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Corona-Auswirkungen

Quarantäne-Bestimmungen für LKWs traktieren Lieferkette

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© AdobeStoch/Ilya

Einkäufer aus der BME-Community klagen über ausbleibende Rohstoff- und Materiallieferungen. Der staatlich verordnete Lockdown treibt den Puls in den Lieferketten nach oben.

Die aktuelle Corona-Krise erschwert das Global Sourcing deutscher und europäischer Einkäufer. „Gleichzeitig zwingt es sie, ihre bisherigen Beschaffungsstrategien zu überdenken“, betont Olaf Holzgrefe, Leiter International & Affairs des Bundesverbands Materialwirtschaft, kurz: BME.

Da die EU auf bestimmte Waren aus China Strafzölle erhoben hat, kommen noch drohende Zollschwierigkeiten für deutsche und europäische Unternehmen hinzu. Holzgrefe: „Es zeigt sich, dass die durch Corona geänderte Situation auch Auswirkungen in Asien hat und Unternehmen hier ebenfalls neu denken müssen. Dies umso mehr, da sich die Wirtschaft in China schneller erholt als in Europa.“ Local for Local sei spätestens seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie wieder eine Option für deutsche und europäische Einkäufer geworden – und das sowohl in Asien als auch in Europa.

Dank ihres flexiblen Risikomanagements hätten die Unternehmen die direkten Auswirkungen der Pandemie bisher relativ gut im Griff. Allerdings zeigt der erneute staatlich verordnete Lockdown inzwischen problematische Auswirkungen. Immer mehr Einkäufer klagten über ausbleibende Rohstoff- und Materiallieferungen; manche von ihnen sprächen sogar schon von Mangelwirtschaft. So habe das Hauen und Stechen um industrielle Ressourcen längst begonnen. Einkäufer aus dem BME-Netzwerk berichteten, dass sie in Schreiben ihrer Lieferanten auf mögliche Lieferverzögerungen und -ausfälle hingewiesen würden. Die Folge seien zusätzliche Transport- und Logistikkosten.

Alles in allem erwiesen sich die Lieferketten aber bisher als stabil und trotzten erfolgreich der Pandemie. Das signalisiere auch der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der sich im Februar 2021 bereits den achten Monat in Folge deutlich über der 50-Punkte-Wachstumslinie bewege. Erfreulich sei zudem, dass China wieder zur Lokomotive der Weltwirtschaft avanciere. Zahlreiche ausländische Firmen, darunter auch etliche deutsche, profitierten von der wieder anspringenden Konjunktur im Reich der Mitte. Holzgrefe: „Viele von ihnen erzielen zurzeit Rekordumsätze im Geschäft mit der größten Volkswirtschaft Asiens und benötigen deshalb Produktionsmaterial ohne Ende.“

Einige BME-Mitgliedsunternehmen berichteten, dass die Corona-Krise ihr Lieferanten-Netzwerk zunehmend belaste. Es komme beispielsweise im Bereich Elektrotechnik/Elektronik zu akuten Verzögerungen bei der Belieferung mit Halbleitern. Die angespannte Situation im Elektronikmarkt führe dazu, dass abgeschlossene Kontrakte von einigen Chip-Herstellern nur noch als „Papier“ angesehen würden und bereits zugesagte Lieferungen ausblieben. Auch Industriemetalle, Granulate sowie andere Produktionsmaterialien und Vorprodukte, insbesondere aus Mittel- und Osteuropa, Japan, Indien und Mexiko, seien zunehmend knapp.

Gravierende Engpässe gebe es in der Lieferkette Stahl, die immer mehr Verarbeitungsfirmen über Nachschubprobleme klagen lasse. Viele Hüttenwerke hätten 2020 auf dem Höhepunkt der Corona-Krise ihre Produktion gedrosselt und könnten jetzt die wieder anziehende Nachfrage kaum befriedigen. Einkäufer berichten dem BME von Stahl-Service-Centern, die ihnen 2020 kein einziges Kaufangebot unterbreitet hätten. Deshalb seien sie in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres ausschließlich auf dem Spotmarkt aktiv. Denn dort könnten die Stahlverarbeiter kurzfristig und unmittelbar ihre Bedarfe decken.

Nicht nur bei zusätzlich bestellten Stahlmengen gebe es Lieferzeiten von mehreren Monaten; auch bei schon geschlossenen Verträgen komme es zu Verzögerungen und verringerten Zuteilungen. Angesichts der Knappheit im Markt explodierten derzeit die Stahlpreise. Diese lägen zum Teil weit über dem Vorjahresniveau und trieben die Beschaffungskosten der Einkäufer nach oben. Während zunächst vor allem Flachstahl betroffen gewesen sei, breite sich das Problem nun auch auf Produkte wie Walzdraht und auf Spezialstähle aus.

Aus der BME-Community war zu hören, dass vielen Betrieben die aktuelle Situation der Verpackungsindustrie massive Probleme bereite. Der Grund: Sie kommen mit ihrer Produktion nicht hinterher. Das gelte vor allem für braune Standardboxen, die im Moment sehr gefragt seien.

Die Logistik sorge in Einkauf, Logistik und Supply Management ebenfalls für wachsenden Unmut. Es fehle an Transportschiffen und Flugzeugen. Vor allem bei der Buchung von Frachtmaschinen schössen die Preise derzeit durch die Decke. Ein weiteres Ärgernis seien die sich immer länger hinziehenden Zollformalitäten. Diese dauerten beispielsweise in Hamburg um zwei Wochen länger als noch vor Corona. Der Zoll verfüge nicht über genügend Mitarbeiter, um Containerware zügig aus den Containern herauszuholen.


  1. Quarantäne-Bestimmungen für LKWs traktieren Lieferkette
  2. Zahlreiche Verspätungen bei LKWs

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Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)