Interview zur Verfügbarkeit von Relais

Europäische Strategie von Finder zahlt sich jetzt aus

6. April 2022, 11:37 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Finder / Pollin Electronic
Obwohl der Markt im letzten Jahr insgesamt von Bauteileknappheit geprägt war, konnten Finder und Pollin Electronic ihre Partnerschaft weiter intensivieren.
© Finder / Pollin Electronic

Wegen der zu 100 Prozent europäischen Fertigung ist Finder in der Lage, schnell auf Anforderungen am Relais-Markt zu reagieren. Davon profitieren nicht nur Direktkunden, sondern auch die Distribution. Im letzten Jahr hat der Relais-Spezialist z. B. seine Partnerschaft zu Pollin Electronic ausgebaut.

Die Gesprächspartner: 

  • Markus Eberl ist Einkaufsleiter bei Pollin Electronic.
  • Philipp Lazic ist Leiter Marketing und Kommunikation von Finder.
  • Peter Müller ist zuständig für den Einkauf Bauelemente bei Pollin Electronic.
  • Dirk Rauscher ist Vertriebsdirektor von Finder.

Markt&Technik: Der Markt für Relais boomt. Wie zufrieden sind Sie mit der Geschäftsentwicklung bei Finder?

Dirk Rauscher, Finder: Seit 2021 ist die Situation am Relais-Markt unfassbar positiv – und das unverändert bis heute. Bemerkenswert ist, dass das Wachstum aus nahezu allen Anwendungsbereichen kommt, von der Gebäudeautomation bis hin zum boomenden Markt für erneuerbare Energien. Durch die Elektrifizierung und Digitalisierung in allen Anwendungsbereichen hat das Relais-Geschäft einen enormen Schub bekommen. Und vieles deutet darauf hin, dass sich dieses stabile Wachstum auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. In unseren Hauptabsatzmärkten sind Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich keine Seltenheit.

Welche Auswirkungen hat diese ungewohnt hohe Nachfrage?

Philipp Lazic, Finder: Damit einhergeht vor allem eine wichtige Kundenanforderung: die Warenverfügbarkeit! Natürlich spielt auch die Liefergeschwindigkeit eine Rolle, aber allem voran ist es unseren Kunden wichtiger denn je, einen verlässlichen Partner an ihrer Seite zu haben, mit dem sie vorausschauend planen können. Das ist tatsächlich ein Paradigmenwechsel am Relais-Markt, Themen wie Logistik und Planungssicherheit rücken absolut in den Vordergrund. 

Markus Eberl, Pollin Electronic: Diese Einschätzung können wir als Distributor nur unterstreichen. Ein Problem am Markt für Elektronikkomponenten ist, dass seit dem Jahr 2020 Verlässlichkeit verloren gegangen ist, aufgrund von Unabwägbarkeiten aller Art, die Auswirkungen auf die Lieferketten und auch Lieferwege haben. Daher unternimmt unser Unternehmen viele Anstrengungen, um diese Unabwägbarkeiten so gut es geht zu beseitigen. Wegen der Pandemie und auch anderen Einflüssen war man lange Zeit auf »Trial and Error« angewiesen. Der Wunsch der gesamten Industrie ist es jetzt, wieder zu einer Normalität zurückzukommen, die eine vernünftige Planung ermöglicht. Das ist sicherlich eine der großen Herausforderungen in diesen Tagen. Ergänzen möchte ich noch, dass neben der Liefer-Performance auch eine offene und ehrliche Kommunikation zwischen den Geschäftspartnern enorm wichtig geworden ist. 

Wie steht es denn um die Produktverfügbarkeit bei Finder?  Können Sie die Relais zur Verfügung stellen, die der Kunde benötigt?

Dirk Rauscher, Finder: Im Vergleich zu vielen Wettbewerbern am Markt sind wir in puncto Verfügbarkeit sehr gut aufgestellt – also ja, wir können mit wenigen Ausnahmen liefern. Entsprechend unserer Strategie bedienen wir einen sehr breiten Kundenstamm, fokussieren uns also nicht auf nur wenige Großkunden. Dass dies funktioniert, zeigt die Partnerschaft zu Pollin Electronic. 

Peter Müller, Pollin Electronic: Wir haben unsere Geschäftsbeziehung zu Finder in den letzten beiden Jahren noch einmal deutlich intensiviert und neue Produkte ins Sortiment aufgenommen, obwohl der Bauelemente-Markt insgesamt von Knappheit gekennzeichnet war. Für uns und für unsere Kunden ist diese Partnerschaft sehr wichtig. Durch gemeinsame Aktivitäten wie den »Finder Showtruck« bei uns vor Ort in Pförring konnten wir die Nähe zu unseren Kunden weiter steigern.

