Stimmen von der embedded world

3 Fragen an…

12. Juli 2022, 8:30 Uhr | Tobias Schlichtmeier
embedded world 2022
2022 fand die 20. Ausgabe der embedded world in Nürnberg statt.
© NürnbergMesse

Vom 21. bis 23. Juni fand in Nürnberg die 20. embedded world statt. Mit dabei waren Unternehmen wie congatec, Microsys Electronics oder compmall. Wie sie die erste Präsenzmesse nach 2020 erlebt haben, erfahren Sie in Kurz-Interviews von Tobias Schlichtmeier.

Eder Christian
© WEKA FACHMEDIEN

… Christian Eder, congatec

Markt&Technik: Herr Eder, wie ist Ihr Eindruck von der ersten embedded world als Präsenzmesse nach 2020?

Christian Eder: Manchmal fühle ich mich, als wäre ich das erste Mal auf einer Messe – ich denke, viele von uns sind noch etwas außer Form, was Messen betrifft. Unser congatec-Stand ist gut besucht, wir führen sehr viele Gespräche mit Kunden und Interessenten. Nach knapp zweieinhalb Jahren Pause bereiten mir die echten Interaktionen auf persönlicher Ebene sehr viel Freude. Insgesamt, denke ich, ist die Messe in Anbetracht der aktuellen Situation ein guter Erfolg.

Welches ist Ihr persönliches Highlight auf der Messe?

Mich freut es sehr, dass wir mit COM-HPC gut vorankommen. Als Chairman der PCI Computer Manufacturers Group (PICMG) ist das irgendwie auch mein persönliches Baby. Kein Computermodulstandard erreichte eine so hohe Sichtbarkeit in so kurzer Zeit wie COM-HPC. Das sagt zwar noch nicht alles über den kommerziellen Erfolg aus, jedoch starten schon fast täglich neue Projekte basierend auf dem neuen Standard. Trotz aller Bescheidenheit bin ich überzeugt, dass COM-HPC der beste Computermodulstandard bisher ist.

Gerade die Chipkrise zeigt, dass man nicht nur auf bestehende Plattformen vertrauen sollte, denn Technologie, die bereits älter ist, hat oft weniger Priorität bei den Chipherstellern und wird damit wohl auch langfristig problematisch bei der Verfügbarkeit bleiben. Aus dem Grund ist es sinnvoll, auf neue Technologie wie COM-HPC zu setzen. So entsteht aus einer an sich schwierigen Situation trotzdem etwas Gutes.

Können Sie mir drei Dinge nennen, die derzeit für einen Entwickler essenziell sind, wenn er ein neues Produkt designt?

Vieles ist von der Verfügbarkeit abhängig, man bezeichnet das inzwischen als »Design to Availability«. Früher waren es »Design to Cost« und »Design to Function«, heute ist es wichtig zu prüfen, ob man die Technik überhaupt bekommt, die man ausgewählt hat. Essenziell ist inzwischen außerdem Multi-Sourcing, also Second Sources aufzubauen.

Ergänzend zum Thema der Second Sources sind Modulkonzepte zu nennen. Es ist einfacher, von einer Chipgeneration zur nächsten zu wechseln, wenn man lediglich das Modul wechseln muss. Oder von einem Hersteller zu einem anderen, wenn man auf Standards wie COM-HPC, COM Express oder SMARC setzt. Hier ist das Produktportfolio inzwischen riesig – als Entwickler halte ich mir so viele Optionen offen und kann schnell auf veränderte Marktbedingungen reagieren.

Entscheidet man sich für eine neue Technologie, ist das erst einmal natürlich ein Stück weit ein Abenteuer. Man muss neue Dinge lernen; gerade bei COM-HPC kommen ein anderer Stecker, eine andere Löttechnik sowie deutlich schnellere Signale zum Einsatz. Hier haben sich Design-in Trainings gut bewährt, die wir für Entwickler anbieten. So möchten wir helfen, erste Stolperfallen zu umgehen. Außerdem haben wir Evaluation Carrier Boards entwickelt. Mit ihnen können Entwickler den neuen Standard erst einmal näher kennenlernen. Wir stellen zudem alle nötigen Design-Unterlagen bereit – so können Entwickler den Start eines Projekts beschleunigen – denn Time to Market ist und bleibt was wohl wichtigste Unterscheidungskriterium.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Eder.

Schindler Ina
© Microsys Electronics

… Ina Schindler, Microsys Electronics

Markt&Technik: Frau Schindler, wie hat Ihnen die erste embedded world nach knapp zweieinhalb Jahren Pause gefallen?

Ina Schindler: Ich fand es super, dass ich viele Interessenten und Kunden endlich einmal persönlich kennengelernt habe. Viele Meetings fanden in den letzten zwei Jahren lediglich als Online Meetings statt. Es bereitet mir sehr viel Freude, die Menschen im echten Leben kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. Vieles kommt über Online Meetings einfach nicht beim Gesprächspartner an. Aus dem Grund war das mein persönliches Highlight der Messe. Insgesamt waren es weit weniger Besucher als vor der Corona-Pause. Jedoch waren die Gespräche, die wir mit Interessenten geführt haben, qualitativ sehr hochwertig.

