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Digitaler Schutzengel für Radfahrer

Continental & T-Systems orten potenzielle Unfälle

02. Juni 2021, 09:11 Uhr   |  Ute Häußler

Continental & T-Systems orten potenzielle Unfälle
© Continental / T-Systems

Unfälle mit Autos sind für Fußgänger und Radfahrer oft tödlich. Ein neuer Ortungsdienst, der Fahrt- und Laufwege zwischen Autos, Radfahrern und Fußgänger abgleicht und Kollisionen vorhersagt, soll die Zahl dieser Unfälle per Handy-Warnung reduzieren.

Unfälle zwischen Fußgängern oder Radfahrern und Autos oder LKWs enden laut dem europäischem Verkehrssicherheitsrat zu über 80 Prozent tödlich für die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Continental und die Deutsche Telekom haben jetzt ein System entwickelt, das diese Art von Unfällen verhindern soll.

Dass Auto muss dazu vernetzt sein, also via GPS ortbar und muss seinen Standort weitergeben können. Das neue System berechnet über das Internet den eingeschlagenen Weg eines Autos und eines Radfahrers, Fußgängers oder Zweirades. Kreuzen sich diese wahrscheinlich zum gleichen Zeitpunkt, warnt das System per Mobilfunk die beiden Verkehrsteilnehmer in Echtzeit. Die ersten Tests im Straßenverkehr waren erfolgreich.

Nur bei eingeschalteten Datendiensten

Die Standortbestimmung und Warnung geschieht laut  Karsten Michels, Leiter der zentralen Vorentwicklung bei Continental, in Echtzeit. Schwere Unfälle, Verletzte und Verkehrstote sollen damit reduziert werden. Dazu muss neben dem Auto natürlich auch die Standortbestimmung und Internet-Kommunikation des zweiten beteiligten Verkehrsteilnehmers eingeschaltet sein. 

Der Partner T-Systems zeigt sich optimistisch, was die Nutzung und damit die Wahrscheinlichkeit sinkender Unfallzahlen betrifft: »Der Schlüssel dafür ist der hohe Grad an Vernetzung: Etwa 85 Prozent der Bevölkerung in Europa nutzen ein Smartphone. Und auch immer mehr Autos sind verbunden. Unser Mobilfunknetz sorgt für extrem kurze Reaktionszeiten.« Oliver Bahns, verantwortlich für Connected Mobility bei T-Systems setzt auf das Mehr an Sicherheit, von der alle Verkehrsteilnehmer profitieren sollen, wenn sie ihre Daten teilen: »Mit der Kollisionswarnung statten wir Rad-, Pedelec- und Scooter-Fahrer mit einem digitalen Schutzengel aus.«

GPS, Mobilfunk und Cloud Computing

Die Kollisionswarnung basiert auf Satellitenortung (GPS), Beschleunigungssensoren, Mobilfunk und Cloud Computing. Das Auto übermittelt seine Position und Beschleunigungswerte per Mobilfunk in die Cloud. Der Radfahrer sendet diese Informationen via Smartphone oder vernetztem Fahrradcomputer ebenfalls in die Cloud. Sie berechnet die Wege für die nächsten fünf Sekunden und sendet bei drohender Kollision eine Warnung an das Auto und auf das Endgerät des Radfahrers. Damit diese Information möglichst schnell beide Verkehrsteilnehmer erreicht, kommt immer der Cloud-Rechner im Mobilfunknetz zum Einsatz, der am dichtesten am Ort der möglichen Kollision liegt - sogenanntes Multi-Access Edge Computing. 

Die Partner entwickeln die Kollisionswarnung für den internationalen Einsatz im Alltag weiter und stellen die Ergebnisse zum ITS World Congress vor. Die Leitmesse für Intelligente Transportsysteme findet vom 11. bis 15. Oktober in Hamburg statt. Die Kollisionswarnung entsteht im Projekt Reallabor Hamburg und wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

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