Insgesamt sind die Lieferzeiten bei Relais gestiegen. Wie hoch sind sie bei Finder

Philipp Lazic, Finder: Unsere Produktionslinien sind voll ausgelastet; gleichzeitig forcieren wir den Ausbau unserer europäischen Produktionskapazitäten und investieren in Materialien und weiteres Personal. Hier stehen wir voll hinter unseren Kunden und versuchen wirklich alles, um Bedarfe zu realisieren. Dennoch muss man bei einzelnen Relais-Typen mit Lieferzeiten in einer Größenordnung von ca. 30 Wochen rechnen, die für unsere Verhältnisse lang sind. 

Und welche Rückmeldungen bekommen Sie vom Markt? Wie hoch sind die Lieferzeiten in der Spitze bei anderen Relais-Herstellern bzw. wie angespannt ist die Situation insgesamt?

Dirk Rauscher, Finder: Die Lage ist schon recht angespannt. Vormaterial und Rohmaterial müssen zum Teil mit großen Vorlaufzeiten eingekauft werden. Leider haben Umweltkatastrophen wie das Hochwasser im Ahrtal die Situation weiter verschärft. Daher sind am Markt Lieferzeiten bei Relais bis zu 100 Wochen möglich!

Markus Eberl, Pollin Electronic: Aber nicht nur bei den Relais ist der Beschaffungsmarkt angespannt, auch in vielen anderen Bereichen, allen voran bei den aktiven Komponenten, ist die Lage weiterhin schwierig. Seit zwei Jahren sind die Herausforderungen groß, sodass im Bereich der Beschaffung ein Umdenken stattgefunden hat. 

Finder fertigt seine Produkte zu 100 Prozent in Europa. Ist das ein Argument, mit dem Sie ihre Kunden aktuell überzeugen können?

Dirk Rauscher, Finder: Unsere europäische Strategie kommt uns definitiv zugute! In der Vergangenheit mussten wir uns manchmal dafür rechtfertigen, dass wir ausschließlich in Europa produzieren. Um es klar zu sagen, für Finder stand es nie zur Debatte, das zu ändern. Es freut uns aber heute umso mehr, dass wir mittlerweile für unsere europäische Philosophie geschätzt werden. Zu dieser Philosophie gehört übrigens auch eine konservative Lagerhaltung, die uns in der Vergangenheit zugegebenermaßen viel Platz und Geld gekostet hat. Seit allerdings die Preise für Rohstoffe in die Höhe geschossen sind, ist diese Strategie Gold wert. Wir scheinen aktuell vieles richtig zu machen und können daher auch Marktanteile gewinnen. 

Peter Müller, Pollin Electronic: Für uns ist die Nähe von Finder und die gemeinsame Basis wichtig, neben der europäischen Qualität. Wir versuchen aktuell, europäische Partnerschaften zu forcieren, die über das reine Lieferantenverhältnis hinausgehen. Finder ist diesbezüglich ein idealer Partner für uns, aber auch Unternehmen wie HellermannTyton mit ähnlichen Werten. Wir wollen uns hin zu solchen Partnerschaften weiterentwickeln.

Einen besonderen Stellenwert hat der Markt für erneuerbare Energien. Wie wichtig ist dieser Bereich für Sie?

Philipp Lazic, Finder: Das ist ein sehr wichtiger Markt, den man auf keinen Fall unterschätzen darf. Märkte wie E-Mobility benötigen Produkte wie Relais, die auf besondere Bedürfnisse maßgeschneidert sind. Klein, leistungsstark, energieeffizient und robust sind hier als Merkmale zu nennen. Es handelt sich also um einen wachsenden Absatzmarkt. Genauso wichtig ist aber, dass auch wir als Gemeinschaft in Richtung Nachhaltigkeit aktiver handeln müssen. Finder versucht voranzugehen, indem wir unsere Fertigung in Italien energieautarker machen und in Photovoltaikanlagen und andere Maßnahmen zur CO2-Einsparung investieren. 

Das Interview führte Corinna Puhlmann-Hespen

 

Weitere Infos zu Pollin Electronic:

  • Pollin Electronic ist ein mittelständisches Spezial-Versandhaus mit über 30.000 Artikel für Elektronik und Technik mit Sitz im oberbayerischen Pförring. Als moderner Multichannel-Anbieter verknüpft das Familienunternehmen den klassischen Katalogversandhandel, den professionellen Onlineshop und das Filialgeschäft vor Ort zu einem umfassenden Angebot für die Kunden. Das Unternehmen wird in der vierten Generation von Max Pollin geführt und bedient mit mehr als 220 Mitarbeiter Business-Kunden ebenso wie Endverbraucher und versendet seine Pakete international. Das Spektrum reicht dabei von elektronischen Bauelementen und Bausätzen über Komponenten für die Hausinstallation, Computertechnik und Beleuchtung bis hin zum 3D-Druck-Service. 

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