Positiv überrascht hat mich, dass uns sogar Kunden ohne Anmeldung besucht haben. Ich muss dazu sagen, dass die kritischen Themen nicht ausgeklammert wurden, jedoch ist es etwas ganz anderes, wenn man sich mit diesen kritischen Themen – zum Beispiel den Bauteilunverfügbarkeiten – in persönlichen Gesprächen auseinandersetzt.

Was war Ihr persönliches Highlight der Messe?

Eines meiner Highlights war das tolle Feedback, das wir für unseren Messeauftritt bekommen haben. Wir konnten viele neue Produkte auf unserem Messestand zeigen und zeigen, dass wir wachsen, jedoch nicht in utopischen Maßen, sondern in kleinen Schritten. Dies ganz ungefragt von Kunden zu hören oder von Marktpartnern war für mich ein sehr schönes Erlebnis, zumal ich ebenfalls das Marketing bei Microsys verantworte. Dieses positive Feedback ist für mich wichtig. Insgesamt hat es mir sehr viel Freude bereitet, auf der Messe zu sein.

Ina Schindler, Tobias Schlichtmeier
Ina Schindler, Microsys Electronics, sprach mit elektroniknet-Redakteur Tobias Schlichtmeier am Microsys-Messestand.
© Weka Fachmedien

Ganz konkret: Welche Highlights habt ihr auf eurem Stand präsentiert?

Ein ganz wichtiges Produkt ist das Nachfolge-Produkte des »miriac MPX-S32G274«, das »miriac MPX-S32G399A«, welches wir auf der Messe angekündigt haben. Für das Modul vertrauen wir weiterhin auf Prozessoren von NXP Semiconductors, die wir vom Automotive-Bereich in andere Industrie-Bereiche transferieren. Hierzu gibt es demnächst auch eine offizielle Ankündigung.

Herausragend auf der Messe war zudem unsere Kooperation mit Hailo und das AI-Hailo-8-Modul, das auch viele unserer Marktbegleiter einsetzen. Wir sehen hier, dass unsere Nische Sinn ergibt, im Kontext der Safety & Security. Technisch gesehen waren das unsere absoluten Highlights, nichtsdestotrotz konnten wir ebenso alle anderen bestehenden Prozessormodule ausstellen. Was bei unseren Modulen zählt, ist die Langzeitverfügbarkeit. Viele unsere Projekte laufen zehn oder fünfzehn Jahre oder sogar länger. Hier ist es wichtig, Partnerschaften mit Herstellern zu pflegen, die Bauteile sehr lange bereitstellen. Insgesamt ziehe ich ein sehr positives Fazit und freue mich schon jetzt auf die nächste embedded world.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schindler.

Markwardt_Albin
© Comp-Mall

… Albin Markwardt, compmall, vertritt Cincoze

Markt&Technik: Herr Markwardt, Sie sind als Cincoze Deutschland auf der diesjährigen embedded world vertreten. Wie nehmen Sie die erste Messe nach knapp zweieinhalb Jahren wahr?

Albin Markwardt: Bei compmall arbeiten wir sehr eng mit Cincoze zusammen, einem Industrie-PC-Hersteller aus Taiwan. Aus dem Grund sind wir in diesem Jahr als Cincoze Deutschland auf der embedded world vertreten. Der erste Tag war sehr erfolgreich, wir hatten viele Anfragen von Interessenten aus diversen Märkten. Insbesondere zu Produkten aus dem Bereich des GPU Computing nahmen wir ein reges Interesse wahr. Grundsätzlich habe ich das Gefühl, das viele nach den zwei Jahren Corona-Pause ein starkes Bedürfnis nach Austausch und persönlichen Gesprächen haben. Aus dem Grund ist es sowohl für uns als auch für unsere Kunden eine sehr wichtige Veranstaltung. So kann ich bereits jetzt ein sehr positives Fazit ziehen.

Gibt es ein Produkt-Highlight von Cincoze, das besonders auf Interesse stößt?

GPU Computing ist eine Enabler-Technologie für viele Bereiche geworden. Der Vorteil hierbei ist, dass die Rechen-Power der CPU von der Graphics Processing Unit (GPU) ergänzt wird. So erhält das Komplettsystem eine ganz neue und höhere Performance. Nicht von ungefähr haben wir im letzten Jahr mit dem »GM-1000« und in diesem Jahr mit dem »GP-3000« den Preis für das »Produkt des Jahres« der Zeitschrift Computer&Automation gewonnen. Das ist insofern berechtigt, da die Nachfrage nach GPU Computing riesig ist.

Stufen Sie GPU Computing auch in den nächsten Jahren als großen Trend ein oder sehen Sie einen ganz neuen Trend auf uns zukommen?

Ich denke, wir stehen noch ganz am Anfang des Trends, der auch weiter anhält. Wir verkaufen immer noch sehr viel Standard-Embedded-Computing-Produkte. Jedoch möchten immer mehr Entwickler Projekte in den Bereichen künstliche Intelligenz oder Artificial Intelligence of Things (AIoT) umsetzen – hierzu benötigen sie eine höhere Rechenleistung, die wir mit GPU Computing bereitstellen. Auch im Bereich der Visualisierung ist GPU Computing nicht mehr wegzudenken. Insgesamt wird das Thema flächendeckend weiter wachsen und insbesondere in den High-Performance-Anwendungen Einzug halten.

Vielen Dank, Herr Markwardt, für das Gespräch.


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