbei können Entwickler neuronale Netze beliebig miteinander kombinieren, um beispielsweise die enormen Datenmengen aus bis zu sechs Kameras vorzuverarbeiten. Anschließend können sie die extrahierten Informationen mit dem Achtfach-Cortex-A77-Prozessor in Kombination mit der »Adreno GPU 650« flexibel weiterverarbeiten. Die gesamte Funktion ist in ein SoC eingebettet, das erhebliche Vorteile gegenüber einem diskreten Aufbau mit sich bringt: Effizienz und Performance mittels kurzer SoC-interner Bus-Strukturen machen den Unterschied. Hinzu kommen 8 GB LPDDR4-Arbeitsspeicher in Kombination mit 256 GB Onboard-UFS-Massenspeicher – so ist eine schnelle Speicheranbindung gewährleistet.

Welche Unterschiede gibt es zum Starterkit »I-Pi SMARC 1200«?

Das Starterkit unterscheidet sich in dem enthaltenen SMARC-Modul »LEC-MTK-I1200«; das Carrierboard ist identisch. Das auf dem Modul eingesetzte SoC »MT8395« von MediaTek geht ebenfalls mit acht CPUs an den Start, jedoch liegt der Unterschied in der CPU-, Graphics-Processing-Unit- (GPU) und NPU-/Accelerating-Processing-Unit(APU)-Komposition. Herzstück des Prozessors sind vier Cortex-A78- und vier Cortex-A55-Kerne in Kombination mit einer Fünf-Kern-Arm-Mali-G57-GPU sowie einer APU mit 5 Tera Operations per Second (TOPS). Hinsichtlich seiner Performance skaliert sich dieses Starterkit etwas unterhalb des LEC-RB5, bietet jedoch dennoch deutliche Performance-Reserven im Vergleich zum LEC-IMX8MP auf Basis des NXP-i.MX-8M-Plus-Prozessors.

»LEC-RB5«
Das SMARC-Modul »LEC-RB5« ist für viele verschiedene Applikationen gedacht. Der I-Pi Carrier für SMARC-Module wurde gezielt auf Raspberry Pi und Arduino abgestimmt
© ADLink Technology

Daneben gibt es von ADLink weitere Starterkits für Embedded-Computing-Applikationen. Welche sind das und was leisten diese?

Die Kundenbedürfnisse unterscheiden sich je nach Anwendungsfall erheblich; deshalb legt ADLink ein besonderes Augenmerk auf ein umfassendes Computer-on-Module(CoM)-Portfolio. Jedes unser Computer-on-Modules deckt mit seinem individuellen Feature Set ein entsprechendes Performance-Spektrum ab. Folgerichtig bieten wir viele verschiedene CoMs an. Je nach Leistungsbereich haben sich verschiedene offene Modulstandards wie SMARC, COM Express oder COM-HPC etabliert. ADLink als Gründungsmitglied der wichtigsten Standardisierungsgremien treibt die Weiterentwicklung dieser offenen Standards maßgeblich voran.

Portfolio an Computer-on-Modules
Das umfassende Portfolio an Computer-on-Modules von ADLink Technology.
© ADLink Technology

Welchen Herausforderungen sehen sich Entwickler derzeit gegenüber und wie können Starterkits hierbei helfen?

Der Erfolg einer Geschäftsidee hängt maßgeblich davon ab, wie schnell man zu den ersten greifbaren Ergebnissen kommt. Mehr denn je ist Time to Market eine der wichtigsten Zielgrößen im Rahmen einer Produktentwicklung, die im Wesentlichen aus Hardware- und Software-Entwicklungsaufgaben besteht. Unsere vorkonfigurierten Starterkits ermöglich es Entwicklern, schnell und mit geringem Aufwand Proof-of-Concepts zu erstellen. Das Computer-on-Module-Konzept erlaubt es in frühen Projektphasen, dynamisch auf die Performance-Anforderungen der eigenen Applikation zu reagieren und dabei das Carrierboard und dessen eingebundenen Peripherie weiterzuverwenden. Mit unserer Arm-System-Ready-Zertifizierung für unsere SMARC-Module bieten wir vorkonfigurierte Betriebssysteme an, auch und vor allem um dem klassischen x86-Entwickler den Einstieg in die Arm-Welt zu erleichtern. Weiterhin bietet das den Vorteil, dass Applikationssoftware mit geringem Aufwand auf andere Hardware Targets portierbar ist, sodass das modulare CoM-Konzept seine Vorzüge auch für die Arm-Applikationen zu hundert Prozent ausspielt.

Wie stark sind Ihre Starterkits von der Community nachgefragt?

Das Feature Set unseres I-Pi SMARC Carriers haben wir gezielt auf die Raspberry Pi und Arduino Community abgestimmt. Nützliches, aus der Community bekanntes Zubehör wie MIPI-CSI-Kameras, Pi-HATs und GPIO Extension Boards können Entwickler aufgrund unseres umfangreichen Treiber-Supports und unseres MRAA Hardware Abstraction Layer plug & play mit all unseren SMARC-Modulen kombinieren.

Vielen Dank, Herr Pinnow, für das Gespräch.


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