Wegen der Situation am Rohstoffmarkt

»Wir müssen über alternative Kabel-Designs nachdenken«

24. März 2022, 9:41 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Georg Stawowy
Georg Stawowy, Vorstand für Innovation und Technik bei Lapp: "Es wird nicht mehr entscheidend sein, welche Effizienz oder welcher Automatisierungsgrad in der Produktion herrscht, der entscheidende Faktor in der Wettbewerbsfähigkeit wird der verlässliche Zugang zu Rohstoffen sein."
© Lapp

Bei Kabeln liegen die Materialkosten bei ca. 70 Prozent, der Anteil der Lohnkosten bei 30 Prozent. Weil Rohstoffe insgesamt knapper werden, ist der Materialeinsatz durchaus kritisch zu hinterfragen. Georg Stawowy, Vorstand für Innovation und Technik bei Lapp, spricht über die Konsequenzen.

Markt&Technik: Mit welchen Herausforderungen bei der Beschaffung von Vormaterialien, Bauteilen und Rohstoffen ist Lapp aktuell konfrontiert?

Georg Stawowy, Lapp: Da geht es uns wie vielen anderen Unternehmen auch. Die Herausforderungen sind die Verfügbarkeit und die Preise. Der Kupferpreis für unsere Kabel ist enorm angestiegen. Aber diese Volatilität kennen die Kunden und akzeptieren sie auch. Zum Glück haben wir für viele Materialien langfristige Rahmenverträge, und das hat uns gerettet. Wir gehen fest davon aus, dass wir Marktanteile gewonnen haben, weil unsere Verfügbarkeit besser war als die der Wettbewerber. Wir haben schon vor ein paar Jahren das Risikomanagement sehr ernst genommen und haben Partnerlieferanten identifiziert, mit denen wir entsprechende vertragliche Vereinbarungen getroffen haben.

Gibt es Produkte bzw. Produktgruppen, die besonders von Preissteigerungen betroffen sind?

Bei den Kunststoffen sehen wir größere Herausforderungen. Im Vergleich zum Oktober 2020 liegen die Preise der verschiedenen Kunststoffe zwischen 30 Prozent und 70 Prozent höher. Das war nicht vorhersehbar. In den vergangenen Monaten ist die Preisdynamik etwas abgeflacht, aber sie bleibt auf einem hohen Niveau. Grund dafür ist ein erheblicher Engpass bei den Kohlenstoffen. Für uns war auch die Verfügbarkeit von Silikon vor ein paar Monaten quasi komplett abgerissen. Aufgrund der CO2-Reduktionsbestrebungen in China wurden zeitweise große Produktionsstätten runtergefahren. Die Preise sind ja nur ein Ausdruck von Knappheit.

Welche Auswirkungen haben die steigenden Preise?

Strategisch gesehen sorgt mich die Frage nicht, ob der Preis für Kunststoffe nochmal 20 Prozent rauf- oder runtergeht. Wir müssen davon ausgehen, dass Rohstoffe grundsätzlich knapper werden. Der Materialanteil in den Selbstkosten wird zunehmen. Es wird nicht mehr entscheidend sein, welche Effizienz oder welcher Automatisierungsgrad in der Produktion herrscht, der entscheidende Faktor in der Wettbewerbsfähigkeit wird der verlässliche Zugang zu Rohstoffen sein. Wenn Sie sich die Kosten für ein Kabel anschauen, dann haben wir heute bereits 70 Prozent Materialkosten und 30 Prozent Lohnkosten. Und die Anteile werden sich deutlich Richtung Material verschieben.

Mit welcher weiteren Entwicklung rechnen Sie?

Rohstoffverfügbarkeit hat eine geopolitische Komponente bekommen, und ich würde das durchaus als Trend für Produktion und Supply Chain sehen, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Auch beim Produktdesign muss man neu denken: Für unsere Verbindungslösungen ist die Frage, ob man die gleiche Funktionalität mit 20 Prozent weniger Material sicherstellen kann, trotz der Normen. Wir müssen daher gleichermaßen über alternative Designs und Prozesse nachdenken. Das geht nur, wenn auch die bestehenden Normen kritisch hinterfragt werden – zum Beispiel im Hinblick auf die Dauerfestigkeit. Das Kabel hält heute in vielen Anwendungen oft länger als die Maschinen, in denen es eingesetzt wird. Wir müssen uns auch fragen, ob wir es uns in 30 Jahren noch leisten können, Produkte herzustellen, die so überdimensioniert sind. 

 

 

Mehr zum Thema: 

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Verwandte Artikel

U.I. LAPP GmbH