Einkauf bei Phoenix Contact

»So sieht es aktuell bei wichtigen Roh- und Vormaterialien aus«

5. April 2022, 9:00 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Markus Brentano, Phoenix Contact
Markus Brentano: »Auch Phoenix Contact war gezwungen, die Kostensteigerungen – zumindest in Teilen – an den Markt weiterzugeben. Obwohl das Verständnis im Markt für diesen Schritt vorhanden ist, fordern alle Marktteilnehmer maximale Preisstabilität, um das Thema Inflation bestmöglich unter Kontrolle zu halten. «
© Phoenix Contact

Markus Brentano, Vice President Purchase, verantwortet den Einkauf von Phoenix Contact. Er gibt detaillierten Einblick in den Beschaffungsmarkt: Welche Rohstoffe und Komponenten sind knapp, bei welchen Materialien entspannt oder verschärft sich die Situation?

Markt&Technik: Mit welchen Herausforderungen bei der Beschaffung von Vormaterialien, Bauteilen und Rohstoffen ist Phoenix Contact aktuell konfrontiert? 

Markus Brentano, Phoenix Contact: Im Bereich der technischen Kunststoffe ist der Markt nach wie vor verknappt. Das liegt unter anderem an den hohen Auftragsbeständen der Hersteller und Compoundeure. Wir beobachten jedoch bei Standardkunststoffen eine Verbesserung und gehen davon aus, dass im zweiten Quartal eine Entspannung eintritt. Die Situation bei Kunststoffen mit Flammschutz ist dagegen sehr kritisch, da hier nur wenige bzw. ein großer Hersteller für Flammschutzadditive den Markt bestimmen. Es wird in diesem Bereich vermutlich im ganzen Jahr 2022 bei Engpässen bleiben.

Der Markt der Industriemetalle ist aktuell von hohen Energiekosten und erhöhten Bedarfen unter anderem durch die Elektrifizierung der Gesellschaft geprägt. Insbesondere haben die Zink-Hütten in Europa wegen der extrem gestiegenen Energiekosten Mengen vom Markt genommen. Bei Kupferschmelzern ist Ähnliches zu beobachten. Obwohl die Minenkapazitäten noch ausreichend sind, führt dies zu Verknappungssorgen und stark gestiegenen Börsenkursen.

Die Stahlpreise haben sich aufgrund der gesunkenen Nachfrage stabilisiert. Jedoch befürchten Marktteilnehmer Preissteigerungen wegen hoher Energie- und Kokskohlepreise.

Des Weiteren gibt es einen Engpass bei Kabeln und Leitungen. Wegen der hohen Marktbedarfe sind Kunststoff-Mantelmaterialien und Kupferlitzen stark verknappt. Bei den Mantelmaterialien fehlen insbesondere, wie bei anderen Kunststoffen, die Flammschutzadditive. 

Im Bereich der elektronischen Komponenten hat sich die Beschaffungssituation gegenüber 2021 nur in Teilbereichen leicht entspannt. Rohstoffbedingte Engpässe, zum Beispiel bei Steckverbindern, die durch die Flutkatastrophe in Deutschland und angrenzenden Ländern im Sommer 2021 entstanden sind, konnten inzwischen durch Maßnahmen und durch eine langsame Wiederaufnahme der Produktion bei einigen betroffenen Unternehmen gelöst werden. Ganz anders sieht es bei Halbleiterbauelementen aus. Die weltweit ungebrochen hohe Nachfrage, verbunden mit einer immer noch viel zu geringen Produktionskapazität, sorgt weiterhin für eine extreme Verknappung!

Zudem sind auch Verpackungsmaterialien betroffen. Wegen des gestiegenen Internet-Bestellverhaltens sind Kartonagen verknappt. Dazu kommen aktuell Streiks in Finnland bei wichtigen Rohstoffherstellern und ein erhöhter Bedarf an Altpapier in China. Dies führt in diesem Marktsegment zu Preissteigerungen.

Zusätzlich zu den beschriebenen Entwicklungen hat der jüngst ausgebrochene Krieg zwischen Russland und Ukraine starke Auswirkungen auf durchweg alle Warengruppen und verschärft zudem die Preissituation durch gestiegene Energiekosten bei den fossilen Brennstoffen oder Strom, die zur Produktion benötigt werden.

Und wie wirkt sich diese Knappheit auf die Preise aus?

Die Engpass-Phase hat schon seit Längerem einen großen Einfluss auf die Märkte. Daher kommt es in fast allen Bereichen zu Preiserhöhungen. In Teilbereichen, in denen die Rohstoffverknappung oder der Kapazitätsengpass und gleichzeitig der Bedarfsanstieg besonders ausgeprägt sind, fällt auch der Preisanstieg sehr steil aus. Konkret sehen wir das zum Beispiel bei Kabeln und Leitungen, Bandhalbzeugen, NE-Profilen, Kunststoffprofilen und Kunststoffteilen, Faltschachteln, Metallteilen sowie auch bei Halbleiterbauelementen und zum Teil auch bei Leiterplatten.

Wie gehen Sie mit diesen Preissteigerungen um?

Natürlich war auch Phoenix Contact gezwungen, die Kostensteigerungen – zumindest in Teilen – an den Markt weiterzugeben, da eine derartige Preisentwicklung am Beschaffungsmarkt unmöglich hinreichend durch Effizienzmaßnahmen kompensiert werden kann. Obwohl das Verständnis im Markt für diesen Schritt vorhanden ist, fordern alle Marktteilnehmer maximale Preisstabilität, um das Thema Inflation bestmöglich unter Kontrolle zu halten. 

Mit welcher weiteren Entwicklung rechnen Sie?

Die Elektrifizierung der Gesellschaft schreitet voran und damit deren positive Marktentwicklung. Erfreulicherweise bewegt sich Phoenix Contact in diesem von Wachstum geprägten Marktumfeld. Grundsätzlich gehen wir – wie auch die meisten Marktteilnehmer – davon aus, dass die Engpass-Situation in vielen Märkten bis mindestens Ende 2022 anhält. Im Bereich Halbleiterbauelemente erwarten wir eine verzögerte Entspannung. Es sind oder werden zwar weltweit viele neue Produktionsstätten geplant. Bis zur Fertigstellung und Aufnahme der Produktion vergehen aber typischerweise zwei bis drei Jahre; dementsprechend ist auch die Auswirkung auf die Lieferverfügbarkeit.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen

 

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