Neues SoC für ADAS- und AD-Funktionen

Level 2+ und Level 3 für das Volumensegment

28. März 2022, 10:13 Uhr | Iris Stroh
Renesas Electronics
Blockschaltbild des R-Car-V4H
© Renesas Electronics

Renesas Electronics erweitert seine R-Car-Produktfamilie mit dem R-Car-V4H. Mit dieser Komponente zielt das Unternehmen abermals auf das Volumensegment, dieses Mal aber das zu erwartende Volumensegment in den Jahren 2024/2025.

Bei Renesas’ neuem SoC R-Car-V4H geht es um Level-2+- und Level-3-Funktionen wie Highway-Pilot und automatisches Einparken. Diese sind zwar schon im Premiumsegment zu finden, jetzt sollen sie mit der Hilfe von Renesas auch für das Volumensegment nutzbar gemacht werden. Eric Pinton, Director bei Renesas Electronics, kommentiert: »Es gibt zwar einen Hype um autonomes Fahren, aber als japanisches Unternehmen gehen wir das Ganze pragmatisch an und schauen uns realistische Szenarios an.«

Diese Vorgehensweise hat sich schon einmal bewährt, und zwar im Bereich der Frontkameras. Auch hier hat sich Renesas ganz klar darauf fokussiert, das Volumensegment zu bedienen, und zwar mit ICs, die für diese Anwendung optimiert sind. Der Erfolg gibt dem Unternehmen aus Pintons Sicht recht: Bisherige Design Wins sprechen dafür, dass bis 2024 zirka 25 Millionen Stück der R-Car-V3M/V3H-Komponenten auf der Straße zu finden sein werden. Pinton: »Die Zahlen zeigen: In diesem Bereich sind wir sehr erfolgreich und haben Marktanteile von Mitbewerbern gewinnen können. Und das gilt weltweit, unsere Design Wins in Europa übertreffen sogar die aus Japan, aber auch Korea und China nutzen die Vorteile unserer ICs für Frontkameras.«

Diesen Erfolg will Renesas mit dem neuen R-Car wiederholen. In diesem Fall geht es um Level 2+ und Level 3, wobei Pinton betont, dass Renesas seine neue R-Car-V4H-Komponente auch in diesem Fall auf Anforderungen im Volumensegment optimiert hat. Pinton: »Geht es um höhere Automatisierungsgrade, sprich: L2+ und L3, dann wollen die OEMs bzw. Tier-Ones einen höheren Integrationsgrad; beispielsweise ist ein 360-Grad-Rundumblick mit mehreren Sensoren mehr oder minder obligatorisch.« Aus Pintons Sicht werden die heutigen intelligenten Sensoren, die ihre Daten an eine zentrale ECU für die Sensorfusion schicken, in Zukunft zu Sensoren, die weniger Intelligenz aufweisen, sondern vielmehr ihre Rohdaten an eine zentrale Einheit schicken, die diese Rohdaten dort verarbeiten. Pinton: »Der R-Car-V4H ist genau dafür ausgelegt; er verfügt über genügend Rechenleistung, um alle Kamera-, Lidar- und Radardaten im Rohformat zu verarbeiten.«

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Eric Pinton, Renesas Electronics: »Der R-Car-V4H ermöglicht die Entwicklung kostenoptimierter ADAS-ECUs für Level-2+- und Level-3-Funktionen mit nur einem einzigen Chip, einschließlich aller Anforderungen von NCAP 2025.«
© Renesas Electronics

Der neue R-Car geht 2024 in die Serienfertigung, das heißt, dass die Produkte 2024 bis 2030 in Volumen auf der Straße sein werden. Pinton ist überzeugt, dass dieser Zeithorizont hinsichtlich der Automatisierungsgrade passt. Denn selbst 2030 wird das Volumen für Level 4 und Level 5 noch klein ausfallen; der Großteil der Fahrzeuge solle selbst dann noch Level 2+ bis Level 3 aufweisen. Pinton: »Bei hohen Automatisierungsgraden wie Level 4 und Level 5 muss noch deutlich mehr Elektronik ins Fahrzeug wandern, denn dann gibt es kein Fallback mehr, der Fahrer ist nicht mehr verantwortlich. Dieses Thema gehen wir erst im nächsten Schritt an«, so Pinton.

Renesas positioniert sich auf dem Automotive-Markt bzw. im ADAS/AD-Segment durch einen eigenen Ansatz: eine offene Plattform. Im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern, die auf ein Komplettpaket, sprich: SoC plus Software, setzen, lässt Renesas den OEMs bzw. Tier-Ones die Wahl: Sie können sich entscheiden, von wem sie die Software nutzen wollen. »Die Software kann von Renesas oder unseren Partnern kommen, die Kunden können aber auch die Software von anderen Software-Lieferanten nutzen oder ihre eigene Software. Das ist ganz allein ihre Entscheidung«, so Pinton.

R-Car V4H

R-Car V4H ist laut Pinton das erste Produkt, das als Stand-alone-Komponente L2+ unterstützt; Dual R-Car-V4H wiederum ist für Level 3 gedacht. Aber Pinton betont, dass dank des unternehmenseigenen Mode der Software-Entwickler ein System auf Basis von Dual R-Car-V4H genauso programmieren muss, als wenn es sich um eine einzige Komponente handelt. Pinton: »Auf den für R-Car-V4X genutzten zwei R-Car-V4H-SoCs kann unterschiedliche Software laufen, aber für die Software-Entwickler erscheint der Dual R-Car-V4H als ein einziges Produkt. Das heißt auch, dass im Falle eines Fehlers ein SoC abgeschaltet werden kann und nur noch das andere SoC weiterarbeitet.«

Die R-Car-V4H-SoCs basieren auf der V3U-Architektur, allerdings werden die Komponenten mithilfe eines 7-nm-Prozesses gefertigt; die R-Car-V3-ICs basieren auf einem 12-nm-Prozess. Pinton betont, dass der 7-nm-Prozess dazu beiträgt, die Verlustleistung und die dynamische Leistung zu verbessern, und dadurch eine niedrige Leistungsaufnahme erreicht wird. »Es handelt sich zwar um einen TSMC-Prozess, wir führen aber unsere eigene Charakterisierung der Transistoren durch und wir übernehmen auch die Endprüfung, sodass wir die Leistungsaufnahme auch bei 7 nm gut im Griff haben.«


  1. Level 2+ und Level 3 für das Volumensegment
  2. "...die Effizienz ist entscheidend."

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