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Kommentar

Impfdiplomatie beeinflußt die Lieferkette

Engelbert Hopf
© Markt&Technik

Im geopolitischen Wettstreit mit China setzen die USA zunehmend auf Impfdiplomatie in Südostasien. Der Stabilisierung der Lieferketten kann dies nur dienlich sein.

Aktuell sind in Deutschland 61,3 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Covid-19 geimpft. Berücksichtigt man nur die Geimpften über 18 Jahren, liegt der Anteil sogar bei 72 Prozent. Zwar hat sich das Impftempo in Deutschland zuletzt deutlich verlangsamt, aber niemand dürfte ernsthaft daran zweifeln, dass diese vergleichsweise hohe Impfquote entscheidend dazu beigetragen hat, Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Ähnliches zurückzufahren.

Während hierzulande auf hohem Niveau darüber diskutiert wird, wie sich die Zahl der Geimpften noch weiter steigern ließe, sind es vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer, deren Impfquoten noch weit hinter dem hierzulande Erreichten zurückliegen. Ein bekannter Fakt, der auch immer wieder angesprochen wurde, aber wohl auch unter dem Eindruck der nach wie vor weltweit eingeschränkten Fernreisen und Business Trips immer wieder in Vergessenheit gerät.

Auf höchster politischer Ebene hatten sich die Regierungschefs der G7-Staaten bereits im Juni bei ihrem Treffen in Cornwall darauf geeinigt, mindestens 1 Milliarde Covid-19-Impfdosen der UNICEF-Impfkampagne Covax zur Verfügung zu stellen und damit Impfkampagnen auch in ärmeren Ländern zu ermöglichen. Unter dem Eindruck des geostrategischen Wettstreits zwischen den USA und China hat sich seither so etwas wie eine Impfstoffdiplomatie entwickelt.

Welch niedriges Impfschutzlevel bisher etwa die Tigerstaaten Südostasiens aufweisen, haben die letzten Wochen und Monaten gezeigt. Besonders stark betroffen waren zuletzt Malaysia, Indonesien und die Philippinen (vgl. „Weiteres Risiko für Elektronikfertigung?“ auf S 1). In diesen Ländern grassierte die Delta-Variante. Als Konsequenz verhängten die Regionalregierungen Lockdowns, die zu Werksschließungen auch im Elektronikbereich führten.

In der ohnehin angespannten Situation der Lieferketten tragen diese unvorhersehbaren Corona-Ausbrüche dazu bei, die Situation weiter zu verschärfen. Wie in den Industrienationen dürfte die einzige Möglichkeit, das Risiko weiterer Produktions- und Lieferunterbrechungen zu minimieren, in konsequenten Impfkampagnen liegen. Doch selbst wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen würde, dürfte es bis in den Spätherbst hinein dauern, den Schutzgrad in den Fertigungsstätten Südostasiens nachhaltig zu erhöhen.
Während hierzulande Booster-Impfungen diskutiert werden, wäre die Mehrheit der Beschäftigten in den Produktionsstätten Südostasiens wohl froh, überhaupt einen Impfschutz zu bekommen.


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